Im Netz des internationalen Verbrechens

 

Geld allein macht eben nicht glücklich

Ein Gröditzer wird wegen leichtfertiger Geldwäsche verurteilt. Wie er in den Strudel des organisierten Verbrechens geriet.

Von Thomas Riemer

Hätte man ihn doch Dächer decken lassen – wer weiß. Dann wäre Manuel Reiß (*) möglicherweise nicht in die „Maschinerie des organisierten Verbrechens“ geraten, wie es gestern sein Verteidiger vor dem Riesaer Amtsgericht formulierte. Doch der gelernte Dachdecker aus Gröditz ist seit geraumer Zeit arbeitslos und sucht hin und wieder nach einem Job im Internet. Das ist dem 44-Jährigen jetzt zum Verhängnis geworden, auch wenn er mit einer vergleichsweise geringen Geldstrafe von 300 Euro wegen leichtfertiger Geldwäsche davonkommt.

Am Anfang war eine Email. „Arbeiten von Zuhause“ versprach der Absender vor knapp einem Jahr. Manuel Reiß sollte nur ein paar persönliche Daten angeben, und dann sollte das große Geld auch schnell fließen. Sein „Auftrag“: Wenn er sein Bankkonto für nicht näher bezeichnete Geldtransfers zur Verfügung stelle, wäre ihm bei jeder sogenannten Gewinnausschüttung eine Provision von 30 Prozent sicher.

Reiß antwortete und erhielt im April 2012 tatsächlich einen Anruf von Iris Hofmann. Bereitwillig gab er seine Kontonummer weiter. „Ich hatte keine schlechten Gedanken dabei“, sagt der Gröditzer. Kurz darauf gingen auf seinem Konto 4237 Euro ein. Absender: Katrin – nicht Iris – Hofmann. Auftragsgemäß hob Manuel Reiß erst 2500, dann nochmals 1000 Euro davon ab und überwies sie weiter an die Western-Union in Russland. Die Provision, wie er den Rest bezeichnet, in Höhe von 719,50 Euro behielt er für sich. „Ich dachte, dass die für mich sind.“

Irgendwo in München spielt sich fast zur selben Zeit ein Drama anderer Art ab. Katrin Hofmann überweist 1200 Euro an eine Freundin. Das Geld kommt dort nie an, dafür aber bewusste 4237 Euro bei Manuel Reiß. Die Münchnerin bemerkt es erst, als ihr Konto leer ist, informiert ihre Bank, dann die Polizei. „Sie vermutet einen Trojaner auf ihrem PC“, sagt die Frau der Polizei in Bayern. Die Sache kommt ins Rollen.

Manuel Reiß muss sich bei Polizei und auch gestern vor dem Richter viele unangenehme Fragen stellen lassen. Die entscheidende: Wie konnte er so leichtsinnig sein und seine Bankdaten für einen unbekannten Zweck herausgeben? Ob er nicht irgendwann mal darüber nachgedacht habe, ob er etwas Illegales tue, will Richter Mischa Hecker wissen. Und was ist eigentlich aus den 719,50 Euro geworden, Reiß‘ vermeintlicher Provision? „Damit habe ich Schulden bezahlt“, antwortet der Gröditzer kleinlaut. Heute sei er schlauer, ergänzt er dann.

Das wollen ihm Richter, Staatsanwältin und Verteidiger gern glauben. Doch selbst letzterer macht seinem Mandanten harte Vorwürfe. „Bei Ihnen hätten doch alle Glocken läuten müssen, als die Frage nach den Bankdaten kam“, belehrt er Manuel Reiß. Für Mischa Hecker ist der Angeklagte lediglich dafür zunutze gewesen, „die Maschinerie des organisierten Verbrechens aufrecht zu erhalten, auch wenn Sie dabei nur das kleinste Rädchen sind“, sagt er.

Die deutsche Justiz nennt den Vorfall leichtfertige Geldwäsche. Die wird normalerweise sehr hart bestraft. Doch im Fall des Manuel Reiß geschah sie eben nicht vorsätzlich, sondern vor allem aus Fahrlässigkeit und Gutglauben heraus. Ohne sein reichhaltiges Vorstrafenregister wäre sogar die Einstellung des Verfahrens möglich gewesen. Doch 15 Einträge im Bundeszentralregister  des Angeklagten – die meisten wegen Diebstahl - lassen das nicht zu. Zudem steht er noch unter Bewährung nach seiner letzten Verurteilung vor knapp drei Jahren. Die meisten der damals verordneten Auflagen hat er jedoch erfüllt.

Auch deshalb kommt Reiß letztlich glimpflich davon. Sämtliche Beteiligte sind sich beim Strafmaß von 30 Tagessätzen zu je zehn Euro einig. Hinzu kommen für den Hartz-IV-Empfänger die Kosten des Verfahrens.  Und gut möglich, dass auch noch eine Rückforderung der „Provision“ erfolgt. Dafür müsste Manuel Reiß dann wohl einige Dächer decken, um das zu bezahlen.

(*) Name geändert

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