Schläge aus Eifersucht?

Schläge aus Eifersucht?
Ein 29-Jähriger verprügelt seine Frau mehrmals – meist ist er betrunken. Jetzt muss er 600 Euro Strafe zahlen und zum Entzug. Ist die Ehe noch zu retten?
 
Von Thomas Riemer
 
Nein, einträchtig oder gar Hand in Hand verließen Sebastian und Sandra
S. gestern das Riesaer Amtsgericht nicht. Aber zumindest gemeinsam. Ob
ihre Ehe eine Aussicht auf Zukunft hat – das steht jedoch in den
Sternen. Denn hinter den beiden liegt eine schwere Zeit. Und vor ihnen
wahrscheinlich auch.
Der Reihe nach. Mitte Juni 2011 soll Sebastian S. seine Frau bereits
einmal getreten und bespuckt haben. Er bestreitet die Tat – und sie ist
ihm letztlich auch nicht nachzuweisen. Deshalb wird in diesem Fall die
Anklage wegen Körperverletzung und Beleidigung später vom Gericht auch
verworfen.
Doch am 2., 3. und 4. Dezember hat er dann noch einmal nachgetreten.
„Jeweils unter Alkoholeinfluss“, so heißt es in der Anklage der
Staatsanwaltschaft, hat der 29-Jährige seine Frau ins Gesicht
geschlagen, in den Oberschenkel oder gegen das Schienbein getreten. Mal
mit der flachen Hand, mal mit den Füßen – Sebastian S. langt einfach
zu. Seine 21-jährige Frau erleidet Kopfverletzungen, trägt Beulen und
blaue Flecken davon. Und stellt schließlich Strafanzeige.
Vor Gericht wirkt Sebastian S. ziemlich kleinlaut. „Ich bin
ausgerastet, kann es mir selbst nicht erklären“, sagt er leise. Ein
Grund ist seine Eifersucht, glaubt er. Sandra habe an jenem 2. Dezember
auf dem Großenhainer Weihnachtsmarkt immer wieder zum Fenster ihres
Ex-Freundes geschaut. Und auch in der Vergangenheit gab es da offenbar
„immer wieder kleine Sachen“. Einmal ist Sandra eine Woche weggefahren
– und prompt fand ihr Mann irgendeinen Hinweis auf einen Liebhaber im
Computer. „Ich habe mich hochgeschaukelt und stand eigentlich ständig
unter Strom“, blickt er auf die „drei tollen Tage“ im Dezember zurück.
Sandra S. erscheint als Zeugin vor Richter Mischa Hecker. Doch aussagen
will sie nicht, verweigert ihre Informationen und verweist lediglich
auf ihre Vernehmung durch die Polizei zu den Schlägen. Volkmar B. der
den Fall damals als Ermittler auf dem Tisch hatte, erinnert sich an die
junge Mutter. „Ich würde sie als verstört bezeichnen“, blickt er
zurück. Sie habe eine leichte Beule auf dem Hinterkopf und rote Flecken
am Körper gehabt. „Ich gehe von Schlägen aus“ vermutet B. als Ursache.
Bislang hat Sebastian S. eine weiße Weste. Im Bundeszentralregister
findet sich kein Eintrag. Doch Teufel Alkohol hat ihn jetzt ins Dilemma
gerissen. „Seit ein, zwei Jahren“ trinke er. Allerdings auch nicht
gerade wenig, räumt er ein. Nach den Vorkommnissen im Dezember versucht
er jetzt, seiner Sucht Herr zu werden. Derzeit absolviert er eine
dreimonatige stationäre Entzugs- und Suchttherapie in Brandenburg.
Deshalb lebt er auch von seiner Frau getrennt, wohnt offiziell bei
seiner Mutter in Nauen.
Trotzdem ist er optimistisch. „Seit ich die Therapie mache, ist alles
viel entspannter geworden“, sagt er. Man rede viel miteinander, bei
seiner Frau hat er sich inzwischen auch immer wieder entschuldigt.
„Aber es ist eben passiert.“ Trotzdem hat er Hoffnung. „Wir wollen es
noch einmal probieren“, wagt er einen Ausblick auf die Zukunft mit
Sandra S.
Dennoch bleibt die Tatsache, dass es sich um vorsätzliche
Körperverletzung in drei selbstständigen Fällen handelt. So etwas kann
bis zu fünf Jahre Gefängnis bringen. Zu Gute hält die
Staatsanwaltschaft dem Angeklagten jedoch, dass es sich um eine
Beziehungstat handelt, Sebastian S. jeweils stark betrunken war und
bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist. Deshalb sei
eine Geldstrafe „angemessen“.
Richter Mischa Hecker schließt sich an. 600 Euro muss Sebastian S.
zahlen. Strafmildernd sei, dass S. geständig war und offenbar auch
gewisse Lehren gezogen hat. Allerdings habe er seine Frau aus niederen
Motiven malträtiert. „Sie haben einen Schwächeren geschlagen“, so
Hecker. Sein Abschied für den inzwischen Verurteilten Sebastian S.
fällt dann kurz, aber prägnant aus. „Viel Erfolg für die Therapie“, so
Hecker.

Nach oben