Schimpfen wie ein Rohrspatz

Angeklagter macht Nachbarn das Leben schwer
 

Weil ein Weißiger seine Nachbarn mit einem falschen Verdacht anzeigte, muss er jetzt eine saftige Geldstrafe bezahlen.
 

Von Thomas Riemer
 
   
 

„Du Drecksau. Du Verbrecher. Du Wichser.“ Es sollen harte Worte in Weißig am Raschütz gefallen sein am 28. April 2011. Das behauptet Erwin Rehschuh (*). Er bezichtigt Stefan Schwan und Lutz Füller, dass sie ihn mit eben jenen Schmähungen beleidigt haben. Die aber wollen das nicht auf sich sitzen lassen und haben Anzeige gegen Erwin Rehschuh erstattet – wegen falscher Verdächtigung. Schon im Dezember war der in erster Instanz zu reichlich 1200 Euro Strafe verurteilt worden. Dabei – um es vorwegzunehmen – bleibt es auch nach seinem Einspruch, der jetzt in Riesa verhandelt wurde.
Rehschuh schimpft wie ein Rohrspatz. Seit 15 Jahren schon gebe es Zoff mit den Nachbarn. Die sollen an besagtem Tag ein „Großfeuer“ im Garten angezündet haben. „Unsere Bude war blau“, beschreibt der Angeklagte das Szenario der Qualmentwicklung. Irgendwann sei Lutz Füller dann ans Gartentor gekommen und habe ihn „belegt“. Seine Frau, „hat das mitbekommen“, so Rehschuh. Doch die macht vor Gericht von von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Wutschnaubend schweigt Rehschuh – aber nur kurz. Denn die Aussage der anderen Zeugen entspricht nun so gar nicht seinen Vorstellungen. Sowohl Stefan Schwan als auch Lutz Füller bestätigen nämlich, dass es ein „kleines Lagerfeuer“ gab. Dass beleidigende Worte ihrerseits gefallen sind, dementieren sie jedoch vehement. „Ich habe Herrn Rehschuh weder gesehen noch gesprochen“, so Stefan Schwan. Vielmehr seien Hassflüche des Angeklagten quasi „Dauerzustand“ im Dorf. Erst einen Tag vor der Verhandlung sei seine Frau von Rehschuh mit „Du Hure“ beleidigt worden.
Richter Mischa Hecker empfiehlt Erwin Rehschuh schließlich, seinen Einspruch zurückzuziehen. „Ich gehe davon aus, dass Sie nicht beschimpft wurden. Es scheint, als würden Sie die Leute terrorisieren“, sagt er. Doch Rehschuh bleibt hart.
Auch der Staatsanwalt ist sauer. „Die Krönung ist, wenn wir uns mit Sachen befassen müssen, die überhaupt nicht stattgefunden haben“, sagt er. Und am 28. April 2011 „war nichts“. Noch im Gerichtssaal kündigt Rehschuh trotzdem an, dass der Zoff weitergeht. „Irgendwann sehen wir uns wieder“, droht er Zeugen und Justizbeamten.
(*) Namen von der Redaktion geändert

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