Aus Panik geflüchtet

Ein 34-jähriger Mann baut einen Unfall und fährt danach einfach weiter. Er kommt mit einer Geldstrafe und Fahrverbot davon. Vor Gericht bereut er und entschuldigt sich.

 

Von Thomas Riemer

Dirk M. darf demnächst wieder Auto fahren. Denn das dreimonatige

Fahrverbot, das ihm vor dem Riesaer Amtsgericht am Dienstag verhängt

wurde, ist so gut wie abgegolten. Was bleibt, ist eine Geldstrafe von

reichlich 1000 Euro, die der 34-jährige Wülknitzer zahlen muss. Dass er

dies pünktlich und vollständig erledigen wird, daran bestehen kaum

Zweifel.

Denn Dirk M. hat zwar am 6. Oktober 2011 auf der B 169 nahe Zeithain

einen Verkehrsunfall verursacht, ist anschließend einfach

weitergefahren. Doch er ist nicht der Unfallverursacher „von der

Stange“, wie sein Verteidiger es formuliert. Vielmehr habe er in Panik

gehandelt.

M. war an jenem verregneten Abend mit seinem Opel „irgendwie zu weit

rechts rübergekommen“. Dort rasierte er die Leitplanke – Schaden rund

3400 Euro. Weil er dies jedoch als nicht so schlimm einschätzte,

brachte er erst einmal sich und sein Auto in Sicherheit, rief einen

Bekannten an, der den Opel später mit dem Hänger nach Hause

transportierte.

„Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ hieß es deshalb in der Anklage.

Staatsanwältin Birgit Zuber bezeichnete das Verhalten als „mehr als

ungewöhnlich“ und warf M. vor, statt der Polizei den Bekannten

kontaktiert zu haben. Die um den Unfallort herumliegenden Teile seines

Autos hätten durchaus eine Gefahr für nachfolgende Fahrzeuge

dargestellt.

Dirk M. zeigt sich als reuiger Sünder. Dass seine Reaktion direkt nach

dem Unfall eher als „Kurzschlusshandlung“ gesehen werden kann, beweisen

seine späteren Handlungen. So setzte er sich ohne großen Zeitverzug mit

der Straßenmeisterei wegen der Reparaturen an der Leitplanke sowie mit

der Versicherung in Verbindung. Die Rechnung – 3400 Euro – bezahlte er

umgehend nach Erhalt. „Ihr Verhalten nach dem Unfall war tadellos“,

stellte der Vorsitzende Richter Mischa Hecker fest.

Trotzdem musste Dirk M. bislang auf seine Fahrerlaubnis verzichten. Für

den selbstständigen Kfz-Mechaniker „hängt ohne Führerschein das

Geschäft am seidenen Faden“, so die Verteidigung. Deshalb zeigten sich

Staatsanwaltschaft und Richter kulant. Das verhängte Fahrverbot ist

rückwirkend. Um die Geldstrafe sowie die Zahlung der Kosten des

Verfahrens indes kommt Dirk M. nicht herum.

Doch der war bangen 30 Minuten Verhandlung glücklich und erleichtert.

„Ich möchte mich nochmals für alles entschuldigen“, hauchte er in den

Gerichtssaal.

 

(Sächsische Zeitung Riesa, 18. April 2012)

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