Haftbefehl ohne Urteilsspruch

Haftbefehl ohne Urteilsspruch
Ein junger Mann schwänzt die Gerichtsverhandlung. Er sollte sich wegen einer Schlägerei in der JVA Zeithain verantworten.
Von Thomas Riemer
Maik B. wird in absehbarer Zeit Besuch von der Polizei erhalten. Die
Beamten werden ihm einen Haftbefehl vorlegen. Wie lange B. dann
einsitzen wird, ist unklar. Denn: Ein Urteil zu einer Straftat, die er
begangen haben soll, ist bislang nicht gefallen.
Für gestern war vor dem Riesaer Amtsgericht die Verhandlung gegen Maik
B. angesetzt. Gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf. Der
Angeklagte soll während eines Aufenthaltes in der Justizvollzugsanstalt
Zeithain andere Insassen verletzt haben. Zwei Zeugen waren dazu gestern
geladen – einer von ihnen wurde, von Polizisten begleitet, in
Handschellen vorgeführt.
Wer nicht kam, war der Angeklagte selbst. Da er zurzeit im Erzgebirge
lebt, räumte Richter Mischa Hecker zwar noch ein „akademisches
Viertelstündchen“ ein. Doch auch nach dieser Wartezeit blieb die
Anklagebank unbesetzt. „Da müssen wir wohl einen Haftbefehl erlassen“,
so Hecker. Was er dann auch umgehend in die Tat umsetzte.
Wann es nun zu einer Verhandlung gegen Maik B. kommt, richtet sich vor
allem danach, ob ihn die Polizei findet und festnehmen kann. „In
solchen Fällen gibt es sehr unterschiedliche Erfahrungen“, so Mischa
Hecker. Klar ist allerdings: Obwohl Maik B. für seine bisherigen
Straftaten bereits gebüßt hat, wird er um eine neuerliche Verurteilung
wohl nach der geschwänzten Verhandlung nicht herumkommen.
 
(Sächsische Zeitung Riesa, 11. April 2012)

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