Super-Weste aus dem Allgäu

Super-Weste aus dem Allgäu

Nach dem Benefizspiel für Lars Engel geht es für den TSV zwar schon wieder im Landespokal weiter. Doch der Flutlicht-Kick gegen Dynamo wirkt nach.

 

Von Thomas Riemer

 

Friedrich Gasch hüpfte immer wieder von einem Bein aufs andere. Ob’s mit der empfindlichen Kühle am Rande des Benefizspiels am Donnerstag in der Nudelarena zu tun hatte? Oder war Gasch in der ersten Halbzeit einfach nur ein bissel aufgeregt, bevor er in der Pause „seinen großen Auftritt“ hatte?

 

Wer weiß. Auf jeden Fall sorgte der Dresdner Frührentner für eine Überraschung, die im Zuge der vielen genannten und ungenannten Geldspenden für den querschnittgelähmten Lars Engel so ziemlich aus der Reihe fiel. Positiv natürlich. Denn Friedrich Gasch hatte ein Päckchen im Gepäck – darin: eine pulsierende Magnetfeldweste. Mucksmäuschenstill ward es im Stadion unter den 1711 zahlenden Zuschauern, als Gasch begann zu sprechen. Staunen im weiten Rund. Wie passt das denn?

 

Friedrich Gasch lieferte nur eine kurze Erklärung. Diese Weste – Wert immerhin stattliche 3000 Euro – könnte Lars helfen, ein paar Prozentpünktchen an Bewegung wieder zu erlangen. Vielleicht eine Armbewegung… Die Weste funktioniere relativ simpel. „Pulsierende Magnetfelder gelten als naturheilkundliche bzw. alternativ- medizinische Behandlungsmethode. Sie werden von Ärzten zur Behandlung von Schmerzen und entzündlichen Krankheiten eingesetzt“, erzählte Friedrich Gasch jedem, der es wissen wollte.

 

„Erfinder“ des Systems ist allerdings Joe Seltmann aus Immenstadt im Allgäu. Der 62-Jährige betreibt dort unter anderem auf 2000 Quadratmetern ein Fitnessstudio. Und er ist Triathlet. „Joe Seltmann hat selbst den Prostata-Krebs besiegt“, sagt Friedrich Gasch. Inzwischen sei er Extremsportler, bestreite unter anderem den wohl berühmtesten Triathlon von Hawaii. Unter anderem durch die Anwendung der Magnetfeldweste gelangte Seltmann nach seiner Krankheit wieder zu körperlicher Vitalität. Friedrich Gasch widerum vertreibt in Seltmanns Auftrag die Westen, die man übrigens auch leihen kann. Die Volleyballer des VC Dresden zum Beispiel haben die Westen in ihr Trainings- und Aufwärmprogramm aufgenommen.

 

Dass Gasch zum Benefizspiel nach Riesa kam, hatte natürlich auch einen ganz privaten Hintergund. „Ich stamme ja eigentlich aus dem Oschatzer Raum. Und den Fußball in Riesa kenne ich noch durch die BSG Stahl“, sagt er. An die Truppe um Johann Ehl und Co. in den 70er und 80er Jahren habe besonders viele Erinnerungen – auch durch eigene Stadionbesuche. Heute gehe er noch hin und wieder mal zu Dynamo. „Das neue Stadion, das ist natürlich eine Wucht“, so Gasch.

 

Er selbst stellte zur Westenspende für Lars Engel noch eine persönliche Zugabe in Aussicht. Für jede der nächsten zehn verkauften oder verliehenen Westen werde er 30 Euro auf das Spendenkonto einzahlen, sagte Gasch zu den Fans in der Nudelarena. Zu diesem Zeitpunkt war seine Aufregung dann endlich gewichen.

 

(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 12. November 2011)

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