Honecker im alten Rittergut

Honecker im alten Rittergut
Der Stauchaer Verein will am 5. Mai mit Erinnerungen an die DDR den traditionellen Markttag aufwerten. Prominentester Gast ist Erich Honecker. Oder doch nicht?
 
Von Thomas Riemer
 
Der Generalsekretär des ZK der SED, Erich Honecker, wird gegen 9 Uhr über die Berliner Straße kommend in Staucha eintreffen, heißt es in einer Ankündigung für den 5. Mai dieses Jahres im kleinen Stauchitzer Ortsteil. Ob aus diesem anlass vorher Sprechchöre und Jubelgesänge geprobt sowie Wimpel und rote Fahnen im Dorf gespannt werden müssen, ist zwar nicht bekannt. Aber für die Gäste stehen auf jeden Fall Ostbier und rote Fasslimo ausreichend zur Verfügung.
Denn: Der Verein „Zum Rittergut Staucha“ lädt zu einem ganz besonderen Markttreiben ein. „Wir wollen unseren bekannten Markt in Staucha als Verein aufwerten und die Marktleiterin der Gemeindeverwaltung Stauchitz bei der Organisation unterstützen“, sagt Vereinsvorsitzender Udo Rohm.  Dabei sei die Idee entstanden, einen Ostmarkt mit Ausstellung zu gestalten. „Allein die Landwirte in der Region haben genügend Potential für unsere Ausstellung, aber auch Clubs, die DDR-Fahrzeuge besitzen, werden dabei sein“, weiß Udo Rohm.
Vor drei Jahren gründete sich der Verein „Zum Rittergut Staucha“. Der Grund war die damals anstehende Vorbereitung für das Jubiläumsfest zum 750-jährigen Bestehen des Dorfes. Der Heimatverein, der sich eigentlich darum kümmern sollte, war vorher aufgelöst worden. Viel Zeit blieb dem neuen Verein damals nicht – schon im Juli fand das Dorffest, die Generalprobe sozusagen für das Jubiläum 2010, statt. Dabei „konnten wir bei den Einwohnern von Staucha und den zahlreich erschienenen Gästen punkten“, heißt es im Rückblick des Vereins. Und die 750-Jahr-Feier selbst wurde dann ein noch größerer Erfolg.
Doch nicht nur zum Feiern ist der Verein „dicke da“. So gehören die Mitglieder quasi zu den Aktivisten, wenn es um die Landschaftspflege geht. Die Aufarbeitung und Erfassung historischer Unterlagen zum Rittergut Staucha, die Gestaltung von Rad- und Wanderwegen sowie die Betreuung der Heimatstube gehören gleichfalls zu den Zielen.  
Der Ossi-Markt soll jedoch ein ganz besonderes Highlight werden. Natürlich werde er weitgehend in der Markthalle stattfinden, sagt Udo Rohm. Doch werden zum Beispiel Geschäfte aus DDR-Zeiten, sofern es sie noch gibt, wieder aufleben. Es wird eine Konsum-Fleischerei geben, der Bäcker bietet Ossi-Brötchen an, der frühere Gaststättenchef wird mit seiner Schwester unter anderem den Stammtisch bedienen. Auf der Speisekarte stehen Soljanka, Kartoffelsuppe, Gallertschüssel und eben rote Fassbrause. Der Verein selbst wird seine Feldküche aufbauen. Eingeladen wird außerdem zu einem DDR-Fahrzeugtreffen. „Dafür konnten wir schon einige Clubs gewinnen“, so Udo Rohm. Wer allerdings hier noch helfen möchte, sei jederzeit willkommen.
„Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen“, sagt Udo Rohm. Die Programmpunkte stehen zeitlich fest, so dass die Werbe-Flyer gedruckt werden können. Sie sollen unter anderem zur Gewerbemesse in Staucha und in der Region großflächig verteilt werden.
Einer der wichtigsten Programmpunkte dabei ist ein Zusammentreffen mit ehemaligen Fußballern von Stahl Riesa sein. Thema des Forums: DDR Fußball- erfolgreiche Jahre mit der BSG Stahl Riesa. Als Gäste werden unter anderem Reinhard Hauptmann, Klaus Schlutt, Klaus Härtel, Thomas Börner, Frank Schreckenbach, Johann Ehl, Wolfram Meinert erwartet. Als Moderator konnte Sportreporter Gert Zimmermann gewonnen werden. Und auch dies sei noch verraten: Zum Abschluss des Festes gibt es eine "Good-Bye-Lenin-Party" mit DDR-Musik – zumindest quoten-erfüllend.
Ob dann der Genosse Honecker noch vor Ort ist, wurde bislang nicht übermittelt. Frank Richter, der den Ex-Parteichef verkörpert, dürfte jedenfalls noch da sein. Denn als Mitglied des Lommatzscher Carnevals Clubs, der den Stauchaer Verein maßgeblich bei der Festorganisation unterstützt, wird er sich sicherlich keinen der Höhepunkte entgehen lassen.

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