28-Jährigen beim Klauen
in der Elbgalerie erwischt
 

Ein junger Mann steht wegen Diebstahls vor dem Richter. Beim Urteilsspruch holt ihn ein Teil seiner Vergangenheit ein. Die Sache ist ihm peinlich.
 

Von Thomas Riemer
 
   

 

Eigentlich ist Rayk Altmann (*) ja ein selbstbewusster Mensch. Bevor er in den großen Saal des Riesaer Amtsgerichts erscheint, wirkt der kräftige Mann so, als könne ihn nichts und niemand erschüttern. Schwungvoll wirft er seinen Rucksack von der Schulter auf den Boden, blickt Anerkennung heischend auf – und erscheint plötzlich ganz „zahm“. Dass er nur gut 20 Minuten später wegen Diebstahl zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je zwölf Euro verurteilt wird – dafür schämt er sich. Vor allem, weil im Saal eine Gruppe von Neuntklässlern des Riesaer Werner-Heisenberg-Gymnasiums sitzt.
Am 10. Januar dieses Jahres hat Rayk Altmann im Kaufland in der Riesaer Elbgalerie geklaut. Fünf Blu-ray Disc (BD) und eine Wetterstation ließ er in seinem Rucksack verschwinden. Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 119 Euro.

Kleinlautes Geständnis

Der 28-jährige Wermsdorfer macht kein Hehl aus der Straftat. „Ja“ ist seine kurze und knappe Antwort auf die Frage, ob er schuldig ist. „Ich habe keine Ahnung, was mich da geritten hat“, sagt Altmann – und es klingt beinahe reuig. Die BD‘s wollte er sich zu Hause einfach ansehen, die Wetterstation sei „zum Hinstellen“ gedacht gewesen. So weit kam es nicht – Altmann wurde noch im Einkaufscenter dingfest gemacht. Das Diebesgut habe er anstandslos zurückgegeben, zwei Tage nach der Tat auch die entsprechende Strafe an den Supermarkt bezahlt.
Doch Altmann ist kein unbeschriebenes Blatt. Acht Einträge finden sich im Bundeszentralregister – die letzte Tat liegt erst ein halbes Jahr zurück. Da soll er seine damalige Lebensgefährtin tätlich angegriffen und verletzt haben. Offenbar stark betrunken, hielt er ihr Mund und Nase zu, so dass die junge Frau unter Luftmangel litt. Dann schleuderte er sie auf das Sofa, das er anschließend immer wieder anhob und wieder fallenließ. Zu guter Letzt stieß er den Kopf seiner Ex-Freundin gegen einen Computer und einige Möbelstücke. Laptop und Telefon gingen dabei kaputt – Schaden rund 500 Euro. Mit dem Abzahlen der 2400 Euro Geldstrafe dafür habe er inzwischen begonnen, so Altmann.

Freundin trennte sich von ihm

Doch genau dieses Delikt vom Dezember erhöht seine neuerliche Strafe. Denn trotz Geständnis des Diebstahls wird die damalige Tätlichkeit angerechnet. 1400 Euro fordert die Staatsanwaltschaft.
Altmanns Lebenslauf verdeutlicht so manches. Hauptschulabschluss, abgebrochene Lehre, Gelegenheitsjobs. Von der Mutter seiner beiden Kinder lebt er nach den Vorfällen im Winter inzwischen getrennt, erhält 380 Euro Hartz IV. Ja, er bemühe sich um Arbeit, hat seit neuestem einen Gabelstaplerschein. Aber mangels eines Autos sei alles nicht einfach.
„Das war scheiße“, kommentiert Altmann den Kaufland-Diebstahl kleinlaut. Als Richter Mischa Hecker sein Urteil – 150 Tagessätze á 12 Euro verkündet, sitzt er geknickt auf dem Stuhl. Die Augen sind leer, der Blick starr. Nein, er kann nicht verbergen, dass ihm die Sache peinlich ist – wohl wegen der zuhörenden Neuntklässler.

(Sächsische Zeitung Riesa, 7. Juni 2012)

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