Halb Mensch, halb Suppe - eben Suppen-Muppe

Schmecken lassen!


Steffen Klunker verkauft seit 13 Jahren Eintöpfe auf Märkten. Vor allem der Kesselgulasch von Muppe ist was ganz Besonderes.
 
Von Thomas Riemer      
 

Am ersten Löffel verbrennen sich die meisten Kunden erst einmal die Zunge. Das klingt dramatisch. Aber: Kann es ein größeres Lob für eine mobile Suppenküche geben als die Anerkennung, eine tolle und vor allem warme Mahlzeit abzuliefern? Steffen Klunker sieht‘s äußerlich gelassen, lässt sich das insgeheime Lob nicht anmerken. Seit nunmehr 13 Jahren tourt er mit seiner Gulasch-Kanone durch die Lande. „Heute ist Muppen-Tag“, heißt es dienstags in Großenhainer Amtsstuben, unter Geschäftsleuten und Wochenmarkt-Besuchern. Dann ist Suppen-Muppe, wie sich Steffen Klunker liebevoll nennt, zum Heimspiel in der Röderstadt. Mittlerweile fast ein Original. Sehr viele Suppenfreunde kennt er. Mit geübtem Handgriff füllt er weiße Plastikschüsselchen oder die von ihm kreierten grünen Eimerchen kellenweise mit seinen Eintöpfen. „Schmecken lassen“, gibt er jedem Genießer mit auf den Weg. Und es schmeckt lecker!

„Kesselgulasch ist der absolute Renner“, sagt Steffen Klunker. Der gehört prinzipiell jede Woche zum Speiseplan. Alles Weitere wechselt sich ab. Linsen-, Nudel-, Bohnen-, Gemüsesuppe, Gräupcheneintopf. Nichts gibt es, was es nicht schon gab. Oder? An Fleckeneintopf will Klunker lieber nicht ran. Zu aufwendig und vor allem geruchsintensiv, umschreibt er vorsichtig.
Wobei: Eine Kochausbildung hat der 40-Jährige nicht. „Die Rezepte sind zumeist von meiner Großmutter“, erzählt er schmunzelnd. Dass er mal eine propangasbeheizte Feldküche betreiben wird, war bis zum Jahr 2000 überhaupt nicht absehbar und eigentlich auch eher ein Zufall. Aus gesundheitlichen Gründen musste er vorübergehend im angestammten Job aussetzen. Doch zu Hause zu sitzen – das war nicht sein Ding. Das merkte sein Onkel – und der hatte damals eine „Kanone“. Aus Steffen Klunker wurde Suppen-Muppe – „halb Mensch, halb Suppe, eben Muppe“, erklärt er den ungewöhnlichen Namen. Wochenmärkte sind sein Kerngeschäft. Ob Dresden, Meißen, Gröditz, Riesa, Weinböhla oder Radeburg – die Stammkunden „lauern“ schon, wenn die Suppenküche aufgebaut wird. Dass Steffen Klunker dann schon viele Stunden ins Tagesmenü investiert hat, ahnen sie höchstens. Denn am Kochtopf steht der Chef höchstpersönlich. Wenn andere abends vor dem Fernseher hocken, schwingt er den Löffel, kümmert sich um die Zutaten und die richtige Würze. Über Nacht werden die Suppen dann gekocht, gekühlt, ehe es frühmorgens auf Tour geht. Mittlerweile mit zwei Kanonen, sagt Steffen Klunker. Dafür beschäftigt er einen zweiten Mann im Kleinunternehmen. Investiert hat er auch in seinen Firmensitz in Großenhain. Der Umbau ist bis auf kleine Nacharbeiten abgeschlossen. Mittlerweile wohnt er gleich nebenan. Das hat Vorteile, wenn er zum Beispiel nach dem Vorkochen seine Suppen runterkühlen und vorschriftsgemäß einlagern muss.
Von den Wochenmärkten ist er nicht mehr wegzudenken. Und das übers gesamte Jahr – auch bei Wind und Wetter. Zu anderen Veranstaltungen fährt er mittlerweile eher selten. Dafür ist er insbesondere bei Betriebsfeiern und kleineren Märkten am Wochenende begehrt.
Nur letztes Jahr hatte sich Steffen Klunker dann doch mal eine Sommerpause gegönnt. Die damals einzige Feldküche war zwei Wochen kalt – dafür war es draußen warm in jenen Augusttagen. Muppe hat sich hinterher mächtig gegrämt. Denn es wäre die Gelegenheit gewesen, angesichts von Temperaturen jenseits der 35 Grad mit einer kalten Gurkensuppe aufzutrumpfen. „Da freuen sich die älteren Frauen, wenn ich die anbiete“, sagt er. Noch einmal wird ihm solch ein Lapsus nicht passieren. Zum Glück kann er ja jetzt mit seinem Mitarbeiter die Urlaubszeiten abstimmen.
Heute ist Steffen Klunker wieder in Großenhain. Im Angebot stehen Eintöpfe: Linsensuppe, Krauteintopf – und natürlich Kesselgulasch, der auch nach dem zweiten Löffel „heiß“ ist.

(Sächsische Zeitung Großenhain/Foto: Klaus-Dieter Brühl)


 

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