Pulver-Alarm: Täter ist ermittelt
 

Ein 39-jähriger Mann aus Großenhain verschickte offenbar mehrere verdächtige Briefe. Er gilt als psychisch auffällig.
Von Thomas Riemer
 
   
 

Es ging schneller als erwartet: Nur wenige Tage nach dem Pulver-Anschlag auf die Sparkassenfiliale auf dem Großenhainer Hauptmarkt hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt. „Es handelt sich um einen 39-jährigen Mann aus Großenhain“, so Polizeisprecher Wolfgang Kießling. Auf seine Spur seien die Ermittler bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat gekommen. Nähere Angaben dazu machte Kießling nicht.
Der Briefumschlag, den der Mann in den Außenpostkasten der Sparkasse steckte, war jedoch offenbar nicht die einzige „Botschaft“. Laut Wolfgang Kießling hätten weitere Ämter, Behörden und Einrichtungen verdächtige Post erhalten, darunter auch die Großenhainer Stadtverwaltung. Mal war Pulver drin, mal aber seien die Kuverts auch leer gewesen. Die „pulverähnliche Substanz“ erwies sich jedoch in allen Fällen als harmlos – entpuppte sich als weiße Asche.
Zum Täter selbst gibt es bis aufs Alter kaum Einzelheiten. Der 39-Jährige gelte als „psychisch anfällig“, so Wolfgang Kießling. Im Klartext: Er ist offenbar krank. Nach SZ-Informationen hat er keinen festen Wohnsitz, sondern lebt in einer Gartenlaube. Derzeit befindet er sich nicht in Haft. Es werde überlegt, „was wir für den Mann tun, wie wir ihm helfen können“, erklärt Wolfgang Kießling dazu. Alle weiteren Ermittlungen liegen jetzt auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft.
Der Vorfall hatte in Großenhain vor einer Woche für großes Aufsehen gesorgt. Kurz vor dem Mittag hatte eine Sparkassenmitarbeiterin den ominösen Brief aus der Tagespost gefischt. Weil er statt einer Adresse die Aufschrift „Nie wieder arbeiten!“ trug, alarmierte sie Polizei und Feuerwehr – mehr als 30 Frauen und Männer waren im Einsatz. Der Bereich vor dem Rathaus musste in Windeseile abgesperrt werden. Selbst Mitarbeiter des Rathauses konnten für mehr als zwei Stunden nur über einen Nebeneingang ihre Schreibtische erreichen. Die Sparkasse blieb während des Einsatzes gänzlich geschlossen. Wer am Automaten Geld holen wollte, musste zur Dresdner Straße ausweichen.
Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes des Landkreises stellten den Umschlag sicher. Dazu mussten sie Spezialanzüge und Atemschutzgerät anlegen. Der in Folie eingeschweißte Brief gelangte zum LKA, dann zur Untersuchung des Pulvers.
Was dem Täter jetzt blüht, ist ob seines Gesundheitszustandes ungewiss. Wahrscheinlich wird er wohl die Kosten des Einsatzes zahlen müssen. Die liegen nach vorsichtigen Schätzungen im fünfstelligen Bereich.

(Sächsische Zeitung, 2. Mai 2013)

 

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