Zehn Monate für Fausthieb und Auto-Tritte

Ein 33-Jähriger bestritt die Vorwürfe vor Gericht. Doch die Juristen durchschauten seine Lügen und schickten ihn direkt in den Knast.

Von Thomas Riemer

Zwei Polizeibedienstete warteten nach viereinhalb Stunden geduldig auf den fast rührenden Abschied des eben Verurteilten Alexander W. von seiner Frau und einem vermeintlichen Freund. Denn aus dem Saal des Riesaer Amtsgerichts ging es schnurstracks in die Justizvollzugsanstalt. Zehn Monate, so befand das Gericht, muss der gebürtige Russe Alexander W. hinter Gitter. Und das letztlich für einen Faustschlag und mehrere Tritte gegen zwei Pkw.

Passiert ist das alles im Februar sowie im Mai dieses Jahres. Am Nachmittag des 24. Februar soll der Angeklagte auf der Elsterwerdaer Straße in Großenhain den 49-jährigen Peter M. mit einem Schlag ins Gesicht niedergestreckt haben. Knapp drei Monate später, am 14. Mai, wurde W. beschuldigt, einen Peugeot und einen Ford auf der Martin-Scheumann-Straße beschädigt zu haben.

W. bestritt während der langwierigen Verhandlung bis zum Schluss die Taten vehement. Er habe am besagten 24. Februar den ganzen Tag in seiner Wohnung verbracht und Fernsehen geschaut. Er sei nur mal drei Minuten im benachbarten Getränkeladen gewesen, um Zigaretten zu holen. Da gab es dann wohl auch eine kurze Begegnung mit Peter M. Da sei aber nichts passiert so Alexander W. Um sein Alibi zu erhärten, hatte sich der 33-Jährige tatkräftige Hilfe bestellt: Seine Frau Elena W. (46) und seinen Freund B. Beide beteuerten, dass W. die Wohnung überhaupt nicht verlassen habe. Man habe zusammen gesessen und jeweils ungefähr ein Bier getrunken.

Peter M.‘s Zeugenaussage half nicht wirklich weiter. "Ich hatte drei Bier getrunken und fühlte mich noch ganz gut", beschrieb der 49-Jährige seinen Zustand. Im Klartext: Eine Blutwertkontrolle ergab einen Alkoholwert von 1,88 Promille. Nach einem gedanklichen "Anstoß" von Richterin Meier erinnerte er sich aber dann doch. Er habe einen Hieb mit der Faust von M. erhalten, "mehr war nicht", so M.

Etwas klarer verlief die Beweisführung zur Pkw-Beschädigung vom Mai. Denn hier erinnerten sich die Geschädigten sehr genau an das Geschehen. Anwohnerin Roswitha P. zum Beispiel schilderte, wie ein Mann erst gegen einen vor den Wohnhäusern abgestellten Ford, kurz darauf gegen einen Peugeot trat. Zwar hatte sie den Täter nur von hinten gesehen, sich aber unter anderem eine farblich auffällige Jacke gemerkt. Und: "Ich würde denken, dass er nicht ganz nüchtern war." Damit hatte die Zeugin völlig Recht - nach der Dingfestmachung auf der Elsterwerdaer Straße ergab ein Test einen Wert von 2,51 Promille. Dem Gericht wollte W. zwar noch weismachen, dass die Autos durch einen Crash an einer Ampelkreuzung beschädigt wurden - doch damit überzeugte er weder Staatsanwaltschaft noch die vorsitzende Richterin.

Die zeigten sich von der Schuld des sechs Mal vorbestraften W. überzeugt. Bei seinem letzten Fehltritt stand er - nebenbei gesagt - mit 3,01 Promille "unter Strom". Da die beiden Taten auch noch während einer Bewährungsfrist passierten, kamen erneute Bewährung oder eine Geldstrafe nicht in Betracht. Mit zehn Monaten Gefängnis blieb das Gericht letztlich trotzdem unter dem Antrag der Staatsanwältin. Sie hatte ein Jahr und zwei Monate gefordert.
 

(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 9. Dezember 2011)

Nach oben