Hoffnung für RIO-Gebiet

Hoffnung fürs Rio-Gebiet?
Es gibt Gespräche über die mögliche Ansiedlung eines potenziellen Investors. Der Zweckverband hat ein Angebot unterbreitet. Wird es angenommen?
 
Von Thomas Riemer
 
Kommt neue Bewegung in die Vermarktung des Rio-Industriegebietes? Seit Jahren wird das von Riesa, Oschatz und Stauchitz in einem gemeinsamen Zweckverband vermarktete Areal schlechthin als der Hoffnungsträger betrachtet, wenn es um die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und Zukunftsvisionen geht. Jetzt scheint sich ein Hoffnungsschimmer aufzutun. Ende 2011 gab es ernsthafte Gespräche mit einem möglichen größeren Investor,  bestätigt der Riesaer Stadtsprecher Uwe Päsler auf SZ-Anfrage. Der Zweckverband habe ein Angebot unterbreitet. Aktiv bei der Vermarktung seien neben den drei Kommunen auch die beteiligten Landkreise Meißen und Nordsachsen. Was sich dahinter verbirgt, dazu will keiner der Beteiligten Näheres sagen.
 
Rio ist der einzige Standort, der als reines Industriegebiet derzeit überhaupt für Großansiedlungen in Riesa in Frage kommt. Schon frühzeitig war damit klar, dass dort ohnehin keine klassischen Handwerke oder ähnliches angesiedelt werden, so Uwe Päsler. Dafür halte die Stadt andere Flächen bereit. Genannt seien dabei das Gewerbegebiet an der Rostocker Straße, aber auch das alte Gelände der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG). Ein Teil an der Rostocker Straße ist dabei als Sondergebiet für Kfz und Autohandel sowie Kfz-Dienstleistungsbetriebe ausgewiesen. „Ob damit die ,Riesaer Automeile‘ in diesem Gebiet sozusagen ,vollendet‘ werden kann, wird die Entwicklung zeigen“, glaubt der Stadtsprecher. Das BHG-Gelände an der Klötzerstraße wiederum sei kleineren Unternehmen vorbehalten.
 
Mit weiteren Angeboten an Gewerbeflächen im Stadtgebiet sieht es momentan eher rar aus. Im früheren Stahlwerksgelände beispielsweise seien schon seit Jahren keine Flächen mehr frei, so Uwe Päsler. Der Hafen werde von der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe selbst vermarktet – aber auch dort ist so gut wie alles belegt oder existieren ausgehandelte Verträge, „auch wenn man baulich noch nichts sieht“.
 
Nahe der Strehlaer Straße gibt es nach Angaben des Sprechers „nur noch minimale Restflächen“. Strategisch mache es mitunter jedoch mehr Sinn, diese für bereits dort befindliche Unternehmen freizuhalten, um für eventuelle Erweiterungswünsche gerüstet zu sein. „Deshalb wird dort nicht bis auf den allerletzten Quadratmeter verkauft“, so Uwe Päsler.
 
Die Vermarktung des Rio-Gebietes besitzt aus Sicht des Riesaer Rathauses dagegen strategischen Charakter. Denkbar seien dort beispielsweise auch Erweiterungen von Riesaer Unternehmen. Päsler erinnert daran, dass Rio ja unter anderem deswegen entstand, weil es Wegzüge gab oder Firmen aus dem näheren Umland in Riesa nichts gefunden hatten. Bestes Beispiel: Das Stahlcenter Riesa baute vor wenigen Jahren aus diesem Grund neu in Glaubitz. Und UKM aus Meißen „wanderte“ in Richtung A 4. Beide Firmen standen vorher in Riesa „auf der Matte“, doch die Stadt hatte damals nichts Adäquates an Flächen zu bieten.
 
Uwe Päsler weist indirekt aber zurück, dass die Stadt tatenlos geblieben ist. Viele Riesaer Unternehmen hätten sich in den letzten Monaten erheblich erweitert und Jobs geschaffen. Markante Beispiele seien BuS-Elektronik und das Reifenwerk, aber auch viele Mittelständler. Letztlich hätten dadurch fast alle der rund 150 von der Arbonia-Schließung Betroffenen Arbeit in anderen Unternehmen gefunden. „Das alles ist mindestens genauso wichtig wie Neuansiedlungen und spricht dafür, dass die Stadt gute Rahmenbedingungen geschaffen hat“, sagt Uwe Päsler.
 
Trotzdem wäre natürlich eine größere Neuansiedlung im Rio-Gebiet Balsam. Deshalb will die Stadt gemeinsam mit ihren Partnern hier auch sehr feinfühlig vorgehen. „Es bleibt zu wünschen, dass in den nächsten Wochen und Monaten weitere Kontakte gepflegt werden können“, kommentiert Uwe Päsler dies sparsam.
 
(Sächsische Zeitung Riesa, 18. Februar 2012)

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