Für ein Vierteljahr täglich in die Klinik
In der Tagesklinik für Kinder und Jugendliche in Riesa werden zehn junge Patienten mit Entwicklungsstörungen behandelt. Beim Tag der offenen Tür stellte sich die Einrichtung diesmal insbesondere interessierten Lehrern vor.
 
Von Thomas Riemer
Der Tag beginnt gegen 7.30 Uhr – mit einem gemeinsamen Frühstück. Dann geht es für die Kinder und Jugendlichen zu einer gemeinsamen Morgenrunde. Dabei wird erzählt, wie der vorhergehende Abend in den Elternhäusern verlaufen ist und was der neue Tag mit sich bringt.
Was sich ein bisschen anhört wie Ferienlager, ist in der Riesaer Tagesklinik für Kinder und Jugendliche am Elbweg von Grund auf eine ernste Sache. Denn sie sind Patienten, die wegen unterschiedlichsten Ursachen Probleme im „normalen“ Alltag haben. Ein Vierteljahr kommen sie deshalb täglich nach Riesa, damit Ärzte, Betreuer, Lehrer und natürlich die Eltern lernen, damit umzugehen.
In der Klinik gibt es dafür einen exakt ausgeklügelten Tagesablauf. Der sieht nach den „Morgenritualen“ am Vormittag Unterrichtsstunden sowie Einzeltherapien für. Die Lehrer sind von der Sächsischen Bildungsagentur ausgewählt, um das medizinische Team vor Ort zu unterstützen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen geht es für die jungen Patienten mehr oder weniger ohne Pause weiter. Für die Größeren stehen Hausaufgaben auf dem Plan, die Kleineren dürfen ruhen. „Wir haben Patienten von der 1. Klasse bis zum 16. Lebensjahr“, begründet Sozialpädagogin Kerstin Schneider diese vorübergehende Teilung. In Ausnahmefällen werden hin und wieder auch Vorschulkinder aufgenommen. Nach Gruppentherapie und Vesper steht für alle dann noch einer der wichtigsten Punkte zum Tagesabschluss auf dem Programm – die Abendrunde. Hier werden Probleme rückblickend besprochen, geht es aber auch darum, wie die Erfahrungen des Tages am Abend in den Elternhäusern verarbeitet und umgesetzt werden.
Beim jüngsten Tag der offenen Tür wollte das Team der Tagesklinik deshalb gleich zwei Zielgruppen ganz besonders ansprechen. Einerseits natürlich die Elternschaft, obwohl es dort regelmäßige kontakte gibt. „Die Eltern kommen aller 14 Tage zur Eltern-Kind-Gruppe“, so Kerstin Schneider. Das gehöre zum Standard der Behandlung. Andererseits hatten die Klinik-Beschäftigten interessierte Lehrer aus den Landkreisen Meißen und Nordsachsen, dem unmittelbaren Einzugsgebiet also, eingeladen. Und das Interesse war groß. „Zu Gast waren rund 30 Lehrer aus Grund-, Mittel- und Förderschulen sowie Gymnasien“, so Sozialpädagogin Schneider. Dank der spontanen Hilfe von Riesas Amtsgerichtsdirektor Herbert Zapf konnte die illustre Runde in einem Raum im benachbarten Gerichtsgebäude ausgiebig über alle Themen reden. Die Oberärztin Dr. Gabriele Wiesner stellte die Tagesklinik vor. Psychologe Herr Weiler erläuterte an einem Fallbeispiel die therapeutischen Maßnahmen für die Kinder und Jugendlichen. Und Kerstin Schneider erklärte den Anwesenden, wie Schule in der Klinik funktioniert. Letzteres war besonders wichtig, sagt sie. „Wir wollten von den Lehrern wissen, wie sie mit den Schülern nach dem Klinikaufenthalt klarkommen“, sagt die Sozialpädagogin. Und da gebe es vor allem eine Erfahrung: Die Behandlung in der Klinik sei vor allem dann nachhaltig und gut in jenen Fällen, wo auch danach Eltern und Jugendämter harmonieren.
Die Tagesklinik der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH in Riesa ist eine Außenstelle der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters und bietet 10 tagesklinische Plätze zur Behandlung, Diagnostik und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Problemen. Dazu gehören beispielsweise Entwicklungsstörungen und Reifungskrisen, Schulschwierigkeiten, Angststörungen, Depressionen, Verhaltensschwierigkeiten, Hyperaktivität, Psychosomatische Störungen wie Einnässen, Tics, Essstörungen, Kopf- und Bauchschmerzen nach organischer Diagnostik. Die tagesklinische Behandlung ermöglicht als Außenstelle eine wohnortnahe Betreuung der Patienten.
Die therapeutischen Angebote umfassen unter anderem Einzel- und Gruppentherapie, Ergotherapie, Entspannungsverfahren, therapeutisches Reiten, lebenspraktisches Training, die schulische Förderung im, Einzelunterricht und in der Kleingruppe, die Familientherapie, Elternberatung und Elterngruppe sowie die medikamentöse Unterstützung. Die Kinder und Jugendlichen kommen zwischen 7 und 17 Uhr zur Behandlung in die Einrichtung.
(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 4. Oktober 2011)

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