Großenhain hat erneut eine Weltmeisterin

 

Weltmeisterin nach 42 harten Kilometern

Inline-Speedskaterin Ute Enger aus Großenhain hält in Frankreich die Konkurrenz in Schach und fühlt sich so stark wie nie.

Vor der Abreise ins französische Dijon hatte Ute Enger noch die Erwartungen gedämpft. Um dann am Sonntag auf perfekte Art den Weltmeistertitel über die Marathon-Distanz der Speedskater in ihrer Altersklasse 50 zu gewinnen. Sagenhafte 2 Minuten und 20 Sekunden legte sie zwischen sich und die Vizeweltmeisterin aus Neuseeland. Es ist ihr zweiter WM-Titel, nachdem sie vor zwei Jahren im Ostseebad Damp noch in der AK 40 triumphierte. Gestern vormittag, irgendwo zwischen Freiburg und Augsburg auf der Rückreise, gab die 50-Jährige der SZ ihr Siegerinterview.

Frau Enger, Herzlichen Glückwunsch zum WM-Titel. Wie geht es Ihnen?

Trotz der Strapazen und der kleinen Titelfeier erstaunlicherweise ziemlich gut. Das ist mit einer Goldmedaille im Gepäck sicher auch nicht so ungewöhnlich.

Wie ist aus Ihrer Sicht der Wettbewerb über die mehr als 42 Kilometer verlaufen?

Das Rennen war international und sehr stark besetzt. Deshalb habe ich gleich am Anfang versucht, das Feld zu sprengen. So waren wir schon nach fünf Kilometern nur noch eine vierköpfige Spitzengruppe. ,Das ist eine zu viel`, schoss es mir mit Blick auf die Konkurrentinnen in den Kopf. Deshalb hab ich das Tempo hochgehalten, bis die Italienerin im Quartett nicht mehr mithalten konnte. Später schwächelte meine langjährige schärfste Konkurrentin Eva Wagner aus Österreich und fiel zurück. Als dann die verbliebene starke Skaterin aus Neuseeland das Tempo am Anstieg auch nicht mehr halten konnte, war ich plötzlich allein vorn. So bin ich fast 15 Kilometer vor dem Feld gelaufen, hatte am Ende rund 2 Minuten und 20 Sekunden Vorsprung. Letztlich habe ich die starken Sportlerinnen aller Nationen mit meiner Taktik hinter mir gelassen. Das freut mich natürlich besonders.

Das klingt ja fast, als wäre der Sieg mühelos gewesen?

Nein, auf gar keinen Fall. Es war sehr, sehr hart. Aber entlang der gesamten Strecke auf dem Rundkurs war eine super Atmosphäre. Die Zuschauer haben wirklich jeden Läufer angefeuert. Und ich habe mich so stark wie lange nicht gefühlt. Der Wettkampf war top organisiert von den Franzosen. Dazu gehört zum Beispiel, dass es für jede Altersklasse ein eigenes Führungsmotorrad gab. Das ist dann quasi die ganze Zeit neben mir gefahren, so dass ich mich ein wenig am Tempo orientieren konnte. Dazu gab es auch eine Live-Übertragung aller Wettkämpfe im Internet. Der ganze Tag war einfach toll. Die Siegerehrung unheimlich feierlich. Und als dann die Nationalhymne für mich erklang – das war schon erhebend. Es war eben eine Weltmeisterschaft!

Wie haben Sie sich in den Tagen vor der WM zu Hause vorbereitet?

Beim Lausitzmarathon in Klettwitz gab’s den letzten Härtetest bei 36 Grad. Über die Woche habe ich es dann etwas lockerer angehen lassen, nur leichtere Trainingseinheiten absolviert, zumal ich nach dem Lauf auf dem Lausitzring auch mit Blasen an den Füßen zu kämpfen hatte.  Aber die spezielle Vorbereitung, für die mir auch Claudia Pechstein in Klettwitz ein paar Tipps gegeben hat,  zahlte sich zum Glück aus.

Und jetzt geht es in den Urlaub?

Ich hab zumindest ein paar Tage frei. Zum Verschnaufen bleibt eigentlich gar keine Zeit. Denn bereits am kommenden Wochenende sind wir mit einigen Großenhainer Sportlern schon wieder unterwegs bei der Deutschen Meisterschaft im Halbmarathon in Hattingen.

Gespräch: Thomas Riemer

(SZ-Sport-Elbland, 17. Juni 2014)

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