Veranstalter warnen vor Absturz der Fliegerei
Das Interesse am Fliegenden Museum ist groß. Und die Großflugtage am Wochenende sollen nicht die letzten sein.

Von Thomas Riemer
 

Daniel Hickl hat eine Woche Urlaub genommen. Extra, um in diesen Tagen für das Fliegende Museum in Großenhain sowie den gleichnamigen Verein da zu sein. „Dass nicht erkannt wird, welchen Schatz man hier am Flugplatz hat, ist tragisch“, sagt der 28-Jährige. Gemeinsam mit seinem Fliegerfreund Bernhard Rupp ist der Berufspilot aus dem österreichischen Innsbruck angereist. Denn Fliegen – das ist für ihn Faszination. Zumal es im Fliegenden Museum von Familie Koch selbst für den erfahrenen Piloten noch so manches zu entdecken gibt.
Kochs wollen in diesem Jahr einmal im Monat sogenannte fliegende Wochenenden für alle Interessenten organisieren. Um sich vorzustellen. Aber nicht nur das. Denn mit dem Frühherbst 2012 ist ein gewisses Bangen um das Museum eingezogen. Seit Freistaat und Stadt Großenhain ihre Pläne zur Industrialisierung des 230 Hektar großen Flugplatzes öffentlich gemacht haben, herrscht Ungewissheit. Und Enttäuschung. „Es gibt für uns einfach keinen Ansprechpartner“, macht Brigitte Koch aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Sie war im Herbst Augenzeugin jener Stadtratssitzung, in der das Rathaus die Bombe der beabsichtigten Flugplatz-Schließung platzen ließ. „Seitdem hat faktisch niemand mit uns geredet“, so Brigitte Koch.
Dem Interesse für die Flugoldtimer im Museum am Rande der Landebahn hat das indes keinen Abbruch getan. Der 2012 gegründete Verein „Fliegendes Museum“ e.V. zählt inzwischen um die 40 Mitglieder. Nicht nur Piloten und Enthusiasten aus Deutschland sind darunter, sondern auch aus Graz, Linz oder eben Innsbruck, erzählt Brigitte Koch. Über den Winter wurden die vorhandenen Maschinen liebevoll gewartet, zwei neue kamen jetzt kurz vor der Saisoneröffnung hinzu. Ältere Maschinen selbst zu fliegen – für Bernhard Rupp ist das so etwas wie die Hohe Schule. „Das ist ursprüngliches, puristisches Fliegen ohne GPS oder anderen Schnickschnack“, schwärmt der 37-Jährige. Zum vierten Mal ist er in Großenhain, „künftig wohl auch öfter“, sagt der Innsbrucker.

Endlich mit dem OB reden

Die Resonanz beim fliegenden Wochenende stimmt die Veranstalter vorsichtig optimistisch. Nachdem sie die gesamte Woche über den immer wieder störenden Regen und Wind verdammten, herrschte vor allem am Sonntag bestes Flugwetter. Das verleitete nicht wenige Großenhainer, aber auch Auswärtige, zu einem außergewöhnlichen Museumsbesuch – oft mit dem Zusatz eines Rundfluges. Brigitte Koch freut sich besonders, dass über die Woche auch acht neue Flieger nach Großenhain gefunden haben. Das hilft über die für sie „unbefriedigende Gesamtsituation“ ein wenig hinweg.
Gemeinsam mit ihrem Vater Josef Koch soll jetzt versucht werden, mit Großenhains Oberbürgermeister Burkhard Müller einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Denn Kochs wollen Klarheit – auch über die persönliche Zukunft. Wenn tatsächlich in diesem oder nächsten Jahr die Betriebserlaubnis für den Großenhainer Flugplatz erlischt, „müssen wir uns kurzfristig nach einem anderen Standort umsehen“, so Brigitte Koch.
Auch andere Veranstalter vom Flugplatz sehen die Industrialisierungspläne mit gemischten Gefühlen. Jens Mikoleiczyk zum Beispiel. Er ist Chef der Großflugtage in Großenhain am kommenden Wochenende und hat mit seinen Mitstreitern ein anspruchsvolles Programm rund um die Fliegerei sowie das 2. Militärhistorische Treffen geplant. Das Areal sei ideal dafür. „Aus meiner Sicht bietet der Großenhainer Flugplatz sehr gute Voraussetzungen für einen regional tätigen Verkehrslandeplatz“, so Mikoleiczyk. Die Größe der Start- und Landebahn gebe kaum Einschränkungen für die Größe der Luftfahrzeuge vor. Hier könne im Prinzip alles starten und landen, was das auch auf dem Flughafen in Dresden kann. „Dies unterscheidet den Großenhainer Verkehrslandeplatz von vielen anderen dieser Art, wo zum Beispiel die Start- und Landebahn zumeist unter 1000 Meter lang ist.“
Für die Großflugtage, die die Sächsische Zeitung präsentiert, verspricht der Cheforganisator Luftfahrttechnik der Superlative. „Die Flugtage Großenhain sind kein Fest mit ein paar Rundflugmaschinen, sondern eine Luftfahrtveranstaltung mit wirklichen Raritäten und großartigen Flugshows“, so Jens Mikoleiczyk. In diesem Jahr gebe es davon nur drei weitere – je eine in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg.
Ungeachtet aller Debatten denkt Mikoleiczyk auch an die Zukunft. „Auf alle Fälle planen wir bereits für 2014 die Durchführung einer Luftfahrtveranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum des Großenhainer Flugplatzes“, sagt er. Ob es dazu kommt, steht zwar in den Sternen. Aber auch der Veranstaltungsprofi macht keinen Hehl daraus, dass er es bedauern würde, wenn der Großenhainer Flugplatz keine Perspektive bekommen sollte. Aus seiner Sicht ist sogar ein Weiterbetrieb des Flugwesens neben der Entwicklung eines Industriegebietes in Einklang zu bringen. „Vielleicht ist ja sogar das Vorhandensein des Flugplatzes ein Argument für ein Wirtschaftsunternehmen, sich in Großenhain anzusiedeln?“ stellt Mikoleiczyk in den Raum.

Ein guter Ruf ist zu verteidigen

Für dieses Wochenende hofft er auf eine ähnliche große Resonanz der Besucher bei den Großflugtagen wie im Vorjahr. Großenhain habe hier unter den Freunden der Luftfahrt einen guten Ruf zu verteidigen. Das sollten auch die regionale Wirtschaft und „regionale Kapitäne“ künftig erkennen und fördern, so Jens Mikoleiczyk.
Alle Informationen zum Event am kommenden Wochenende sind unter www.grossflugtage.de zu finden.
 
 
 
(Sächsische Zeitung, 6. Mai 2013)

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