Kirchstraßen-Anwohner sitzen im Dunklen
Die Grundstücksbesitzer sollen für neue Straßenlampen bezahlen. Das stößt auf Unmut.
 
Von Thomas Riemer
 
Rolf Müller ist stinksauer. Zwar wohnt er am Ende der Kirchstraße in Gröba, wo noch ein paar Straßenlampen leuchten. Doch im vorderen Bereich bis zur Kreuzung Steinstraße ist es seit geraumer Zeit dunkel. Der Grund: Die bis dato dort stehenden Betonmasten – die noch aus DDR-Zeiten stammten – waren im Lauf der Zeit bröckelig geworden. Die Hochwasser der letzten zehn Jahre gaben dann sozusagen „den Rest“. „Das Rathaus musste zur Maßnahme des Abrisses greifen, das ist soweit schon in Ordnung“, sagt Rolf Müller. Immerhin gehört die Beleuchtungsanlage vor Ort wahrscheinlich mit zu den ältesten in Riesa. Der Zustand der alten Masten deutete zumindest auf eine Errichtung in den 1960er Jahren hin. Zuletzt musste man befürchten, dass herabfallende Betonstückchen Fußgänger oder auch Fahrzeuge treffen könnten.
Doch seit dem Abbau der alten Anlagen stehen die Anwohner zwischen Strehlaer und Steinstraße im Dunkeln. Vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit, wo normalerweise die Lichter spätestens 17 Uhr angehen.
Nicht so im benannten Bereich. Denn: Das Riesaer Rathaus will von den betroffenen Grundstücksbesitzern die Zustimmung, dass diese anteilige Straßenbaubeiträge zahlen, um die Beleuchtung zu erneuern. Inklusive Masten, Lampen und Verkabelung steht nach Verwaltungsangaben eine Summe von rund 46 000 Euro im Raum, von denen die Anwohner etwa 36000 Euro erbringen müssten. Die allerdings sprachen sich unter diesen Umständen bereits Mitte des Jahres gegen die Baumaßnahmen aus.
Leidtragende im doppelten Sinne seien nunmehr jene Bewohner, die „ganz hinten“, also hinter der Kreuzung Steinstraße wohnen. Dort wurden zumindest einige Lampen bereits vor mehreren Jahren ausgetauscht, als es noch keine Regelungen zur Beteiligung der Bürger an den Kosten gab.
 
Aus Sicht der Stadt wird sich an diesem Zustand vorerst nichts verändern. „Wir sind verpflichtet, die Anwohner zu beteiligen“, sagt Rathaussprecher Uwe Päsler. Da die jedoch die Baumaßnahmen unter den Umständen der eigenen finanziellen Beteiligung mehrheitlich abgelehnt hatten, werde vorerst keine neue Beleuchtung gebaut. Allerdings sei eine nochmalige Befragung der Bürger geplant, „noch in diesem Jahr“, so Päsler. Bei der Ausbaumaßnahme handele es sich um eine beitragsfähige Maßnahme, so die Argumentation der Verwaltung. Und zwar gemäß des Kommunalabgabengesetzes und der städtischen Straßenbaubeitragssatzung. Wenn sich eine Mehrheit der betroffenen Grundstückseigentümer erneut gegen einen Eigenanteil ausspreche, könne also nicht gebaut werden.
 
Für Rolf Müller ist dies nicht nachvollziehbar. Ob die Stadt nicht auch eine Pflicht habe, für die Sicherheit ihrer Bürger zu sorgen, fragt er daher. Und er erinnert in diesem Zusammenhang auch, dass die Leute „auch Grundstückssteuern bezahlen“. Zudem wohnen vor allem ältere Menschen im verdunkelten Bereich, bei denen „gewisse“ Ängste vorhanden seien. Und nicht zuletzt befinde sich auch die Kirche Gröba dort, wo gerade während der bevorstehenden Weihnachtszeit mehrere Konzerte stattfinden. „Die Besucher müssen sich dann einen Weg im Finsteren suchen – da hilft auch die hell erleuchtete Schlossbrücke nicht“, wagt Rolf Müller einen kleinen Seitenhieb.
 
Er selbst hat inzwischen bereits zur Selbsthilfe gegriffen – und zündet Fackeln an, um den rechten Weg zu finden. Vielleicht sollte das Rathaus ja an die restlichen Grundstücksbesitzer ebenfalls Fackeln austeilen, die diese dann an ihren Hauswänden anbringen, „so wie es im Mittelalter war“. 
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 17. November 2011)

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