Hartz IV doppelt kassiert – und keiner hat’s gemerkt

Gerade aus dem Knast entlassen, brauchte ein 39-Jähriger Geld für den Neuanfang. Für seinen dreisten Betrug gab es 14 Monate auf Bewährung.

Von Thomas Riemer

Es war offenbar gar nicht so schwer, ans Geld auf Kosten des Steuerzahlers heranzukommen. Anderthalb Jahre kassierte der frühere Großenhainer Rene D. Hartz-IV-Bezüge sowohl von der Arge Riesa-Großenhain (später Jobcenter Meißen) als auch vom Jobcenter in Grimma. Aufgeflogen ist der Betrug eher durch Zufall. Reichlich 5700 Euro strich der 39-Jährige im Verlauf von rund anderthalb Jahren ein. Vor dem Riesaer Amtsgericht kam er gestern mit einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung davon.
Dass er nicht hinter Gitter muss, dafür muss der Mann dankbar sein. Denn Anfang März 2010 aus dem Gefängnis entlassen, beantragte Rene D. zunächst in Großenhain Hartz IV. Dort gab er an, vorerst bei seiner Mutter zu wohnen. Nur wenige Tage später bewilligte man ihm auch in Grimma die staatlichen Gelder. Denn Rene D. hatte inzwischen eine Wohnung in Otterwisch gemietet, sich dort auch polizeilich angemeldet. In Großenhain, wo er mangels eigenem  Konto sein Hartz-IV-Geld stets persönlich abholte, erzählte er davon nichts. Dass er jedoch jede Änderung seiner persönlichen Verhältnisse angeben muss, habe er gewusst, räumt er vor dem Richter ein.
Und Rene D. bestreitet auch nicht, dass er ganz bewusst betrogen hat. „Ich hatte kein Geld“, beschreibt er seine Situation nach der Haftentlassung. Sämtliche Gegenstände aus seiner damaligen Wohnung seien verschwunden. „Ich hatte nur das, was ich auf dem Leibe trug“, so D. Auch das Überbrückungsgeld – immerhin 1700 Euro – war schnell aufgebraucht. Und da kam die Chance, auf Staatskosten doppelt zu kassieren, wie gerufen. Dass die Behörden in Großenhain und Grimma fast anderthalb Jahre brauchten, um ihm auf die Schliche zu kommen, steht dabei freilich auf einem anderen Blatt mit mehreren Fragezeichen.
Aufgeflogen ist der Schwindel letztlich, weil sich die Großenhainer Behörde bei D.’s Mutter zufällig meldete. Die überraschte mit der Nachricht, dass D. eigentlich nie bei ihr gewohnt habe...
Denn ihr Sohn hatte sich in Otterwisch inzwischen ein neues Leben aufgebaut. Zwar immer noch arbeitslos, lebt er mit seiner Verlobten und dem gemeinsamen einjährigen Kind dort. Derzeit sei er krank, warte auf ärztliche Befunde, bevor er über neuerliche Bewerbungen um eine Arbeit und seine Zukunft nachdenken kann, erzählt der Mann vor Gericht.
Dass er Reue zeigt, stimmt letztlich Staatsanwalt und Richter milde. Neben den 14 Monaten auf Bewährung muss Rene D. die Rückzahlungsansprüche der Jobagenturen begleichen und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

(erschienen am 20. Juli 2012, SZ Riesa/Großenhain)

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