Gymnasium kriegt eine Chefin

Heisenberggymnasium bekommt eine Chefin

Sylvia Mebus wird ab dem neuen Schuljahr die Nachfolgerin von Klaus Liebtrau. Sie ist Professorin und Expertin für Fremdsprachen und Geschichte.
 Von Thomas Riemer
Das Riesaer Werner-Heisenberg-Gymnasium bekommt einen neuen Leiter – und das wird eine Chefin sein. „Wir können informieren, dass ab 1. August 2011 Frau Prof. Dr. Sylvia Mebus eine Beauftragung zur Leitung erhält“, so Katrin Reis, Pressereferentin der Sächsischen Bildungsagentur in Dresden auf Anfrage der SZ.
Damit ist nach einer Übergangszeit von rund einem Jahr jetzt eine klare Lösung für die renommierte Bildungseinrichtung in Sicht. So lange amtierte zwar mit Klaus Liebtrau ein Schulleiter im Heisenberggymnasium. Doch Liebtrau ist gleichzeitig seit vielen Jahren Schulleiter im Werner-von-Siemens-Gymnasium in Großenhain und arbeitete sozusagen auf Leihbasis in Doppelfunktion. Diese nicht recht glückliche Situation soll jetzt beendet werden. Allerdings
Mit Sylvia Mebus erwartet Lehrer und Schüler eine absolute Bildungs-Fachkraft (siehe Kasten). „Das Werner-Heisenberg-Gymnasium ist eine traditionsreiche Bildungseinrichtung mit einem sehr engagierten Lehrerkollegium sowie einer aufgeschlossenen Schülerschaft und Elternvertretung“, sagt die 57-Jährige. „Die Leitung dieser Schule stellt für mich eine große Herausforderung dar, auf die ich mich sehr gern einlassen werde.“ Entscheidend sei für sie die Sicherung der Unterrichtsqualität, sagt Sylvia Mebus. „Unterricht ist das Hauptfeld der pädagogischen Arbeit zur Erreichung der allgemeinen Hochschulreife.“ Seit 1999 ist Mebus Privatdozentin an der TU Dresden für das Fachgebiet Fachdidaktik Geschichte. Im Verlauf ihrer Karriere half sie unter anderem in Armenien, Georgien und Aserbeidschan jungen Leuten bei der Vorbereitung auf ein Auslandsstudium und sammelte dabei sicherlich Erfahrungen, die ihr jetzt in Riesa von Nutzen sein werden. Im Heisenberggymnasium wolle sie dabei alle Ausbildungsbereiche berühren. Die Profilierung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Spezialausbildung für rund ein Drittel der Schüler soll nach ihrem Dafürhalten mit einer engen Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Einrichtungen der Region einher gehen. Ebenso strebe sie einen großen Gestaltungsspielraum für die gesellschaftswissenschaftlichen und musischen Bereiche an. „Sie alle zusammen machen allgemeine Bildung aus“, so das Credo der Professorin. Und sie fügt hinzu: „Bildung ist nicht so sehr das, was man hat, sondern was man aus sich macht.“ Das bedeute für sie die Gestaltung einer Lernumgebung, „die selbstständiges Lernen der Schüler fördert“. Also Hilfe zur Selbstentfaltung, Stärkung der Eigenverantwortung der Schüler sowie Stärkung der Teamfähigkeit.
Noch ist Sylvia Mebus den meisten Lehrern, Schülern und Eltern weitgehend unbekannt. Lediglich Elternvertretern und Schulkonferenz hat sie sich bereits vorgestellt. Dort seien ihre Vorstellungen sehr gut angekommen, heißt es. Auch Riesas Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer kennt Sylvia Mebus bislang nur vom Namen. Und Mebus selbst besteht darauf, dass sie offiziell ja auch noch gar nicht Schulleiterin ist. „Ich halte noch keine Berufungsurkunde in der Hand“, übermittelte sie aus dem fernen Asien, wo sie derzeit Urlaub macht. Angesichts der Mitteilung aus der Sächsischen Bildungsagentur scheint die offizielle Berufung jedoch nur noch eine Formsache zu sein.
 

Prof. Dr. Sylvia Mebus

-       Sylvia Mebus ist 57 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder (37 und 31 Jahre alt)
-       Ausbildung: Berufsausbildung mit Abitur, Lehramtsstudium an der PH Dresden (Russisch/Geschichte)
-       1984 bis 1987: wissenschaftliche Aspirantur an der damaligen Akademie dr pädagogischen Wissenschaften der DDR, Dissertation über ein regionalhistorisches Thema: reformpädagogische Bestrebungen im Sächsischen Lehrerverein in der Weimarer Republik
-       Bis 1991 wissenschaftliche Assistentin an der PH Dresden
-       1992-2007 Lehrerbildnerin am Staatlichen Seminar für das Höhere Lehramt an Gymnasien Dresden und Unterricht am Gymnasium Dreikönigschule Dresden
-       1998 Habilitation an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (regionalhistorische Bildungsgeschichte)
-       2004-2007 Fachleiterin für Gesellschaftswissenschaften am Gymnasium Dreikönigschule Dresden
-       2007-2011 Auslandsdienstlehrkraft: unter anderem Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache in Georgien, Fachschaftsberaterin für Deutsch als Fremdsprache mit Länderkoordinierung in Armenien, Aufbau der Zusammenarbeit mit den armenischen Schulleitern jener Schulen, an denen das Programm "Deutsches Sprachdiplom" durchgeführt wird, permanente Koordinierung mit dem armenischen Bildungsministerium und der Deutschen Botschaft.
-       seit 1999 Privatdozentin an der TU Dresden für das Fachgebiet Fachdidaktik Geschichte
-       Dezember 2010 Ernennung zur außerplanmäßigen Professorin an der TU Dresden
-       Mitautorin von Geschichtslehrwerken und zahlreichen Unterrichtsmaterialien für den Geschichtsunterricht

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 25. Juli 2011)

 

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