Flughafen in Göhlis boomt weiter

Ein neuer Hangar in Dresden hat nach Darstellung des Betreibers keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb in Riesa. Im Gegenteil.

 

Von Thomas Riemer

 

Die Nachricht machte zu Wochenbeginn unter den sächsischen Flugplatzbetreibern die Runde: Der Flughafen Dresden öffnet am Freitag einen neuen Hangar für Kleinflugzeuge. Seit Juni seien mehr als sechs Millionen Euro in neue Stell- und Wartungsflächen investiert worden, sagte ein Flughafensprecher. Die neue Halle verfüge über einen Drehteller, der das Rangieren erleichtern soll. Ein bis zwei Personen können Flugzeuge in Handarbeit verschieben. Insgesamt 14 Maschinen finden in der Halle Platz.

 

In Riesa-Göhlis wird die Nachricht gelassen aufgenommen. Eigentümer und Betreiber des Verkehrslandesplatzes ist seit 2006 die ESAM, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Riesa. „Von Angst habe ich bislang noch nichts gespürt“, sagt Sprecher Daniel Kühne in Anspielung auf eine mögliche übermächtige Konkurrenz durch die bekannt gewordenen Pläne aus der Landeshauptstadt. Und offenbar wäre irgendeine Furcht auch unbegründet. „Unsere Hangars sind voll belegt“, so Kühne. Über vier Stück verfügt der Landeplatz am Riesaer Stadtrand, insgesamt gibt es um die 50 Stellplätze für Kleinflugzeuge in den Hangars sowie auf dem Freigelände. Die sind begehrt, sagt der Sprecher. „Wir sind natürlich froh über jeden, der bei uns bleibt“, so Kühne er. Der Bedarf sei letztlich momentan aber so groß, dass es sogar eine Warteliste gebe. Ob einzelne Kunden durch die neue Konstellation nach Dresden ausweichen, könne man derzeit überhaupt noch nicht einschätzen. „Sicher ist dieser oder jener Wechsel dorthin möglich. Zum Beispiel, wenn der Flugzeugführer sowieso aus Dresden kommt“, so Daniel Kühne. Und so ein Schritt wäre dann natürlich aus Sicht der Betreiber auch nachvollziehbar. Aber an „Nachschub“ würde es in diesem Falle nicht fehlen. „Wir freuen uns über jeden, der Interesse an unserem Verkehrslandeplatz hat“, sagt der Sprecher.

 

Aktuelle Zahlen des Flugplatzes Göhlis sprechen für dessen Anziehungskraft. Es „brummt“ im wahrsten Sinne des Wortes. Mit mehr als 23000 Flugbewegungen verzeichnet das Areal eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von rund 1500. Neben Kleinflugzeugen von Geschäfts- und Privatpersonen starten und landen hier auch Hubschrauber, Ultraleichtflugzeuge sowie in geringer Zahl Ballons. Mit einer Länge von 1400 Metern bietet die Start- und Landebahn gute Voraussetzungen für die Nutzer. Und auch das Ambiente zwischen Empfang und Betreuung hat sich längst zwischen den Piloten herumgesprochen.

 

Im Hinblick auf den Verkehr der Kleinflugzeuge macht Riesa-Göhlis damit dem „großen Bruder“ in Dresden sogar Konkurrenz. Denn der dortige Flughafen bietet bislang Platz für rund 30 Privat- und Geschäftsflieger. Zwar machen Kleinflugzeuge in der Landeshauptstadt inzwischen etwa ein Drittel aller Flugbewegungen aus. Doch im ersten Halbjahr stehen dadurch trotzdem „nur“ geschätzte 5000 Flugbewegungen zu Buche.

 Die Nachbarstadt Großenhain übrigens blickt auf die Dresdner Zahlen mit Wehmut. Denn einen Großteil der Klein-Fliegerei in Dresden bewältigt eine Flugschule, die bis 2003 ihren Sitz in Großenhain hatte. Von dort hatten auch andere Piloten nach und nach Abstand genommen, nachdem es Querelen um die Betreibung des früheren Militärflughafens gab. Nach einem Betreiberwechsel haben sich inzwischen die Wogen allerdings wieder ein wenig geglättet.

 

(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 8. Dezember 2011)

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