Im Rausch kräftig ausgeteilt

Ein 22-jähriger Riesaer schlägt grundlos zwei jungen Männern mit der Faust ins Gesicht. Nach der Haft will er sich ändern. Wie, das sagt er nicht.

Von Thomas Riemer

Florian Fünfstück (*) sitzt nicht auf dem Anklagestuhl. Er fläzt sich vor Richter Mischa Hecker und Staatsanwalt Peter Lässig. Dabei müsste er sich eigentlich schon vor der Verhandlung bei Hecker bedanken. Denn der lässt dem 22-Jährigen die Handschellen abnehmen. „Ich hoffe, Sie bleiben hier“, sagt Hecker vorher. Seit ein paar Wochen nämlich sitzt Florian Fünfstück im Gefängnis in Regis-Breitingen, unter anderem wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Rohe Gewalt wird ihm auch in dieser Verhandlung vorgeworfen. Am 16. September 2011 soll Fünfstück am Vormittag einen 15-jährigen Schüler  aus Riesa an der Bushaltestelle Dr.-Scheider-Straße mit einem Faustschlag niedergestreckt haben. Vier Stunden später ereilte Robin Storch (*) auf den Elbwiesen nahe der Eisenbahnbrücke das gleiche Schicksal. Der wollte sich dort mit seiner  Freundin treffen. Fünfstück habe ihn dann zur Seite genommen „und mir eine verpasst“. Dass der Angeklagte dabei noch einen Gegenstand in der Hand hatte, war indes nach Ansicht der richterlichen Ermittlungen keine Absicht – es handelte es sich um ein Plastfeuerzeug, das Fünfstück zufällig zwischen den Fingern hielt. Auch der Faustschlag selbst war zwar schmerzhaft, aber nicht kreuzgefährlich. Robin Storch (24) trug eine Schwellung am Jochbein davon. Nach seinen Angaben gab es keinen Grund für den  „Anschlag“.

Auch das zweite Opfer, Daniel Platt (*), rätselt bis heute, warum Fünfstück ihn an der Bushaltestelle schlug. Vielleicht, weil er den Älteren nicht gegrüßt hat? Der 15-Jährige kam ebenfalls mit dem Schrecken davon, eine Kontrolle im Krankenhaus ergab keine Verletzungen.

„Ich sage nischt!“ Florian Fünfstück will offenbar, dass die Verhandlung schnell über die Bühne geht. Vielleicht ist es ihm ja auch peinlich. Denn im Podium sitzen unter anderem seine „Ex“ und deren Mutter. Von April bis Juli waren die beiden ein Paar, die Freundin sogar schwanger. Beim Abbruch war das Mädchen noch 13. „Das wird Ihnen noch Probleme bereiten“, sagt Staatsanwalt Lässig dem Angeklagten.

Florian Fünfstück bricht im Prozessverlauf dann doch vorübergehend sein Schweigen. Warum er Daniel Platt geschlagen hat? „Ich weiß es nicht mehr. Vielleicht hat er mich doof angeguckt“, sagt der junge Mann. Auch den Fausthieb für Robin Storch gibt er zu. „Das ist so gewesen“, bestätigt er den Tatverlauf. Fünfstück gesteht, dass er an diesem Tag unter Drogen stand. Seit er 14 ist, nehme er vor allem Crystal, früher auch Haschisch. Noch bis Dezember sitzt er im Gefängnis, will dort von den Drogen wegkommen, absolviert ein Anti-Aggressionstraining. „Nach der Haft soll es ruhiger werden“, versichert Florian Fünfstück. Und fast wirkt er ein wenig geknickt, als er einräumt, dass sich seine „Ex“ von ihm getrennt hat. Der Grund: Das Mädchen hatte erfahren, dass Fünfstück im Freundeskreis einen Laptop und fünf Handys geklaut hatte.

Sogar zu einer Entschuldigung lässt sich Fünfstück hinreißen. Aus Sicht des Beobachters fällt sie allerdings in beiden Fällen halbherzig, ja unglaubhaft aus. Als er den Ich-entschuldige-mich-Satz stammelt, huscht übers Gesicht ein süffisantes Lächeln. So richtig nimmt ihm niemand die gespielte Reue ab.

Auch nicht Richter und Staatsanwalt. Florian Fünfstück habe „völlig grundlos“ zugeschlagen, ein Motiv nicht erkennbar. Er habe zum Tatzeitpunkt unter Drogen gestanden, sei zudem einschlägig vorbestraft. Für den Angeklagten spricht lediglich, dass er weitgehend geständig ist und glaubhaft versichert, dass er zwar in einem Fall ein Feuerzeug in der Hand hatte, das jedoch „nicht als Schlagwerkzeug gedacht“ war. So bleibt es beim Vorwurf der vorsätzlichen, aber nicht gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen. Dafür muss Florian Fünfstück jetzt 1500 Euro Strafe zahlen. In Regis-Breitingen hat er noch bis Dezember ausgiebig Gelegenheit, über sich und seine Zukunft  nachzudenken. „Wenn Sie so weitermachen, ist es nur noch eine Frage der Zeit...“ Richter Mischa Hecker unterbricht seinen Satz jäh.

(*) Name von der Redaktion geändert

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