Streit um schrottreifen Traktor

Waren Traktor und Moped schrottreif?
Ein Duo soll die Geräte gegen den Willen des Besitzers entsorgt haben. Die Juristen im Riesaer Amtsgericht sehen keinen kriminellen Hintergrund.
 
Von Thomas Riemer
 
Das ist noch lange nicht zu Ende!“ Horst Wachsers (*) Reaktion nach dem
Richterspruch stellte zumindest klar, dass er und seine Stieftochter
Petra Jantzen (42) und deren Ex-Partner Sandro Schwan (44) in diesem
Leben wohl keine Freunde mehr werden. Denn Wachser hatte Strafantrag
gegen das Duo gestellt, musste jedoch am Ende einen Freispruch der
beiden Angeklagten vor dem Riesaer Amtsgericht hinnehmen.
„Corpus delicti“ sind ein Rasentraktor und ein Moped vom Typ SR 2. Die
sollen auf Geheiß von Petra Jantzen und Sandro Schwan im Zeitraum
zwischen März und Juli 2008 vom Grundstück Horst Wachsers (62) in
Blochwitz (heute Gemeinde Lampertswalde) abtransportiert worden sein.
Zumindest für den Rasentraktor hatten sie dazu auch dessen Zustimmung.
Denn beim „Entrümpeln“ auf dem Grundstück hatten sie festgestellt, dass
das Gerät defekt ist, und angeboten, es kostenlos zu reparieren. „Die
Rückgabe des Traktors war von vornherein nicht geplant“, lautete
allerdings die Anklage der Staatsanwaltschaft. Ihr Vorwurf an Petra
Jantzen und Sandro Schwan: gemeinschaftlich begangener Betrug und
Diebstahl.
Schwan wehrte sich vehement. „Er wusste ganz genau, dass der Traktor
nur noch Schrott war“, sagte er. Wachser habe ihn freizügig mitgegeben,
„damit wir mal nachschauen“. Das Moped, das nach Wachsers Angaben topp
war, sei ebenfalls in erbärmlichen Zustand gewesen. „Brauch ich sowieso
nicht mehr“, soll Wachser zu ihm gesagt haben, so Schwan. Die
Wahrnehmung, Traktor und Moped seien am gleichen Tag auf ein- und
demselben Fahrzeug abtransportiert worden, sei nicht richtig. „Das geht
überhaupt nicht“, so Schwan mit Verweis auf das Auto, einen so
genannten Hundefänger vom Typ Ford. Richtig ist auf jeden Fall: Jantzen
und Schwan haben die Entsorgung von Traktor und Moped veranlasst.
Auch Petra Jantzen zeigte sich erbost und fassungslos, schüttelte immer
wieder den Kopf. Als ihre Mutter Anfang 2008 starb, sei Horst Wachser
plötzlich ihr Stiefvater gewesen. An ihren ersten Besuch auf dem
Blochwitzer Grundstück hat sie nachhaltige Erinnerungen. „Es war eine
Müllbude.“ Sie habe in den Wochen nach dem Tod der Mutter versucht, ihm
zu helfen bis hin zur Organisation einer Betreuung. Wachsers Hang,
„alles als neu anzusehen“, verglich sie mit dem Messi-Syndrom. Als 2009
ein Brief von Horst Wachsers Anwalt mit einer Forderung von 5000 Euro
ins Haus flatterte, war sie dann baff.
Horst Wachsers Auftritt im Zeugenstand sollte Licht in die Sache
bringen, vernebelte aber die Beweisaufnahme eher noch weiter. Am
Traktor seien Keilriemen und Zündschloss defekt gewesen, weshalb er aus
Kostengründen der Reparatur durch die beiden Angeklagten zugestimmt
hat. „Der Motor war in Ordnung“, so Wachser. Dass das Moped weg ist,
habe er erst gar nicht mitbekommen, sei durch den Besuch eines
Bekannten am gleichen Tag darauf aufmerksam gemacht worden. Den
Rasentraktor will Horst Wachser 2003 zum Preis von 4900 DM gekauft
haben.
Das war freilich der Gipfel der Verwirrung. Denn: 2003 hatte die DM
längst ausgedient. Petra Jantzens Verteidiger Matthias Natho hatte
nachgeforscht. Demzufolge muss Wachser das Gerät laut Gutachten bereits
1999 erworben haben. Natho setzte danach auf die eher schlechte
Erinnerungskarte des Zeugen. Laut Ermittlungsakte nämlich war Wachser
im Lauf der Zeit zu zwei Vernehmungen bei der Polizei. Wachser konnte
sich indes nur an einen „Besuch“ erinnern. „Ich weiß nicht, wie die
Polizei darauf kommt“, erklärte er den vermeintlichen Widerspruch.
Horst Wachsers behandelnder Arzt bestätigte im Zeugenstand zumindest
indirekt, dass sein Patient offenbar unter dem Messi-Syndrom leidet.
„Haus und Wohnung waren jämmerlich verwahrlost. Und Wertsachen habe ich
dort nicht ausmachen können,“gab er zu Protokoll.
Im Saal sorgte der Fall längst für kurzzeitiges Augenrollen bei den
Beobachtern. Das Plädoyer der Staatsanwältin wirkte daher fast wie eine
Erlösung. „Wir konnten nicht klären, unter welchen Absprachen und an
welchen Tagen die Sachen abgeholt wurden“, stellte sie fest. Zwischen
Angeklagten und Geschädigtem bestehe zudem offenbar eine „besondere
Beziehung“.
Im Zweifel plädiere sie in diesem Fall für die Angeklagten – und daher
auf Freispruch. Auch die Verteidiger waren offenbar froh, dass die
Sache zu Ende ging. „Die Geschichte hat eine Eigendynamik entwickelt,
ohne dass ein krimineller Hintergrund erkennbar ist“, so Matthias Natho.
Der eifrige Rechtsanwalt und offenkundige Laptop-Fan (er protokollierte
das Verfahren komplett mit) konnte am Ende das Urteil von Richter
Mischa Hecker für Petra Jantzen und Sandro Schwan in sein Gerät
hämmern: Freispruch.
(*) Namen geändert)

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