Was die Reha-Klinik Großenhain bringt

 

Was die Reha-Klinik den Händlern bringt
 
 
Von Thomas Riemer
 
Der zweite Mann im Rathaus von Bad Liebenwerda erzählt über Erfahrungen der Kurstadt. Die wichtigste Maxime heißt Geduld.
Großenhain hat das Glück, künftig eine hoffentlich funktionierende Reha-Klinik zu haben. Dieser Überzeugung ist Gerd Engelmann. Der Mann weiß, wovon er spricht. Denn er ist stellvertretender Bürgermeister der Kurstadt Bad Liebenwerda, gleichzeitig Kämmerer. Vor Mitgliedern und Interessenten des Fördervereins "Großenhain aktiv" plauderte er am Dienstag aus dem Nähkästchen - und sorgte für manch erstaunten Blick bei den Händlern und Gewerbetreibenden der Röderstadt.

Kann eine Stadt von der Klinik profitieren?

Ja. So ein Betrieb bringt Arbeitsplätze, nicht nur im medizinischen Bereich. In Bad Liebenwerda sind städtische Unternehmen zur Klinikunterhaltung im Einsatz, das bringt Aufträge für die örtliche Wirtschaft. Außerhalb der Klinik profitiert der Dienstleistungssektor. "Patienten brauchen Orientierung", nennt Engelmann ein Beispiel. In seiner Stadt gebe es dafür unter anderem eine zertifizierte Touristeninformation sowie einen Stadtmarketingverein. Eine Erfahrung der Stadt im Brandenburgischen: Die Patienten und deren Angehörige haben ein großes Interesse, ihre Gastgeberstadt kennenzulernen. Darauf können Stadt und Klinik Einfluss nehmen.

Muss sich die Stadt mit ihren Angeboten der Klinik anpassen?

Ja. Andersherum wird es nicht funktionieren. Denn die Klinik hat einen festgelegten Rhythmus, der durch Krankheit, Behandlungen und Therapien dominiert ist. Darauf müssen Verwaltung, Händler, Gastronomen Rücksicht nehmen. Beispiel Stadtführungen: Sie sollten nicht nur historisch angelegt, sondern mit vielen Hinweisen für Patienten und Angehörige zum Beispiel zu gastronomischen Angeboten versehen werden. Beispiel Öffnungszeiten: Sie sollten nach Möglichkeit den Klinik-Gewohnheiten angepasst werden. Das, so Engelmann, gilt vor allem fürs Wochenende, wenn die Patienten Besucher empfangen. Beispiel Barrierefreiheit: Rund 12 Millionen Euro hat Bad Liebenwerda seit 1991 investiert. Nicht nur Stufen zu Geschäften müssen überwunden werden. Auch Blinde und Hörgeschädigte wollen in die Läden. Oft reichen kleine Dinge wie eine Klingel am Eingang oder ein Handlauf aus. Oder auch die zweckmäßige Platzierung von Werbeschildern, um Rollstuhlfahrern die Zufahrt zu erleichtern.

Müssen sich Gastronomen und Händler von Gewohnheiten lösen?

Ja. Ladeninhaber dürfen nicht nur Erwartungen an die Klinik haben, sondern müssen sich auch selbst verändern. Der Experte aus Bad Liebenwerda empfiehlt den Großenhainern zum Beispiel, über einen City-Manager nachzudenken, der die Öffnungszeiten steuert. Dabei sei nicht entscheidend, ob die Läden sonntags offen sind (sofern sie dürfen). Viel wichtiger: Patienten und ihre Besucher wünschen einheitliche Zeiten. Für Gastronomie und Tourismus gilt: patientenfreundliche Präsentation. "Schönster Lohn ist doch, wenn die Leute später einmal Urlaub bei uns machen."

Kann sich so etwas von heute auf morgen durchsetzen?

Nein. Fünf bis acht Jahre, so Engelmanns Erfahrung, sind nötig. Und viel Geduld. Sein Tipp an den Förderverein: "Reden Sie miteinander, und beziehen Sie die Klinik immer mit ein." Sie wird es danken, glaubt er. "Ich will Ihnen Mut machen, dass von der Klinik auch etwas zurückkommt."
 

 

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