Kinderpornos auf dem Rechner
Ein Riesaer muss 500 Euro Strafe zahlen, weil Ermittler auf seinem Computer Fotos fanden, die Minderjährige bei eindeutigen sexuellen Handlungen zeigen. Woher kommen die Bilder?
 
Von Thomas Riemer
 
Reinhard T. (Name geändert) schwitzt, als er vor dem Riesaer
Amtsgericht sitzt. Sein Kopf ist hochrot, die Gesichtsmuskeln bis zum
Bersten angespannt. Vor ein paar Wochen hat ihn der Richter zu einer
Geldstrafe von 500 Euro verdonnert. Reinhard T. hat gegen den
Strafbefehl Berufung eingelegt. In dieser Woche wurde der Fall neu
verhandelt. Der Vorwurf: T. soll sich im Besitz kinderpornografischer
Fotos befunden haben. Er wiederum sagt: „Das bin ich nicht gewesen.“
Im vergangenen Jahr, so der Vorwurf, wurden auf seinem Computer drei
Fotos mit eindeutigem kinderpornografischem Inhalt gefunden. Einmal ist
ein etwa achtjähriges farbiges Mädchen, einmal mehrere 8- bis
10-jährige Mädchen, ein drittes Bild zeigt „drei nackte asiatische
Mädchen unter 14 Jahren“ – alle in eindeutig sexuellen
Missbrauchssituationen, auf deren nähere Beschreibung hier jedoch
verzichtet werden soll.
Der 57-jährige Angeklagte, der in Zabeltitz geboren ist und heute in
Riesa wohnt, ist außer sich. Mit „solchen Dingen“ habe er sich noch nie
abgegeben, sie angeschaut oder gar auf seinen Rechner geladen.
Überhaupt: Von Computer und Internet habe er im Prinzip überhaupt keine
Ahnung. Außer Informationen zur Grundsicherungsrente für seinen Sohn
will Reinhard T. noch nie etwas aus dem Internet heruntergeladen haben.
„Die Bilder habe ich nie angeschaut“, versichert er dem Richter und der
Staatsanwaltschaft. Ja, „normale“ Pornos habe er sich doch schon mal
angeschaut, räumt Reinhard T. ein. „Aber nie etwas runtergeladen“,
schiebt er schnell nach. Ähnlich hatte er es auch bei seiner Vernehmung
bei der Polizei gesagt.
Ganz so einfach sei die Sache nicht, so Richter Mischa Hecker. Denn die
Fakten seien nun einmal eindeutig, dass Reinhard T. „im Besitz“
besagter obszöner Bilder war. Sicher sei es möglich, dass „vielleicht
Unachtsamkeit“ im Spiel war. Und da reiche es oft aus, „nur mal
anzuschauen“.
Die Ermittler sind in solchen Fällen jedenfalls gnadenlos. Zwar wird
während der Verhandlung nicht restlos klar, wie sie Reinhard T. auf die
Schliche gekommen sind. Aber Richter Hecker lässt durchblicken, dass
sogenannte Bundestrojaner eingesetzt werden, um Rechner zu durchsuchen
und bei Verdacht auch gleich zu beschlagnahmen. Allerdings sind
derartige Online-Durchsuchungen juristisch bundesweit immer noch
umstritten.
Für Reinhard T. hat Hecker die Empfehlung, seinen Einspruch gegen das
erste Urteil zurückzuziehen. „Wir können ansonsten auch ihre Frau und
ihre Kinder hier befragen“, kündigt er an. Das ist für den
Familienvater und Opa dann doch zu viel – T. zieht seinen Einspruch
zurück und wird die Strafe von 500 Euro wohl oder übel zahlen.
Richter Hecker findet zumindest „tröstende“ Worte. „Sie sind nicht im
Radar, ein Kinderschänder zu sein. Aber auf den Fotos – das sind nun
einmal misshandelte Kinder.“
Glaubt man Reinhard T., dann wird ihm so etwas mit Sicherheit nicht
mehr passieren. Denn: Nachdem das Verfahren in Gang gekommen war, hat
er nach eigener Aussage seinen Computer abgeschafft, das Internet
abgemeldet. Und auch in der Familie ist der Fall offenbar nun endgültig
erledigt.

(Sächsische Zeitung Riesa, 12. Mai 2012)

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