Was die Großenhainer zum Tag der Sachsen erwartet

Der helle Wahnsinn in Großenhain

Das Rathaus informierte jetzt die Bürger über Regelungen zum Tag der Sachsen. Die Innenstadt wird dabei komplett autofrei sein.

Von Thomas Riemer

Bislang 390 Vereine, 33 Firmen, 91 Händler, 107 Gastronomen, 2038 angemeldete Übernachtungen, mindestens 200.000 erwartete Besucher – Großenhain rüstet sich für den Tag der Sachsen am ersten Septemberwochenende und muss sich einiges einfallen lassen. „Das wird der helle Wahnsinn“, kommentierte der Geschäftsbereichsleiter Stadtkultur und Ordnung Matthias Schmieder bei einer Einwohnerversammlung. Gemeinsam mit dem Chef des Projektbüros „Tag der Sachsen 2014“ Jörg Withulz stellte er den Bürgern Konzepte für ein Wochenende sozusagen im Ausnahmezustand vor. Denn: Vor allem auf die Bewohner der Innenstadt kommt einiges an Belastungen und Einschränkungen zu.

Die gravierendste: Der sognannte innere Sperrkreis wird vom 4. September 20 Uhr bis zum 7. September um Mitternacht autofrei sein. Betroffen ist das komplette innerstädtische Festgelände, wo sich die 18 Themenbereich und 18 Bühnen befinden werden. Auf mehr als 70 Straßen sollen sich ausschließlich Sachsentagbesucher zu Fuß möglichst ungehindert bewegen können. Selbst Radfahrer haben prinzipiell keine Chance, mit ihrem Gefährt in den inneren Sperrkreis zu gelangen.  Ausnahmen gelten lediglich für Notfahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und Arzt.  Selbst ansässige Geschäfte haben schlechte Karten. Wer es versäumt, seine Lieferungen zwischen 3 und 8 Uhr kommen zu lassen, läuft Gefahr, seine Regale undStände nicht mehr bestücken zu können. Für solche Ausnahmeregelungen muss jedoch eine Vignette beim Projektbüro beantragt werden. Harte Bandagen also.

Die Vignettenfrage wird eh eine ziemlich wichtige für die Bewohner der Gastgeberstadt. Denn auch in den äußeren Sperrkreis gelangt man ausschließlich mit einer solchen, die im Übrigen für die Antragsteller kostenlos ist. Die rund 60 Straßen mit anliegenden Plätzen im „Gürtel“ um den inneren Zirkel dienen den Veranstaltern als Ausweichflächen für jene Fahrzeugbesitzer, die ihre angestammten Parkplätze während der Festzeit räumen müssen. Rund 2.000, so Matthias Schmieder, seien aus der Erfahrung früherer Gastgeberstädte nötig – 1.735 derzeit erst geordert. Deshalb werden Grundstücksbesitzer im äußeren Sperrkreis derzeit angesprochen, um eventuell weitere Flächen per Vertrag freizugeben. Wer einen Ausweichparkplatz benötigt, soll sich ab 1. Mai in der Großenhainer Stadtverwaltung melden. Geplant ist, dass die Stellplätze für di Betroffenen möglichst wohnortnah sind – was aber bei den eingeschränkten Möglichkeiten trotzdem für längere Fußwege von der Wohnung zum Auto sorgen könne.

Wer als „normaler“ Sachsentagbesucher nach Großenhain kommt, für den ist mit seinem Auto schon vor der Stadtgrenze Schluss. Dafür werden zwei große Sonderparkplätze eingerichtet. Rund 12.000 Autos finden auf dem Flugplatzgelände im Norden Platz. Aus südlicher Richtung Kommende werden auf einer bis dahin ordentlich präparierten Wiese zwischen Großenhain und Priestewitz mit 5.000 Stellplätzen platziert. Zehn Euro pro Tag kostet die Parkgebühr. Von dort wird jeweils ein Shuttlebus die Gäste zum Festgelände transportieren. Der Eintritt dort ist dann kostenfrei. Ansonsten gilt auch verkehrsmäßig der absolute Ausnahmezustand. Autofahrer müssen mit großräumigen Umleitungen  rechnen. Lediglich die Ortsumfahrung der B 98 wird komplett nutzbar sein, so Matthias Schmieder. Wobei auch hier wegen der Einfahrt zum Sonderparkplatz am Flugplatz durchaus mit  Rückstaus zu rechnen ist.

