Geldstrafe trotz Freispruch

Geldstrafe trotz Freispruch
 

Der Vorwurf der Nötigung wegen des Verschickens von SMS erledigte sich zwar von selbst. Eine spontane Berührung eines Kindes aber steht im Raum.
 

Von Thomas Riemer
 
   
 

Sören Kahl (*) hat Haus-Mitbewohnerin B. nicht per SMS belästigt. Vor dem Riesaer Amtsgericht wurde dies jetzt zweifelsfrei ermittelt, obwohl die beiden Handy-Mitteilungen von der Nummer Kahls gesendet wurden. Aber: Seine Lebensgefährtin räumte ein, dass sie Kahls SIM-Karte benutzte und die SMS geschrieben hat. Darin – aber das nur am Rande – forderte sie die Nachbarin B. auf, Beschimpfungen jeglicher Art zu unterlassen. Freundlich waren die Worte freilich nicht. Aber das war nicht Gegenstand des Verfahrens. Trotzdem muss Sören Kahl eine Strafe von 500 Euro zahlen. Denn auf dem Tableau blieb letztlich der Vorwurf versuchter Nötigung „im untersten Level“. Das wiederum geht auf eine offenbar schon länger dauernde Rivalität in der „Gemeinschaft“ des Riesaer Mietshauses zurück. „Das Verhältnis zu Familie B. ist zerrüttet“, bestätigt eine Zeugin. Immer wieder gebe es Streit, würden sogar Kinder beschimpft und behelligt. Bei einem eher zufälligen Treffen in der Schule im Januar dieses Jahres muss Sören Kahl dann kurz der Kragen geplatzt sein. Er griff die Tochter der B.‘s kurz an den Oberkörper. Sie solle ihren Eltern mitteilen, dass es reicht und man sich die Beschimpfungen nicht länger antun werde. Danach klagte das Mädchen über Schmerzen an der Schulter.
Aus Sicht von Richter Hecker ist damit der Tatbestand der Körperverletzung erfüllt. Allerdings merkte er auch gleich an, dass es so schlimm wohl nicht gewesen sein kann. Denn die Tochter von Familie B. habe bei der Anhörung eingeräumt, dass „die Schmerzen nicht dolle“ waren. Deshalb mutet die Geldstrafe von 500 Euro auch eher als „Denkzettel“ für Sören Kahl an, seinen Groll künftig zu zähmen.
* Name von der Redaktion geändert

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