In die Internet-Falle getappt

Eine Riesaerin freundet sich im Chat mit einem Mann an. Zu spät bemerkt sie, dass der sie für illegale Geld-Transfers benutzt. Die verhängte Geldstrafe will sie abarbeiten.

Von Thomas Riemer

Naivität und Leichtsinn werfen ihr sowohl Staatsanwalt Peter Lässig als auch Richter Mischa Hecker immer wieder unterschwellig vor. Sicher: Manuela Leibel (*) ist Ende des vergangenen Jahres offenbar Betrügern im Internet auf den Leim gegangen. Aber sie hat davon – wenn auch nur in geringem Umfang – finanziellen Nutzen gezogen. Deshalb sieht Mischa Hecker die Anklage der leichtfertigen Geldwäsche letztlich als erwiesen an. Manuela Leibel, die gegen einen entsprechenden Gerichtsbeschluss vom 18. Juli Einspruch erhoben hatte, zieht diesen zurück und muss nun 500 Euro zahlen. Die, das sei vorweggenommen, will sie zugunsten einer gemeinnützigen Sache abarbeiten.

„Da war kein Plan, ich wurde reingelegt“, konstatiert die 48-Jährige. Tatort: Internet. Dort hatte Manuela Leibel irgendwann beim Chatten einen Mann kennengelernt. Er habe sich als Engländer ausgegeben und sei sehr nett gewesen, erzählt die Angeklagte. Um Geld sei es dabei anfangs nie gegangen. Bis irgendwann dann doch eine Frage des Briten kam. Manuela Leibel fasste Vertrauen, gab ihm ihre Kontodaten. Tatsächlich gingen dann im Dezember 2011 3500 Euro auf ihrem Konto ein. Den „Absender“ kannte sie bis dahin nicht. 2990 Euro davon überwies sie, so hatte der Freund sie instruiert, auf dessen Konto weiter. Der Rest sollte an einen „Geschäftsfreund“ nach Nigeria transferiert werden. Einen Tag später wiederholte sich das Szenario – diesmal war der Name des Absenders und Kontobesitzers jedoch ein anderer. Für Manuela Leibel blieben unter dem Strich 196 Euro „Gewinn“.

Stutzig wurde sie dann einen Tag nach Weihnachten. Da hatte eine der beiden Geschädigten ihr Geld mithilfe ihrer Bank „zurückgeholt“. Manuela Leibel suchte zu ihr telefonischen Kontakt, später auch zur zweiten betroffenen Familie. Schließlich zeigte sie die Sache bei der Polizei an. Denn inzwischen war auf ihrem eigenen Konto ein erheblicher Fehlbetrag entstanden.

Staatsanwalt Lässig ist ob der Gutgläubigkeit der Angeklagten fassungslos. „Ich hätte mir doch mal die Frage gestellt, wofür der Mann meine Kontodaten braucht“, sagt er. Noch verwerflicher sei aus seiner Sicht, dass Manuela Leibel „tätig geworden“ ist, indem sie ihre Nummer weitergab und dann auch noch Überweisungen im Auftrag der Betrüger erledigte. 7038 Euro Schaden sind ihrer Bank entstanden. Beinahe wären noch 4500 Euro dazu gekommen. Denn eine entsprechende Überweisung war bereits auf dem Weg. Zum „Glück“ kam es nicht mehr dazu, weil Manuela Leibels Konto zu dem Zeitpunkt nicht gedeckt war. „Sie haben Geld bekommen und weiterverwendet“, so Richter Mischa Hecker. Damit bezieht er sich auf die 196 Euro, „die sozusagen Ihr Geschäftsgewinn waren“, so Staatsanwalt Lässig.

Für die Angeklagte spreche, dass sie die Aufklärung selbst ins Rollen brachte und nachweislich in die Internet-Falle getappt sei. Deshalb habe man es mit leichtfertiger, jedoch nicht vorsätzlicher Geldwäsche zu tun. Aber auch die ist strafbar.Deshalb empfiehlt Mischa Hecker der 48-Jährigen die Rücknahme ihres Einspruches gegen den im Juli verhängten Strafbefehl. Damit bleibt es bei der damals ausgesprochenen Verurteilung von 50 Tagessätzen zu je zehn Euro. Angesichts ihrer finanziellen Lage will Manuela Leibel die Strafe abarbeiten. Für Staatsanwalt Peter Lässig ist dies sogar eine Möglichkeit, einen Einstieg in eine feste Arbeitsbeziehung zu finden.

Ganz ausgestanden ist die Sache für die Riesaerin damit noch nicht. Denn ihre Bank wird wegen des Schadens von über 7000 Euro ganz sicher noch auf sie zukommen. Offen bleibt freilich, ob und wie viele weitere Chatkunden Opfer der Betrüger geworden sind. Und vor allem: Um wie viel Geld ging es?

* Name von der Redaktion geändert

(Sächsische Zeitung Riesa, 8. August 2012)

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