Sternstunde der Erfindungen
Am 9. November ist „Tag der Erfinder“. Bei Kappus in Riesa ist die Erinnerung an das einzige Patent verblasst. Schuld ist die Dusche.
 
Von Thomas Riemer
 
Wieland Zeppan stutzt kurz und holt Luft. „Was, so lange ist das schon wieder her?“ sagt er dann. Dreizehn Jahre?
 
Genau. Im Jahre 1998 erhielt Kappus Riesa GmbH das einzige Patent in der Firmengeschichte der  Elbestadt. Objekt der Begierde war seinerzeit – man höre und staune – schlicht und einfach Schwimmseife. Kappus wollte damit eine absolute Marktlücke erobern. Und vor allem die ganz junge Generation erreichen. Denn der Makel der „herkömmlichen“ Seifen war schließlich eindeutig. Immer, wenn sie in der Badewanne  gebraucht wurde, war sie weg. Gerade für Kinder diente dieser Fakt dann auch gern als Begründung, wenn  sie die Frage nach dem Einseifen verneinten.
 
„Gute zwei Jahre haben wir an dem Thema gearbeitet“, erinnert sich Wieland Zeppan, damals wie heute Geschäftsführer bei Kappus in Riesa. Dabei sei es natürlich einerseits um das Produkt gegangen. Andererseits sei vor allem die Technologie zur Herstellung etwas absolut Neues für damalige Verhältnisse gewesen. Dass daraus mal ein Patent werden könnte, „daran haben wir nicht vordergründig gedacht“, so Zeppan.
Die Schwimmseife auf den Markt zu bringen, erwies sich danach jedoch als ein sehr schwieriges Unterfangen. Denn die größeren Einkaufsketten setzten zu diesem Zeitpunkt auf andere Marken. Fest ins Sortiment habe es jedenfalls keiner der Kunden genommen, so Wieland Zeppan. „Schuld“ daran sei unter anderem ein Trend gewesen. „Die Leute duschen doch heute viel lieber, als dass sie baden“, sagt der Geschäftsführer. Flüssigseifen und -lotionen, Duschgels und Schaumbäder hätten es dadurch leicht  gehabt, sich auf dem Markt durchzusetzen.
 
Wieland Zeppan sagt dies mit einem gewissen Bedauern, denn weithin ist er als Verfechter der festen Seife  bekannt. Sie sei im Vergleich zur modernen Flüssigseife ergiebiger und auch Ressourcen schonender, so  sein Credo.
 
Im Umsatzgeschehen bei Kappus in Riesa spielt die Schwimmseife heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Zwischen null und zwei Prozent Anteil liege er, je nachdem, ob aus dem Ausland mal ein etwas größerer Posten bestellt wird. „Wir hatten uns damals natürlich mehr davon versprochen“, gibt Wieland Zeppan unumwunden zu. Aber es klingt nicht nach Verbitterung. Der Markt hat es halt anders „geregelt“. „Ein Schuss in den Ofen war das Ganze trotzdem nicht“, sagt der gelernte Chemiker. Neben den  zahlreichen Produkten, die in der langen Geschichte des Werkes hergestellt wurden, hat die Schwimmseife noch immer einen festen Platz. Und zwar in der Vitrine des Geschäftsführer-Büros. Und hin und wieder  nehme er das sternenförmige Seifenstückchen auch mit zu Ausstellungen oder Kundenpräsentationen, so Wieland Zeppan.
 
Derzeit gehören rund 130 verschiedene Seifen und 65 Flüssigprodukte zum Kappus-Sortiment in Riesa. Die rund 90 Mitarbeiter produzierten im vergangenen Jahr etwa 10 000 Tonnen feste Seife sowie 900 Tonnen Flüssigseife. Damit wurde im Jahr des 100-jährigen Bestehens der „Seife“ in der Elbestadt ein  Umsatz von 18,7 Millionen Euro verbucht. Die Hauptabnehmer sind Frankreich und weitere EU-Länder, und 60 Prozent der Erzeugnisse gehen in den Export.
 
Das Riesaer Seifenwerk gehört seit 1990 zur Kappus-Gruppe. Weitere Produktionsstandorte sind  Offenbach und Krefeld. Insgesamt sind in den drei Betrieben rund 350 Menschen beschäftigt. Gegründet wurde die Seifenfabrik allerdings schon 1910 „als erste eigene Produktionsstätte der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine (GEG)“, heißt es in der Firmenchronik. Zu DDR-Zeiten galt Riesa als größter Seifenproduzent im Land. Daran hat sich, das heutige Ostdeutschland betreffend, nichts geändert.
 
Dass es angesichts dieser Erfolgsstory bis 1998 dauerte, ehe es ein Patent für die Schwimmseife gab, kann man sich daher im Nachhinein nur schwer vorstellen.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 9. November 2011)

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