Der Präsident nimmt seinen Hut

Der Präsident nimmt seinen Hut
15 Jahre war Hans-Jürgen Haarig Chef beim SV Röderau-Bobersen. Jetzt überlässt er Jüngeren das Zepter im Verein.

Von Thomas Riemer
 
Einen Kuschellöwen als Ehrung der mdr-Sendereihe „Sachsen helfen Sachsen“ hat er schon im September 2010 bekommen. Den „Röderauer Bären“ bekam Hans-Jürgen Haarig im gleichen Jahr zum 110. Jubiläum des Bestehens des SV Röderau-Bobersen. Für sein Ehrenamt erhielt der Präsident des Vereins weitere Ehrungen. Darunter auch vor fast genau drei Jahren einen Ehrenamtspreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
In gut einer Woche steht der nächste Höhepunkt im Sportlerleben des ..-Jährigen an – es wird jedoch ein Abschied sein. Hans-Jürgen Haarig gibt nach mehr als 15 Jahren als Präsident des Sportvereins sein Amt ab. „Es ist der Tag gekommen, an dem ich einfach Tschüss sagen muss“, sagt er dazu lediglich.
Dass Hans-Jürgen Haarig überhaupt SV-Präsident wurde, war eher Zufall und aus der Not geboren. „Eigentlich war ich nur als stellvertretender Bürgermeister zur Gründung hingegangen“, erinnert er sich. Doch dann fand sich dort keiner, der den Verein führen wollte – und Haarig sagte zu.

Mitgliederzahl verfünffacht

Dass das Wohl und Wehe des Vereins jahrelang mit seinem Namen verbunden war, darüber verliert er keine großen Worte. 78 Mitglieder zählte der SV Röderau-Bobersen, als Hans-Jürgen Haarig 1997 Chef wurde. Heute sind es weit 426 eingetragene Sportbegeisterte, die unter der Vereinsflagge aktiv sind. Inzwischen sind es nicht mehr nur die Fußballer, sondern seit gehört 2004 eine Breitensportabteilung zum Verein, die mittlerweile mehr Mitglieder hat als die der Fußballer. Auch das war die Idee Hans-Jürgen Haarigs, der damals erkannte, „dass sich der Verein allein mit Fußball nicht tragen kann“. Die Folgen waren erfreulich. Immer mehr Kinder und Erwachsene fanden zum SV, oft über die Werbung des Präsidenten in Kindergärten und bei besonderen Anlässen.
„Was aus Röderau geworden ist, das ist rundherum einmalig“, spielt der Präsident außerdem auf die exzellenten Bedingungen mit den Sportplätzen sowie der Sport- und Mehrzweckhalle an. Die befanden seinerzeit auch diverse Fußballverbände für so toll, dass in Röderau ein Nachwuchsleistungsstützpunkt ansässig wurde. Der konnte nach Haarigs Auffassung auch nur in Röderau sein. Doch – warum auch immer – blieb er nur für relativ kurze Zeit im Dorf und wurde später nach Gröditz verlagert.

Chef hinter den Kulissen

Dass die Sportler ganz in ruhe ihrem Hobby frönen konnten – dafür sorgte der Präsident vor allem hinter den Kulissen. Er erledigte sämtliche kaufmännische Aufgaben einschließlich der Beantragung von Fördermitteln, Ausschreibungen für die Instandhaltung der Sportanlagen/Sportlerheime und Koordination. Sein Verdienst liegt zudem in der Kontaktpflege zwischen Verein, Schule, Kindertageseinrichtungen und Elternhaus. Und als Präsident übernahm Hans-Jürgen Haarig auch die Planung, Vorbereitung und Überwachung zahlreicher Veranstaltungen vom Fasching über Sportfeste bis zu Kindertagen.

Nachfolger nicht in Sicht

„Meinen Abgang habe ich seit Wochen vorbereitet“, sagt Hans-Jürgen Haarig. Das neue Jahr sei durchgeplant und gesichert. Und er werde auch noch eine Weile als Abteilungsleiter für die Gruppen im Breitensport weiter machen – hat sich dazu überreden lassen trotz seines angekratzten Gesundheitszustandes. Vorstandsmitglied beim SV Röderau-Bobersen will er aber nicht mehr sein. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass derzeit ein Nachfolger im Präsidentenamt nicht in Sicht ist. Doch auch hier hat der scheidende Chef „vorgebaut“. Vor drei Jahren habe er vorsorglich den Schatzmeister des Vereins als gleichberechtigten Vertreter des Vereins in der Öffentlichkeit einbezogen. Solange seine Nachfolge nicht geklärt ist, könne der Kassenchef jetzt als kommissarischer Vorsitzender zumindest die nötigen Unterschriften leisten, so Haarig.
Auf fast zwei Seiten hat der Vorstand des SV Röderau-Bobersen im Zeithainer Amtsblatt den Präsidenten zum bevorstehenden Abschied gewürdigt. „Es vergeht keine Woche, in der er nicht mindestens vier Mal auf den Sportkomplexen anzutreffen ist“, heißt es da. Und: „Keinen Geburtstag von Sponsoren, Vorstandsmitgliedern und Übungsleitern hat Herr Haarig je vergessen. Er gratulierte jedem persönlich.“
Doch nicht nur sportlich, sondern auch im Gemeindeleben ist er eine Institution. 1990 wurde er zum Ortsvorsteher in Bobersen gewählt. Ab 1996 fungierte Haarig als ehrenamtlicher stellvertretender Bürgermeister in Röderau-Bobersen, amtierte kurzzeitig sogar als Gemeindeoberhaupt.

Lustige Vogelnamen

Bis 2009 gehörte er dem Zeithainer Gemeinderat an, auch hier als Stellvertreter von Bürgermeister Hannes Berger. Zum Abschied gab’s damals als Geschenk ein mannshohes Vogelhaus. Hans-Jürgen Haarig war auch für diesen Spaß zu haben und kündigte an, den Vögeln in seinem Garten künftig Namen aus der Gemeindepolitik zu verleihen. „Diesen Spaß haben wir bis heute beibehalten“, sagt er lachend. Gut möglich also, dass er die Vögel an seinem Haus in Bobersen auch mal mit „Hannes“ oder „Horst“ ruft.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 5. Januar 2012)

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