Den Traum vom Fliegen in Großenhain erfüllen

Am Wochenende finden die Großflugtage statt. Und nicht nur das. Auch Panzerfahren ist möglich beim Treffen der Militärhistoriker.

Von Thomas Riemer
 
Sein Flugzeug vom Typ „Giles“ hat er selbst zusammengeschraubt. Mehr als 4000 Arbeitsstunden. Mit Tempo 500 und um die 250 PS wirbelt Dr. Gerd Beierlein unter anderem mit dieser Maschine bei Flugschauen durch die Luft. Unbeirrt bringt er das Publikum am Boden zum Staunen. 
 
Dr. Gerd Beierlein ist ein Urgestein der Kunstflugszene. 1960 begann er seine Flugausbildung, nachdem er schon im Modellflug Erfahrungen sammeln konnte. Segelfluglizenz, Motorfluglizenzen auf allen erdenklichen Modellen, Kunstflugausbildung, Fluglehrerprüfung, dann Mannschaftskapitän der DDR-Kunstflieger – eine steile Karriere, 
die im Jahre 1979 mit dem Titel des Vizemeisters ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Doch auch mehr als dreißig Jahre später ist das fliegerische Können außergewöhnlich, was unter anderem durch den mit zwei ZLIN 526 AFS – grundüberholte Kunstflugzeuge, die Anfang der 1970er Jahre zu den Favoriten zählten - im Verbandskunstflug mit einem Teamkollegen durchgeführten Spiegelflug eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird. Wie sich derartige Flugfiguren aus der Ich-Perspektive anfühlen, kann während des vom Meister selbst angebotenen Gästekunstfluges erlebt werden.
 
Und zwar nicht irgendwo und irgendwann, sondern am Wochenende bei den Großflugtagen auf dem Großenhainer Flugplatz. Cheforganisator Jens Mikoleiczyk verspricht Außergewöhnliches. „Die Flugtage Großenhain sind kein Fest mit ein paar Rundflugmaschinen, sondern eine Luftfahrtveranstaltung mit wirklichen Raritäten und großartigen Flugshows“, sagt er.
 
Dr. Gerd Beierlein, Mitglied der Kunstflugstaffel Aero aus Gera, war schon oft als Pilot in der Röderstadt. „Hier trifft man immer interessante Leute", sagt der 67-Jährige. Bei Flugshows und auch Meisterschaften der Kunstflieger hat er in der Vergangenheit die guten Bedingungen, vor allem die lange Landebahn, schätzen gelernt. "So etwas gibt es nicht so oft in Deutschland", glaubt Beierlein. 
 
Der Geraer gehört zu den Dutzenden Piloten, die am Wochenende mit ihren "tollkühnen Kisten" am Großenhainer Himmel brillieren wollen. Besonders stolz sind die Organisatoren,  dass die einzige L-39 mit originaler DDR-Lackerung ihre Teilnahme bestätigt hat. Dabei handelt es sich um ein düsenbetriebenes Schulungsflugzeug, das recht nahe an der Marke von 1000 Kilometern je Stunde kratzt, wenn es im Sturzflug der Erde entgegenrast. Doch auch Liebhaber leiserer Luftfahrzeuge kommen auf ihre Kosten. So wird der historische Schulgleiter SG-38 erwartet. Er sorgte schon bei den Flugtagen vor einem Jahr für manch ungläubigen Blick. Kann man mit so einem "Holzgestell" wirklich in die Luft gehen? Man kann, wie Mitglieder des Vereins zur Förderung des historischen Segelfluges aus Burgheim beweisen werden. Mit Walter und Toni Eichhorn kommen zwei der berühmtesten Piloten Deutschlands. Walter Eichhorn ist der bisher einzige Pilot, der mit einem Ex-Militärjet auf einem Segelflugplatz landete. Zudem doubelte er Filmstars wie Tom Cruise in Fliegerfilmen.
 
Die Bodenaktivitäten werden ergänzt durch militärhistorische Technik. Mehrere Vereine sowie Besitzer von Rad- und Kettenfahrzeugen haben sich im Vorfeld angemeldet. Wer zum Beispiel spüren möchte, wie sich mehr als 30 Tonnen Stahl manövrieren lassen, sollte sich eine Panzerfahrt nicht entgehen lassen. Ein einmaliger Actionspaß für Leute, die keine Lust haben, jedem Hindernis aus dem Wege zu gehen - so versprechen es die Organisatoren. 
 
Jens Mikoleiczyk verweist darauf, dass es von der Größenordnung her in diesem Jahr höchstens drei vergleichbare Flugshows in Deutschland gibt. Er denkt auch bereits über das kommende Jahr nach. "Auf alle Fälle planen wir für 2014 die Durchführung einer 
Luftfahrtveranstaltung zum 100-jährigen Bestehen des Großenhainer Flugplatzes", sagt er.
 
Alle Infos auf einen Blick:
 
► Die Veranstaltung findet am 11. und 12. Mai auf dem Flugplatz statt.
►  Im Mittelpunkt der Veranstaltung wird das umfangreiche Flugprogramm stehen, das vom Verbandskunstflug bis zum Segelflug und Modellflug reicht. Viele teilweise einzigartige Luftfahrzeuge, wie der Jet L-39 "Albatros", Dornier DO 28 D2, MH-1521 Broussard, WACO YKS-6, Yak 52, Yak 55 oder Beech 17 "Staggerwing" stehen für Rundflüge oder zum Bestaunen am Boden und in der Luft bereit. 
► Jeweils ab 9 Uhr sind Rundflüge möglich. An beiden Tagen finden Flugvorführungen in einzelnen Prpgrammblocks statt.
►  Am Boden findet das 2. Militärhistorische Treffen statt. Zusätzlich gibt es eine Schausteller- und Kinderwiese inklusive Hüpfburg und viele andere Angebote.
► Eintritt: pro Tag 10 Euro. Kinder bis 14 Jahre Eintritt frei.
►  Besonderheit: Inhaber von historischen Luftfahrzeugen und historischen Fahrzeugen jeglicher Art erhalten bei Anreise bis jeweils 11 Uhr und vorheriger Anmeldung Verpflegung und freien Eintritt für maximal drei Personen über den gesamten Veranstaltungszeitraum.
► Mehr Infos: www.grossflugtage.de
 
(Sächsische Zeitung, 10. Mai 2013)

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