Starker Tobak auf Station

Starker Tobak auf Station
Ein Riesaer soll im Krankenhaus seine Freundin beleidigt haben. Sie stellte Strafantrag. Ist sie von einem Dritten dazu gezwungen worden?
 
Von Thomas Riemer
 
Assi. Bagalute. „Du machst doch nur die Beine breit, um dich von jedem
Dahergelaufenen vögeln zu lassen.“ Es sind harte Worte, die da im Raum
des Riesaer Amtsgerichts stehen. Thoralf Sauer* soll damit seine
frühere und wohl auch wieder aktuelle Freundin Jessy Möbius* (32)
beschimpft haben.
Schauplatz der verbalen Auseinandersetzung war die Kinderstation im
Riesaer Krankenhaus im November 2011. Dort musste das gemeinsame Kind
des Duos ein paar Tage wegen einer Mittelohrentzündung behandelt
werden. Am Entlassungstag trafen sich die Eltern dann im Krankenzimmer.
Und weil Jessy Möbius später als verabredet eintraf, „war ich
aufgebracht“, so der 39-jährige Thoralf Sauer. Ja, und da habe er ein
Schild in den Kindersachen mit dem Logo einer Wäschefirma kommentiert:
„Das ist doch Assi.“ Und Bagalute? „Ich weiß gar nicht, dass das ein
Schimpfwort ist“, so Sauer. Der Satz, sie würde es quasi mit jedem
treiben, „der ist nie gefallen“.
Jessy Möbius hat trotzdem Strafanzeige gestellt. Und bekam im Februar
in erster Instanz auch recht. Doch Thoralf Sauer, der1400 Euro Strafe
zahlen sollte, legte Einspruch ein. Jessy Möbius, geladen als Zeugin,
stärkte ihm mit ihrer Aussage kräftig den schmalen Rücken. „Assi und
Bagalute“ habe sie nicht gehört. Auf den „Rest“ ging sie erst gar nicht
großartig ein. Thoralf Sauer habe sich Wochen später bei ihr für seinen
„Auftritt“ in der Klinik entschuldigt.
Warum dann überhaupt dieses Verfahren? „Herr Kreis hat mich gezwungen,
eine Anzeige zu machen“, sagt Jessy Möbius. Heiko Kreis* (46) ist ein
gemeinsamer, guter Bekannter. Einst bester Freund von Thoralf Möbius,
spannte diesem offenbar irgendwann die Freundin aus. Jessy Möbius
erwartet jetzt sogar ein Kind von Heiko Kreis – doch das mit der
Beziehung ist vorbei. Wohl auch deshalb hat Kreis ein gesteigertes
Bedürfnis zum Frustablassen. „Assi und Bagaluten – das war ein
Hörfehler meinerseits“, räumt er vor Gericht ein. Die andere
Formulierung – da habe Thoralf Möbius „ja nichts Falsches gesagt“, so
Kreis.
Den Ermittlungen und Aussagen von Angeklagtem wie Zeugin zufolge war
Kreis allerdings bei der besagten Auseinandersetzung überhaupt nicht im
Zimmer. Was Richter Mischa Hecker zur Schlussfolgerung verleitete:
„Herr Kreis ist wohl der, der das hier hochkocht.“ Nach seiner Ansicht
spielten in das Verfahren sehr viele private Umstände hinein, „die das
Strafverfolgungsinteresse mindern“. Deshalb legte er der Klägerin auch
nahe, ihren Strafantrag zurückzuziehen.
Jessy Möbius schien fast erleichtert ob des richterlichen Vorschlags.
Nur als es um die Frage der Kosten für das Verfahren ging, schluckte
sie kurz. Zum Glück sprang Thoralf Sauer ihr hier zur Seite – und trägt
die Auslagen für seine Verteidigerin selbst. Traute Einigkeit also am
Schluss einer aufwendigen Posse. (*Namen von der Redaktion geändert)

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