Fast 25000 Euro im Spendentopf
Die Benefizaktion für den querschnittgelähmten Lars Engel ist ein Riesenerfolg. Noch fehlt für den behindertengerechten Umbau des Hauses Hilfe. Aber die Architektin ist zuversichtlich.
 
Von Thomas Riemer
 
„Damit lässt sich schon etwas anfangen.“ Katrin Fliege, Architektin aus Riesa, holt tief Luft, als sie am Telefon die bisher zusammengekommene Spendensumme für den querschnittgelähmten Lars Engel hört. Mehr als 16000 Euro befinden sich bereits auf dem Spendenkonto. Hinzu kommen nach einem „Kassensturz“ zum Benefizspiel am 10. November in der Riesaer Nudelarena 8069,88 Euro. Macht zusammen die fantastische Summe von fast 25000 Euro, die schon jetzt für den Umbau des Hauses der Familie Engel zu einem behindertengerechten Heim für Sohn Lars zur Verfügung stehen. Hinzu kommen zugesagte kostenfreie Sachleistungen. Katrin Fliege selbst hatte unmittelbar nach der ersten SZ-Veröffentlichung über Lars‘ Schicksal spontan zugesagt, alle für den Umbau notwendigen Architektenleistungen, z.B. Erstellen von Zeichnungen, die Ausschreibung von Handwerkerleistungen, Bauüberwachung usw.  kostenfrei zur Verfügung zur Verfügung zu stellen. Danach hätten sich bei ihr zahlreiche Handwerker gemeldet, die „nachziehen“ wollten. So besteht inzwischen die Möglichkeit, kostenlosen Estrich zu bekommen. Ein Unternehmen hat sich zum ebenfalls kostenfreien Einbau der Fenster bereit erklärt. Und Katrin Fliege denkt, dass es noch ein paar weitere Sponsorleistungen geben wird. Gebraucht werden vor allem noch Fußboden- und Fliesenleger, Maler und Zimmerer, sagt sie. Erste Beratungen mit einem Statiker haben bereits stattgefunden, demnächst will Katrin Fliege einen ersten Entwurf für den Umbau und eine dann schon recht konkrete Kostenberechnung vorlegen. „Ich bin zuversichtlich“, sagt die Architektin.
 
Das Gros der bisherigen Spendensumme macht der Erlös des Benefizspiels zwischen dem TSV-Stahl Riesa und Dynamo Dresden aus. TSV-Präsident Stephan Robl ist noch jetzt, knapp zwei Wochen nach dem Event, total überwältigt von dem, was dort geschah. Allen Unkenrufen zum Trotz, sei die Veranstaltung „eine riesengschichte“ gewesen. Kritiker, die wegen der Dynamo-Fans oder auch der zusätzlichen Belastung für die Stahl-Kicker im Vorfeld Bauchschmerzen hatten, wurden eines Besseren belehrt. Denn: Die Fans blieben ruhig, und der TSV gewann zwei Tage nach dem Dynamo- auch das Pokalspiel.
 
Unvergessen werden für Stephan Robl aber vor allem die emotionalen Momente des Benefiz-Abends bleiben. Die plötzlich eintretende völlige Stille, als Lars Engel im Rollstuhl auf den Rasen fuhr und sich für die Anteilnahme bedankte. Oder aber das Geschehen in der Halbzeitpause, als über das Stadionmikrofon weitere Vor-Ort-Spender bekannt gegeben wurden. Auch das eigentliche Zustandekommen des ungewöhnlichen Spieles ist noch unmittelbar in Robls Erinnerung. Aus der ursprünglichen Idee eines Traditionsspieles ehemaliger Stahl-Fußballer gegen Jena sei dank völlig unkomplizierter und kurzer Absprachen per Handy ein Hochkaräter entstanden. Spontan sei Unterstützung vom Deutschen Roten Kreuz – sowohl in Riesa als auch Freital – gekommen. Und, und, und. Stephan Robl ist voller Dank. Und sagt dann auch: „Ich würde das immer wieder so machen.“
 
Wann es mit dem Umbau des Hauses der Familie Engel losgeht, kann derzeit noch nicht genau gesagt werden. Doch Engels können wieder Hoffnung schöpfen nach einer Zeit voller Probleme. Der 24-jährige Lars war im April dieses Jahres bei einem Unfall schwer verletzt worden. Seitdem sitzt er im Rollstuhl, lebt derzeit überwiegend in der Klinik in Kreischa. Um Lars nach Hause nach Riesa zu holen, muss das Familienhaus umgebaut werden. Das dafür nötige Geld allerdings kann die Familie derzeit nicht aufbringen. Banken und Versicherungen lehnten entsprechende Anfragen ab.
 
Lars Engel selbst hat trotz seiner schweren Beeinträchtigungen seinen Lebensmut wieder gefunden. Er hofft, irgendwann wenigstens die Arme ein bisschen bewegen zu können, um nicht nutzlos zu erscheinen. Dass er solch große Anteilnahme erfährt, hatte er selbst nie und nimmer erwartet. „Ihr seid für mich alle Helden“, rief er am 10. November den mehr als 1700 Fußball-Besuchern zu.
 
► Das Spendenkonto ist weiterhin geöffnet: Caritas Verband, Kontonummer 8220000, BLZ 750 903 00 (Liga-Bank), Stichwort: „Lars Engel“.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 22. November 2011)

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