Maria Helfer - der Name ist Programm

Der Familienname ist Programm

Maria Helfer ist Trainerin der Riesaer Cheerleader und hat vorige Woche von Sachsens Kultusminister Wöller den „Joker fürs Ehrenamt“ erhalten.

Von Thomas Riemer
Etwas schüchtern hat sie vor einer Woche auf der Bühne gestanden, sagen Augenzeugen. Verständlich. Denn es passiert nicht alle Tage, dass man einem Minister aus Dankbarkeit die Hand drückt. Sachsens Kultusminister Roland Wöller war es in diesem Falle, der die Riesaerin Maria Helfer mit dem „Joker im Ehrenamt“ ehrte. Für ihre Arbeit mit jungen Menschen im Riesaer Cheerleaderverein e.V. Dort ist die 26-Jährige Trainerin – und das mit Leib und Seele.
Maria Helfer – der Name ist Programm. Auch wenn sie selbst auf dem Teppich bleibt. „Ich hab mit Presse nicht so den Draht, bin eher der Macher im Hintergrund“, sagt sie kurz und knapp, als sie mit dem Porträtwunsch der SZ konfrontiert wird.  Seit 2002 steht sie buchstäblich Tag für Tag in der Sporthalle, um kleinen Cheerleadern des Riesaer Vereins das Einmaleins dieses anspruchsvollen Sports beizubringen. Selbst aktiv war sie zwar nur zwei Jahre – doch Erfahrungen sammelte sie dabei schon jede Menge. „Ich bin eins der Urgesteine. Wir haben ja damals als Arbeitsgemeinschaft in der Schule angefangen“, erinnert sie sich.  Dass sie in ihrem „Job“ als Trainerin voll aufgeht, merkt der Zuhörer schon nach wenigen Augenblicken. „Ich mache das gern, aber letztlich zaubern die Kinder ja dann auf der Matte. Ein Danke der Kids ist dann Lob genug“, sagt sie.
Sport ist bei ihr Leidenschaft. Dass es ausgerechnet Cheerleading wurde, war eher Zufall. „Sport zu mögen heißt nicht, guter Sportler zu sein. Ich hab sehr gern Volleyball gespielt, und mein täglicher Schulweg aus Röderau-Bobersen dazu waren mir Sport genug“, erzählt Maria Helfer. Auf was sie sich mit dem Cheerleading einlasse, habe sie sich damals nicht überlegt. „Ich fand das einfach mal was anderes.“ Sie blieb dabei – und schon im zarten Alter von 17 Jahren wurde sie tatsächlich Trainerin. Eine gute, wie sich herausstellte. „Maria besitzt eine hohe sozial-kommunikative Kompetenz“, beschreibt Jürgen Stütz, ebenfalls Betreuer bei den Riesaer Cheerleadern, seine Trainerkollegin. Sie habe stets ein freundliches und sicheres Auftreten, rege die Sportler an, sich gegenseitig zu helfen. „Sie ist eben Betreuer, Berater, Förderer und Freund in einem“, so Jürgen Stütz. Sportliche Erfolge mit ihren Schützlingen sind für Maria Helfer dabei natürlich wichtig, aber längst nicht alles. „Highlights gab es über die Jahre sehr viele – die Reisen ins Ausland, die Meistertitel“, sagt sie. Aber wenn im Training Neues probiert werde und die Mädels und Jungs nach langem Training etwas schaffen, „dann wird jedes Training zum Highlight“. Ebenso die gemeinsamen Gespräche und Teamabende, betont sie ausdrücklich. Die meisten ihrer heutigen Schützlinge kennt sie, seit sie gerade mal sechs Jahre alt waren. Inzwischen sind sie 16 – und gemeinsam eine Leidenschaft zu teilen und „Verrückte“ zu finden, die ihre Ideen umsetzen, sei etwas ganz Tolles.
