Weißes Pulver löst Großeinsatz aus

Weißes Pulver löst Großeinsatz aus


Eine Großenhainer Sparkassenmitarbeiterin findet einen verdächtigen Brief. Wie gefährlich ist er?
 
Von Thomas Riemer
 
Ich will doch nur Geld holen“, sagt Ingeburg Stefan. Doch es hilft nichts. „Da müssen Sie zum Automaten auf der Dresdner Straße“, antworten die Feuerwehrleute freundlich, aber bestimmt. Denn: Die Sparkasse Hauptmarkt ist dicht, bewacht von drei Polizisten, weiträumig mit Sperrband gesichert von der Feuerwehr.
Der Grund: Eine Sparkassenmitarbeiterin fischte gestern Vormittag mit der Tagespost aus dem Außenbriefkasten einen Umschlag, der ihr beim Bearbeiten komisch vorkam. Sie informiert die Polizei. Schnell ist alles abgeriegelt, selbst Rathausmitarbeiter kommen nur noch durch den Seiteneingang zu ihren Arbeitsplätzen. Hinter den Absperrungen grassieren Gerüchte. Ein Banküberfall? Bombenalarm? Oder doch „nur“ ein Feuer? Von den Einsatzkräften ist nichts zu erfahren, außer: Wer hinter der Sperre steht, muss nichts befürchten. „Großenhain ist eine kleine Stadt, da ist so etwas natürlich eine Sensation“, frozzelt Ingeburg Stefan.
So harmlos sieht das die Polizei nicht. „Wir nehmen die Sache natürlich sehr ernst“, beteuert Sprecher Wolfgang Kießling. Deshalb wird der Umschlag jetzt auch komplett unter die Lupe genommen. „Denn man kann doch nie ausschließen, dass es irgendwelche Verrückte gibt, die so was machen“, so Kießling. Selbst ein weißes Pulver, gemischt aus Mehl und Rattengift, könne ausreichen, um dauerhafte gesundheitliche Schäden hervorzurufen. „Ein Dummejungenstreich ist das nicht, sondern eine handfeste Straftat“, so Wolfgang Kießling.
Vor dem Großenhainer Rathaus sind inzwischen zwei Fahrzeuge des Katastrophenschutzes vorgefahren. Die Sache ist klar: Hier müssen Kräfte mit Spezialanzügen und -ausrüstung ans Werk. Knapp zehn Minuten brauchen die beiden Männer in Weiß – dann präsentieren sie das Corpus Delicti. „Vorsichtshalber wird so ein Umschlag in eine Tüte gesteckt und eingeschweißt“, erklärt Eberhard Franke vom Meißner Landratsamt auf Nachfrage.
„Nie wieder arbeiten“ ist auf den Umschlag draufgeschrieben worden. Was der Absender in den Brief gemischt hat, ist offen. Sämtliche Beteiligte sprechen von „unbekannter pulvriger Substanz“. Genauen Aufschluss werden erst die Analysen des LKA ergeben. Ein Schnelltest ist bei einem unbekannten Pulver nicht möglich, so dass nach Meinung von Experten mit zwei Wochen Wartezeit zu rechnen ist.
Großenhains Stadtwehrleiter Maik Häßlich hat vor einem Jahr einen ähnlichen Einsatz schon einmal erlebt (siehe Kasten). Von Gelassenheit ist dennoch keine Spur. Mit 25 Kameraden sind die Großenhainer Kameraden vor Ort, sichern vor allem den Außenbereich ab. Reichlich zwei Stunden dauert das Ganze. „Natürlich auf Kosten der Steuerzahler“, sagt Polizeisprecher Kießling entrüstet. Er rechnet vor, dass der ganze Einsatz locker eine fünfstellige Summe kosten dürfte. „In der Haut des Täters möchte ich nicht stecken, wenn er erwischt wird.“
Sparkassensprecher Ralf Krumbiegel konnte gestern Nachmittag zumindest teilweise Entwarnung geben. Der Mitarbeiterin, die den Brief fand, gehe es gut. Die Filiale auf dem Hauptmarkt ist „sauber“. Der Geschäftsbetrieb wird heute wieder normal laufen.
 
 
(Sächsische Zeitung Riesa/Großenhain, 26. April 2013)

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