Gut Gostewitz steht unter Strom
Zwei Wochen Frost und die Querelen um die Änderungen der Solarförderung brachten zwar mächtig Unruhe. Jetzt haben die Betreiber aber wieder gute Aussichten.
 
Von Thomas Riemer
 
Diesen Winter werden Jan Giehrisch und seine Mitstreiter vom Gut
Gostewitz nicht so schnell vergessen. Inzwischen ist das Lachen in die
Gesichter zurückgekehrt. Doch Unruhe dank der großen Politik und
weitere unvorhersehbare Probleme haben viel Kraft und Energie und auch
so manches Provisorium gefordert.
 
In diesen Tagen hatte Jan Giehrisch mehrmals Besuch – endlich auch
angenehmen. „Die Solarfirma war da, die Stadtwerke ebenfalls. Die
Dachdecker sind fertig – zumindest auf jener Seite, auf der demnächst
eine Photovoltaik-Anlage aufgebaut werden soll“, erzählt Giehrisch. Am
kommenden Montag rücken die Experten an, werden die Anlage montieren,
damit sie noch bis zum 1. April auf dem Dach ist. In den letzten Wochen
stand dies mehrmals in Frage. Denn nach den Entscheidungen, die
Solarförderung einzuschränken, drohte alles zu platzen. „Den
ursprünglichen Termin 9. März hätten wir auf gar keinen Fall
geschafft“, resümiert Jan Giehrisch. Jahrelange Planungen wären umsonst
gewesen, wenn es dabei geblieben wäre. Zum Glück ruderte der Bund dann
doch noch ein wenig zurück. In Gostewitz sorgt dies für Erleichterung.
Und Jan Giehrisch ist besonders dankbar, dass zum Beispiel die Firma
Winter so ranklotzte, dass das Dach der Scheune pünktlich flott für die
Sonnenenergie-Anlage geworden ist. „Ohne ein intaktes Dorf und ohne
gute Nachbarn wäre es gar nicht möglich, alles zu schaffen.“
 
Zum Bürokratenzwist kam dann noch der unendlich kalte Februar mit
Temperaturen bis zu minus 20 Grad. „Genau in den zwei Wochen, als es so
kalt war, habe ich Einsatz beim Workshop im Riesaer Berufsschulzentrum
gehabt“, so Jan Giehrisch. Für das Gut Gostewitz bedeutete dies, dass
dort die Öfen nicht durchgängig geheizt wurden. So hatte der eisige
Frost freien Lauf. „Bis auf eine einzige waren alle Wasserleitungen
eingefroren“, so Giehrisch. Insgesamt seien sieben Wasserleitungen
teils erheblich beschädigt worden. Der Steinkünstler musste umschulen,
„ich bin quasi zum Klempner geworden“. Zumindest bis zum Sommer müssen
die Reparaturen jetzt halten, danach soll eine dauerhafte Lösung her.
 
Der Blick der Guts-Betreiber richtet sich jetzt auf die für dieses Jahr
geplanten Veranstaltungen. Bis dahin werden vor allem stromtechnisch
noch einige Arbeiten erledigt, um die jahrelangen Provisorien der
Versorgung abzulösen. Zu Pfingsten planen die Betreiber wieder ein
großes Spektakel beim nunmehr dritten Kunst- und Handwerkermarkt. „Da
wird es französisch“, verrät Jan Giehrisch. Entsprechende Kontakte,
unter anderem in Riesas französische Partnerstadt Villerupt, wurden und
werden weiter geknüpft. Von dort erwarten die Veranstalter Handwerker
und Künstler, die die einheimischen Angebote bereichern werden.
Natürlich werden die berühmten Düfte aus Frankreich nicht fehlen, ein
Chemnitzer Unternehmen wird dafür sorgen. Aus Essen wird ein
französisch-stämmiger Chansonnier erwartet. In den nächsten Wochen
werde es konkrete Absprachen mit dem Riesaer „Kulturwerk“ um deren Chef
Dirk Haubold geben, so Jan Giehrisch. Dann stehe auch das komplette
Pfingstprogramm auf der Tagesordnung.
 
(SZ Riesa, 14. März 2012)

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