Und Ideen sind beim Cheerleading eigentlich ohne Ende gefragt. Neue Übungen und Choreographien stehen ständig auf der Tagesordnung von Trainern wie Sportlern. Drei Mal pro Woche steht Maria Helfer als Übungsleiterin auf bzw. neben der Matte. Doch ungezählt sind die Stunden, in denen sie zu Hause an den Übungen feilt. Und sei es beim Musikhören. Dann müsse sie fast immer überlegen, ob der jeweilige Titel nicht auch als Begleitmusik für ihre Ideen dienen könnte. „Cheerleading ist Tanzen, Turnen, Springen, Stunten. Ein vielfältiger Sport also, der mich bis heute fasziniert“, schwärmt die 26-Jährige. Und deshalb setzt sie immer wieder neue Ideen und Eingebungen um, damit die Kids am Ende Spaß und Freude haben. „Cheerleading ist für mich nicht nur Sport, sondern Adrenalin pur, wenn ich neben der Matte stehe und mit meinen Sportlern mitfiebere“, sagt Maria Helfer. Dass sie nicht nur im sportlichen Bereich Hochkarätiges leistet, bescheinigt ihr Jürgen Stütz. „Sie zeigt immer Sensibilität im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, hat ein offenes Ohr für private Probleme der Sportler und pflegt auch die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus der Aktiven“, sagt er. Pädagogin halt.
Über ihr eigenes Privatleben redet Maria Helfer nicht viel. Und wenn doch, ist sie wieder ganz schnell bei „ihrem“ Sport. Riesa ist ihre Geburtsstadt, hier ist sie zur Schule gegangen. Und über den Cheerleaderverein hat sie letztlich ihr privates Glück gefunden. Das ist allerdings eine nicht ganz alltägliche Geschichte. Denn „ihr“ Thomas war einmal ihr Chemielehrer auf dem Gymnasium. „Kennengelernt hab ich ihn im Unterricht“, gesteht Maria. Und der Sport habe die Beiden dann nach dem Abi zusammengebracht, „und das bis heute“. Vor drei Jahren kam dann Söhnchen Fabian zur Welt, der Sonnenschein in Marias Leben. „Ich war 23, als Fabian kam. Das war freitags, und am Dienstag danach stand ich schon wieder zum Training in der Halle“, sagt Maria und lacht. Selbst während der Schwangerschaft konnte sie nicht gänzlich vom Cheerleading lassen. „Ich habe mit dickem Bauch das Training gemacht, brauchte halt nur ‚nen Stuhl zum Sitzen“, witzelt sie.
Beruflich ist Maria Helfer dagegen noch längst nicht am Ziel ihrer Wünsche – genau genommen steht sie sogar am Anfang einer Karriere mit vielen Fragezeichen. „Ich bin Mutter, Tochter, Schwester, bald Ehefrau und fertige Studentin, die auf einen Referendariatsplatz wartet“, fasst sie die Situation in wenigen Worten zusammen. Langes Lamentieren ist nicht ihr Ding. Noch bis vor ein paar Monaten pendelte sie zwischen Riesa und ihrem Studienort Leipzig, hat ihre letzten Prüfungen mit Bravour absolviert. „Da gab’s nicht viel zwischen Familie, Uni und Verein“, gesteht die junge Frau. Und da es bislang eben mit einer Lehrerstelle noch nicht geklappt hat, „muss ich mir erstmal überlegen, was ich mit meiner neu gewonnenen Zeit anstelle“. Dass sie wie derzeit mehr oder weniger auf den eigenen Haushalt beschränkt bleibt, ist allerdings unvorstellbar, auch wenn „ich sehr gern backe“.
So viel scheint sicher: Den Cheerleadern wird sie wohl treu bleiben. „Garant“ dafür ist nicht zuletzt ihr künftiger Mann, der der Vereinschef ist. In ein paar Tagen wird geheiratet – und damit wird Maria zumindest den Namens-Teil ihres „Helfer-Syndroms“ ablegen.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 2. September 2011)

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