Der Käpt'n wechselt die Seiten

Alexander Gleis ist neuer Geschäftsführer beim Großenhainer Fußballverein. Die Töppen will er jedoch noch nicht endgültig an den Nagel hängen.

Von Thomas Riemer
 
Auf dem Fußballplatz gibt er den Ton an. Beim Bezirksligisten Großenhainer Fußballverein läuft kaum ein Angriff ohne einen Ballkontakt des Kapitäns. Alexander Gleis führt Regie - nicht nur, weil er mit 1,86 Körpergröße zu den auffälligen Spielern gehört. Er strahlt Autorität aus. Mancher Mitspieler ist gerade einmal halb so alt wie er. "Diese Saison spiele ich noch zu Ende. Danach werde ich sicher etwas kürzer treten", kündigt der 40-Jährige an. Was im Klartext heißt: Die aktive sportliche Karriere des Großenhainer Ausnahmefußballers neigt sich dem Ende zu.
 
Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Alexander Gleis wechselt eigentlich nur die Seiten. Ab 1. April nimmt er offiziell Platz im Büro des schmucken Vereinsheims des GFV 90 auf der Jahnkampfbahn, wird neuer Geschäftsführer des Vereins. Den Fußball seines Heimatvereins erlebt er künftig aus anderer Perspektive, auch wenn er so oft es geht weiter mit den Männern trainieren und einspringen will, "wenn Not am Mann ist".
 
Der Verein liegt Alex Gleis am Herzen und ist für ihn nicht neu. Der Job dagegen ist absolutes Neuland für den Vollblutkicker. Dafür hat er seine bisherige Arbeit bei der Kindervereinigung in Dresden aufgegeben. Seine von dort verbliebenen Urlaubstage verbrachte er schon zu einem Großteil beim GFV, um sich in die neue Aufgabe einzuarbeiten. Um den Jahreswechsel herum hatte ihn die Vereinsführung gefragt, ob er die Nachfolge seiner Vorgängerin Kerstin Albrecht antreten möchte. Alex Gleis sagte nach einer kurzen Bedenkzeit zu. "Das war auch eine persönlich schwierige Entscheidung", sagt er rückblickend. Denn bei der Kindervereinigung fühlte er sich wohl, hatte große Verantwortung - aber zum Teil auch sehr lange Arbeitswege bis zur Außenstelle nach Naunhof bei Leipzig. Das wird sich ändern, denn der Weg vom Wohnort Ebersbach nach Großenhain ist überschaubar. "Ich bin endlich jeden Abend und weitgehend pünktlich zu Hause. Die Familie freut sich natürlich", sagt Gleis schmunzelnd. 
 
Bangemachen gilt für den neuen Geschäftsführer nicht. "Der GFV mit seinen rund 330 Mitgliedern ist gesund und sehr gut aufgestellt", spielt er sowohl auf die sportliche als auch wirtschaftliche Situation an. Vor allem im Großfeldbereich spielen die Großenhainer Teams zumeist höherklassig. Junge talentierte Spieler rücken regelmäßig aus den unteren Altersklassen nach. Hier haben die ehrenamtlichen Trainer sowie die Vereinsführung und Geschäftsstelle ganze Arbeit geleistet, sagt Alex Gleis. 
 
Dennoch: Einfach ist die Situation nun gerade nicht. Wobei es kein hausgemachtes GFV-Problem ist, dass sich die Sponsorentätigkeit und -aquise sehr schwierig gestalten. Jahrelange größere Sponsoren haben sich nach und nach zurückgezogen oder ihr Engagement heruntergefahren. Der Trend geht zu eher kleineren Gönnern, die in mühevoller Klein- und Überzeugungsarbeit für die Vereine gewonnen werden müssen. "Das Sponsoring muss deshalb künftig auf breitere Schultern im Verein verteilt werden", umschreibt Alexander Gleis eines seiner wichtigsten ersten Anliegen als Geschäftsführer. "Dafür muss man viele Wege gehen, aber auch die Trainer und Eltern einbeziehen", ist er überzeugt.
 
Vor mehr als 20 Jahren hat er das Fußballspielen in Großenhain populär gemacht. Nach der Wnde war er einer der ersten Großenhainer Kicker, die den Weg zu Profivereinen fanden. Dynamo Dresden, der Dresdner SC, VFC Plauen, Hallescher FC, FSV Zwickau, VfL Pößneck und Borea Dresden waren seine Stationen, bevor er 2011 wieder zu seinen fußballerischen Wurzeln an die Röder zurückkehrte. Er hat viele Modelle auch in der Nachwuchsarbeit kennengelernt. Im Vorstand des GFV 90 ist er nicht zufällig seit zwei Jahren stellvertretender Nachwuchsleiter. Den Posten im Vorstand wird der neue Geschäftsführer zwar aufgeben - nicht aber sein Interesse für die Nachwuchskicker. "Ich werde mich regelmäßig auf dem Platz blicken lassen", kündigt er an. Einzige Einschränkung: Wenn sein Sohn Maurice in der C-Jugend dem runden Leder für den SC Borea Dresden nachjagt, kann das Wochenende auch mal anders verplant sein. Ob Maurice, dessen Vorbild Toni Kroos vom FC Bayern München ist, mal in Papas Fußstapfen tritt? Alex Gleis zuckt mit den Schulter. Das Talent dafür scheint vorhanden - Maurice gehört immerhin zum erweiterten Kader der Landesauswahl.
 
Alexander Gleis denkt derweil schon an die Fußballsaison 2014/15 beim Großenhainer FV. Die personellen Planungen sind weitgehend geklärt, was die Übungsleiter angeht. Von der "Ideallösung" sind sie allerdings noch um einiges entfernt. "Zwei Übungsleiter pro Mannschaft und ein Mannschaftsleiter wären natürlich das Optimum", sagt Alex Gleis. Hier will er in den nächsten Wochen noch zahlreiche Gespräche, vorrangig mit Eltern, führen. Denn noch muss oft improvisiert werden, wenn der etatmäßige Trainer aus Arbeitsgründen einmal ausfällt. 
 
Ein weiteres Anliegen: "Wir müssen uns als Verein noch besser nach außen präsentieren", sagt Gleis. Schaukästen in der Stadt müssen nach seinem Dafürhalten auf dem aktuellen Stand sein, ebenso der Internetautritt. Auch der "Tag der Sachsen" in Großenhain Anfang September soll als Podium für die Vereinspräsentation genutzt werden. Das traditionelle Oktoberfest auf dem Vereinsgelände an der Jahnkampfbahn gehört dazu. Und, und, und. 
 
"Ideen habe ich viele", sagt Alexander Gleis selbstbewusst. Dass er sie mit Einsatz und Hartnäckigkeit umsetzen will, gehört für ihn zur Ehre, so wie er auch auf dem grünen Rasen stets als echter Sportsmann auftritt. Und für die GFV-Fans bleibt ein Trost: Die Töppen hängt Alex Gleis sicher noch nicht endgültig an den Nagel.
 
(1. April 2014 - aber kein Aprilscherz!)
 
 

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