Suche nach neuem Flugplatz für Großenhain

Zwei Ausweichflächen in der Prüfung

Warum hat die Bürgerinitiative "Pro Flugplatz Großenhain" den Bürgerentscheid abgesagt? War die Unterschriftensammlung für die Katz?

Von Thomas Riemer
 
Die Sprechergruppe der Bürgerinitiative "Pro Flugplatz Großenhain" hat derzeit alle Hände voll zu tun und muss einigen Druck aushalten. Nachdem sie Ende Januar offiziell erklärt hat, auf einen Bürgerentscheid verzichten zu wollen und stattdessen mit dem Rathaus nach einer neuen Fläche für den Flugbetrieb sucht, weht den Initiativlern teilweise ein scharfer Wind ins Gesicht. Der Vorwurf: Die Sprechergruppe um Holger Faulhaber, Armin Benicke und Frank Junge habe den klaren Auftrag ignoriert, den sie von rund 4000 Unterzeichnern des Bürgerbegehrens vom Herbst 2013 erhalten hat. Vor allem die Stadtratsfraktion "Die Linke" hat für den Rückzug wenig Verständnis. Beim Bürgerbegehren sei es doch darum gegangen, den Flugbetrieb auf dem jetzigen Flugplatz weiterzuführen und damit einen Stadtratsbeschluss von 2013 zu kippen, der die Schließung des Flugplatzes vorsah und stattdessen die Schaffung eines Industriegebietes auf rund 220 Hektar Fläche favorisierte. Linken-Stadtrat Thomas Proschwitz spricht sogar von "Vera.....ung" der Unterzeichner. 
Doch der Teufel steckt im Detail. Sagen zumindest die Sprecher der Bürgerinitiative. Sie sehen sich juristisch und auch inhaltlich auf der sicheren Seite. Angestrebt worden sei im Herbst ein Bürgerbegehren gegen den Stadtratsbeschluss vom September, der die Entwicklung des aktuellen Flugplatzgeländes zum Industriegebiet und die endgültige Einstellung des Flugbetriebs zum Inhalt hatte, so Sprecher Holger Faulhaber. Das Bürgerbegehren könne jedoch gemäß Gemeindeordnung auch zurückgezogen werden, "wenn der Gemeinderat die Durchführung der mit dem Bürgerbegehren verlangten Maßnahme beschließt", zitiert der Hobby-Flieger. Genau diesen Sachverhalt sehen die Initiativler efüllt, nachdem der Großenhainer Stadtrat Anfang Februar per Beschluss mehrheitlich zugestimmt hat, bei der Suche nach einer Ersatzfläche für die Fliegerei zu helfen. Damit sei das Bürgerbegehren "quasi abgeschlossen", so Faulhaber.
Gewonnen hat die Bürgerinitiative damit jetzt vor allem eins: Zeit. Denn der Eigentümer und Vermarkter der Flächen, der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), hat signalisiert, an den Plänen für ein Industriegebiet zwar festzuhalten. Doch werden wohl mindestens zwei Jahre ins Land gehen, ehe das Baurechtsverfahren abgeschlossen ist. "Die SIB hat uns schriftlich zugesichert, das am bisherigen Platz nicht nur bis zum Abschluss des Baurechtsverfahrens, sondern bis zum Beschluss einer konkreten Bauplanung - also dem Vorhandensein eines konkreten Investors - weiter geflogen werden kann", erklärt Holger Faulhaber das Prozedere. Die Stadt wiederum habe beschlossen, "das sie den Fortbestand der Fliegerei in Großenhain wünscht und uns in punkto Flächensuche und administrativen Aufgaben aktiv unterstützen wird". Damit sei auch künftig ein Dialog zwischen SIB, Rathaus und Bürgerinitiative möglich. Alles andere, also auch ein Festhalten am angestrebten Bürgerentscheid, hätte nach seiner Überzeugung das Aus für das Flugwesen in Großenhain bedeutet.
Armin Benicke, Sprecher der BI und Chef des Fliegervereins, stellt Kritikern die Gretchenfrage. Sicher hätten sich die Flieger bemühen können, die jetzige Fläche gewerbsmäßig zu kaufen und zu betreiben. Doch für diesen Fall hätte die SIB als Eigentümer mit Sicherheit auf eine finanzielle Beteiligung an den Sanierungskosten des Areals gepocht. "Da sprechen wir von sehr vielen Millionen Euro", ist sich Benicke sicher. Hinzu kämen Erwerbskosten, Planungskosten, Genehmigungskosten. Der Fliegerverein könne solche Summen nicht stemmen. Und deshalb sei es doch naheliegend, sich nach kostengünstigeren Alternativflächen umzuschauen. Dass es überhaupt soweit gekommen ist, sei wiederum ein wertvoller Verdienst der Unterzeichner des Bürgerbegehrens. Nur dadurch "sind wir doch erst als Gesprächspartner akzeptiert worden. Und nun sogar noch mit einem tragbaren Plan", findet Benicke.
Geht es nach dem Willen der Bürgerinitiative, soll in der extra ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe Flugplatz schnell eine Alternativfläche für einen neuen Flugplatz gefunden weren. Der Arbeitsgruppe gehören neben der BI die Stadtverwaltung, einige Stadträte sowie zwei Großenhainer Unternehmer an. Erste Ideen liegen auf dem Tisch, vorgeschlagen von der BI. Die neue Heimat soll neben der Fliegerei Platz für das "Fliegende Museum" von Brigitte und Josef Koch sowie die auch überregional beliebten Veranstaltungen - zum Beispiel Flugtage, Super-Moto und VW-Alarm bieten. Kein leichtes Unterfangen, wie sich andeutet. Eine Neuansiedlung entlang der Umgehung der B 98 zum Beispiel scheitert schon jetzt am Veto einzelner Unternehmer und auch Anwohner.  
Die Suche geht weiter. "Derzeit sind zwei Flächen in der engeren Auswahl", bestätigt Holger Faulhaber auf Anfrage des Wochenkuriers. Wo sie sich befinden, darüber ist vorerst Stillschweigen vereinbart. In jedem Fall in der Gemarkung Großenhain, lässt sich der BI-Sprecher entlocken. Die zu prüfenden Areale seien bislang öffentlich noch nicht im Gespräch gewesen. Stadt Großenhain und Landratsamt Meißen prüfen momentan die Machbarkeit. Ob dies bis zum 17. März beendet ist, weiß auch Holger Faulhaber nicht. An diesem Tag findet die von Großenhains Oberbürgermeister Burkhard Müller (CDU) eingeräumte Einwohnerversammlung im Alberttreff statt. Spätestens dort müssen sich alle Seiten erklären. Das Rathaus dazu, in welcher Form künftig Fliegerei stattfinden kann. Die SIB, warum es aus ihrer Sicht keine Alternative zum Industriestandort auf dem jetzigen Flugplatz gibt. Und die Bürgerinitiative, warum sie die entstandene Situation für alle Großenhainer als Erfolg sieht.
 
(Großenhainer Wochenkurier, 5. März 2014)
 

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