Auf Irrwegen mit dem Mountainbike

 


Wegen Unterschlagung und Betrug mit Urkundenfälschung muss ein 31-Jähriger hinter Gitter. Dass er die Taten im Rausch beging, nutzt ihm nichts. Kann er mit einem Entzug sein Leben umkrempeln?

Von Thomas Riemer


Maik Scheffler (*) ist drogenabhängig. Das gibt er unumwunden zu. Seit seinem 16. Lebensjahr konsumiert der 31-Jährige täglich – vor allem Chrystal, auch mal Cannabis. Vor dem Riesaer Amtsgericht wollte sein Verteidiger ihn gestern damit vor dem Gefängnis retten. Doch das klappte nicht. Richter Mischa Hecker verhängte eine viermonatige „Denkpause“.
Denn Maik Scheffler ist nach Auffassung des Gerichts der Unterschlagung sowie des Betrugs mit Urkundenfälschung schuldig. Ende Oktober 2012 soll er im Zweiradcenter auf der Riesaer Hauptstraße ein Mountainbike (Wert rund 2700 Euro) für eine Probefahrt geliehen haben. Dafür hinterließ er nach eigenen Angaben sein Fahrrad sowie seinen Personalausweis als Pfand. Doch nach der vereinbarten halben Stunde wartete das Center vergeblich auf ihn. Es habe an dem Nachmittag in Strömen geregnet, so Scheffler. Als es aufhörte, sei der Shop geschlossen gewesen. Deshalb, so Verteidiger Radowsky, sei er mit dem Bike zwei Tage herumgefahren. Der Inhaber des Zweiradcenters sei jedoch nicht untätig gewesen und habe erst persönlich und über Dritte – darunter ein „Zwei-Meter-Riese“ – versucht, das Bike einzutreiben. Maik Scheffler fühlte sich eingeschüchtert. „Ich hatte Angst und stand unter Drogen“, begründet er sein Zögern, das Fahrrad zurückzugeben. Wo es heute ist, das weiß angeblich niemand der Beteiligten. Auch nicht der Zeuge Jonas Demel, der im Zweiradcenter das Bike herausgab. „Das Fahrrad ist immer noch weg“, sagt er. Und kurioserweise sei ausgerechnet bei diesem Bike auch keine Rahmennummer im Geschäft notiert. Schefflers Anwalt indes geht davon aus, dass das Rad „längst wieder im Zweiradcenter sein müsste“.

Glück für den Zeugen

Ebenso dubios kommt der zweite Vorwurf der Anklageschrift daher. Im Dezember und Januar soll Maik Scheffler den Zeugen Helmut Zähler um 750 Euro „erleichtert“ haben. Das ging offenbar völlig problemlos. Der Angeklagte füllte einfach zwei Überweisungsscheine aus – einmal über 500, einmal über 250 Euro. Die Kontonummer von Helmut Zähler kannte er noch von einem früheren Konflikt vor Gericht. Die Unterschrift des Rentners fälschte Scheffler einfach. „Ich brauchte das Geld zur Finanzierung meiner Drogen.“ Während er als Täter ausfindig gemacht wurde, hatte Helmut Zähler Glück. „Das Geld ist von der Sparkasse zurück auf mein Konto gebucht worden“, sagt er. Auf Kosten des Hauses.
Für die Justiz ist Scheffler kein unbeschriebenes Blatt. 15 Einträge finden sich zu ihm im Bundeszentralregister. Zwar liegen die meisten – darunter eine 20-monatige Gefängnisstrafe – schon recht lange zurück. Der jüngste indes ist noch taufrisch, stammt vom März 2012. Da wurde Scheffler zu einer Geldstrafe von 400 Euro verurteilt, weil er im Zug ohne Ticket unterwegs war und die zwei Euro vor Ort nicht bezahlen wollte...
Maik Scheffler will jetzt sein Leben umkrempeln. Er hat sich wegen Alkohol- und Drogenabhängigkeit zur Entgiftung in eine Klinik einweisen lassen, will sich danach einer Langzeittherapie unterziehen. Seit vier Tagen (!) sei er „clean“ und „trocken“, behauptet er.

Freiheitsstrafe unumgänglich

Den Vertreter der Staatsanwaltschaft überzeugte das nicht. Scheffler habe das Mountainbike mitgenommen und trotz Nachfrage nicht herausgegeben. Er habe Helmut Zähler in Schwierigkeiten gebracht, der Sparkasse geschadet. Er sei mehrfach vorbestraft, stehe unter laufender Bewährung. „Eine Freiheitsstrafe ist unumgänglich“, so der Rechtsexperte. Auf sieben Monate plädiert er. Verteidiger Radowsky gab ihm zwar beim Strafmaß recht, wollte seinem Mandanten aber „letztmalig Bewährung“ einräumen. Richter Hecker kannte wenig Gnade. Vier Monate Haft ohne Bewährung – so sein Urteil. „Danach können Sie den Faden spinnen, den Sie spinnen wollen“, sagte er dem Verurteilten.
(*) Namen von der Redaktion geändert

 

(Sächsische Zeitung Riesa, 6. Juni 2012)

 

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