Schlechte Karten haben auch Radfahrer. Auch sie müssen ihre zweirädrigen Gefährte vor dem Festgelände abstellen. Vier große Fahrradstellplätze sind vorgesehen. Die Vorgaben zu den Sicherheitsvorkehrungen sind nicht zuletzt seit den Ereignissen der Loveparade in Duisburg empfindlich gestiegen, begründet Matthias Schmieder die Einschnitte.

Das Fest zum Tag der Sachsen an sich soll dafür aber entschädigen. Am Programm und den einzelnen Teilbereichen wird derzeit ordentlich gefeilt. „Wir sind gerade dabei, zu rücken und zu schieben“, so Matthias Schmieder. Im Klartext heißt das: Jeder Quadratmeter im inneren Sperrkreis wird abgeklopft, wie viele Vereine, Händler oder Gastronomen sich dort mit ihren Hütten und Ständen präsentieren können. Eine große Herausforderung, denn auch hier müssen zum Beispiel Fluchtwege bedacht werden. Klare Vorstellungen hingegen gibt es bereits für den großen Festumzug am 7. September. Er startet nahe des Lidl-Marktes am Radeburger Platz, führt dann über den Musikerring bis zur Berliner Straße/Schubertallee und endet wieder am Radeburger Platz bzw. der Albertstraße. Rund 3.500 Teilnehmer werden in 163 Bildern 147 Vereine präsentieren – so der jetzige Stand. 213 Kraftfahrzeuge und 39 Pferde ziehen durch die Innenstadt. Geschätzte Länge des Zuges: reichlich zweieinhalb Kilometer. An sieben Moderationspunkten erhalten die Zuschauer nähere Informationen zu den einzelnen Zug-Abschnitten, so Jörg Withulz.

Noch aber sind viele Details nicht bis zu Ende geklärt. Das liegt knapp 140 Tage vor dem Großereignis in der Natur der Sache. Die Einwohnerversammlung diente deshalb auch dazu, auf die kleinen Dinge „gestoßen“ zu werden oder gar Ideen zur Lösung zu bekommen. Vor allem Anwohner und Geschäftsleute im Stadtzentrum machen sich da ihre Gedanken und auch Sorgen. Jörg Withulz bat deshalb um Toleranz und Verständnis, dass am Festwochenende die Ruhezeiten per Verordnung gelockert und bis nachts 2 Uhr gefeiert werden darf. Oder: Hunde sind generell mit Maulkorb und an der kurzen Leine zu halten. Wer den Maulkorb für seinen Wuffi  vergisst, könne an den Info-Punkten einen solchen kostenpflichtig erwerben. Oder: Gibt es genug öffentliche Toiletten während der drei Festtage? Man werde alles dafür tun. Auch dieses Thema gehöre zum „Rücken und Schieben“ innerhalb der Planungen, so Jörg Withulz. Allerdings hoffen die Veranstalter auch auf das Verständnis der Großenhainer. Wie bei jedem großen Fest könne man nicht ausschließen, dass es diesen oder jenen „benebelten Haustürpinkler“ gibt – trotz aller Vorkehrungen und Polizeistreifen. So viel ist also klar: Nach der Feierei muss sicherlich tüchtig aufgeräumt werden.

* Alle Infos – unter anderem zu Ansprechpartnern und Anträgen -  finden Interessenten im Internet auf www.tagdersachsen2014.de

(15. April 2014)

Nach oben