Drachenboot-Freaks trotzen dem Regen

Drachenbootsportler trotzen Dauerregen

Mehr als 600 Aktive stiegen beim 17. Festival in die Boote. Zwischen den Rennen hielten sie sich meist auf originelle Weise bei Laune. Bei der Drachenbootparty wurden die Besten geehrt.

Von Thomas Riemer
Bloß gut, dass Drachenbootsportler Frühaufsteher sind. Denn hätten sie gewusst, welche Kapriolen der Wettergott ihnen am Sonnabend zum Riesaer Drachenbootfestival im Laufe des Tages anbieten würde – wer weiß, ob einige überhaupt zur Festmeile entlang der Riesaer Elbe gefunden hätten. So aber kamen fast alle, die sich auch angemeldet hatten. Von den 40 Teams musste nur ein einziges absagen, weil sich kurzfristig keine komplette Besatzung auftreiben ließ. „Die meisten nehmen das schlechte Wetter total gelassen“, sagt Ralf Leuschner. Er ist 2. Vorsitzender des gastgebenden Riesaer Wassersportvereins und hält die Organisationsfäden in der Hand. Und während er den Medien bereitwillig Auskunft gibt, weicht sein Blick keinen Augenblick von der Rennstrecke, hat er das Ohr am Funkgerät, beantwortet Fragen von Teilnehmern und Besuchern.
Trotz Dauerregens sind mehr als 600 Paddler zum Drachenbootfestival des Jahrganges 2011 gekommen. Schon am Freitag hatten viele von ihnen ihre Stellplätze entsprechend der Auslosung aufgebaut. Allein deren Besichtigung ist normalerweise schon einen Besuch des Festes wert. Denn mit akribisch ausgeklügelter Logistik haben sich die Teams für den Wettkampftag komplett ausgerüstet. Kleine oder auch größere Zelte und Pavillons sind entstanden, überall surren Stromaggregate, riecht es nach Gegrilltem, klappern Flaschen. Hätten die Teilnehmer gewusst, dass es zunächst Nieselregen gibt und später „wie aus Kannen kippt“, vielleicht hätten sie dann sogar eine Terrassenheizung mitgebracht. Denn für einen Augusttag war es dann doch empfindlich kühl.
Auch das ein Grund für die Organisatoren, auf Tempo zu drücken. Erstmals hatten sie zur Qualifikation für die 39 Mannschaften am frühen Morgen ein Zeitfahren anberaumt, ehe es dann in die Wertungsläufe in den einzelnen Kategorien ging. Da sich die Mannschaften ziemlich genau an die ausgeklügelten Zeitpläne hielten, klappe alles wie am Schnürchen. Zudem mussten die Wettkämpfe nur spärlich wegen des Schiffsverkehrs auf der Elbe – der natürlich absoluten Vorrang hat – unterbrochen werden. Auch Einsprüche gegen die Wertung einzelner Läufe hielten sich im Vergleich zu manch anderen Jahren in Grenzen. Und so konnte Jury-Mitglied Mario Schäfer im Ziel-Zelt in regelmäßigen Abständen verkünden: „Wir liegen perfekt im Zeitplan.“
Auf der 200 Meter langen Strecke – natürlich elbaufwärts – paddelten derweil die Teams, was das Zeug hielt. In Kostüme gekleidet, mehr oder weniger stimmungsvoll, mit geballter Kraft. Angetrieben von meist ebenso ideenvoll wie attraktiv wirkenden Trommlerinnen. Wobei in diesem Jahr die Steuerleute angesichts von Wind und Regen mindestens genau so viel Verantwortung hatten, um die Boote auf Kurs zu halten.
Draußen, am rettenden Ufer, wurde dagegen auf gute Laune gesetzt. So bei den „Sauberdrachen“ aus Hamburg, die traditionell den weitesten Anfahrtsweg nach Riesa auf sich genommen hatten. Auch die jahrelangen Freunde des Etzdorfer Nestfestteams waren wieder dabei. Sie sorgen seit Jahren mit ihren Pausenauftritten für sehr viel Gaudi und hatten auch diesmal – sozusagen zur Erwärmung und als Schlechtwetter-Vertreiber – sogar eine eigene kleine Bühne aufgebaut, um die Stimmung mit Parodie und Charme anzuheizen. Die hielt zum Glück über den gesamten Wettkampf an, auch wenn sich die grüne Wiese entlang der Festmeile nach und nach zur Schlammpiste verwandelt hatte. Das wiederum ließ die Zuschauergunst ein wenig schwinden. Trotzdem konnten die Riesaer Stadtwerke mit ihrer „kleineren“ Variante der „Volltreffer-Olympiade“ ebenso über zahlreiche Teilnehmer freuen wie zum Beispiel der Verein für Knochenmarkspenden Sachsen e.V. Letzterer bot nicht zum ersten Mal Informationen zu seiner Arbeit an. Und dies hat sich in der Vergangenheit schon zwei Mal ausgezahlt, als just beim Drachenbootfest zwei spätere Lebensretter ausgemacht wurden, so Ralf Leuschner.
Traditionell ging das Rennen am Abend weiter – bei der Drachenbootparty im großen Festzelt. Proppevoll war es dort wie immer – und natürlich überaus lustig. In den Rahmen passte da natürlich die Ehrung des lustigsten Teams, das wieder einmal von den Etzdorfern gestellt wurde. Allerdings standen ihnen die „Boxenluder“ sowie die „Gummibande“ kaum nach. Bei der Wertung zur „Besten Trommlerin“ hatten die Frontfrauen der „Blue Eagles“, der „BSG Sonnenschein“ sowie der „Gummibande“ die Nase vorn.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 29. August 20)

 

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