Kahlschlag am Klinikum
Für den Riesaer Klinik-Neubau sollen 140 Bäume gefällt werden. Grünen-Politiker kritisieren, dass dies still und leise passiert. Sind die Bäume noch zu retten?

Von Thomas Riemer
Andreas Vorrath ist überrascht - und eigentlich auch wieder nicht. Als der Sprecher des Kreisverbandes Meißen von Bündnis 90/Die Grünen gestern für die Landtagsfraktion die aktuelle Presseschau zusammenstellte, fiel ihm die SZ-Meldung ins Gesicht: „140 Bäume müssen für neue Klinik weichen“. Vorrath hat so etwas erwartet – und ärgert sich nun doch über die Vorgehensweise.
In knapp zwei Wochen, am 15. Februar, sollen die Rodungsarbeiten am Riesaer Gelände der Elblandkliniken beginnen, hatte deren Verwaltungsdirektor Marco Döring am Dienstag in einem kurzen Schreiben der Öffentlichkeit mitgeteilt. Klinik-Sprecherin Daniela Bollmann ergänzte gestern auf SZ-Nachfrage, dass die Palette der zu fällenden Bäume von Fichten über Buchen bis hin zu Sträuchern reiche – „also ein klassischer kleiner Mischwald“ – zwischen dem jetzigen Krankenhausgebäude und dem Mergendorfer Weg.

Ersatzpflanzung angeordnet

Damit beginnen die Vorbereitungen für den 68 Millionen Euro teuren Klinikneubau, den der Kreistag am 17. Dezember des vergangenen Jahres mehrheitlich abgesegnet hatte.
Andreas Vorrath steht vor vollendeten Tatsachen wegen der Baumfällung und ist sauer. „Da wird wohl nichts mehr zu machen sein, das Kind ist in den Brunnen gefallen“, sagt er. Und meint damit, dass quasi mit dem Mehrheitsbeschluss vom Dezember der Weg für die Kreisverwaltung wie die Elblandkliniken frei geworden ist, solche Entscheidungen ohne Nachfrage im Kreistag zu fällen. Der Baumschutz sei im Gesamtpaket „völlig nichtig betrachtet“ worden, so Vorrath.
Die Riesaer Stadtverwaltung hat von den Plänen schon länger gewusst. „Die Fällungen sind durch uns im November genehmigt worden“, so Stadtsprecher Uwe Päsler. Ein Dresdner Unternehmen, das die Landschaftsplanung auf dem Klinikgelände übertragen bekommen hat, dürfe demzufolge 113 Laubbäume entfernen. Der verbleibende „Rest“ sei nicht genehmigungspflichtig, so Päsler. Auf bebauten Grundstücken sei das möglich, allerdings auch nur zu bestimmten Zeiten. Bis zum 29. Februar müssen sämtliche Fällarbeiten abgeschlossen sein.
Walfriede Hartmann, Vorsitzende der Fraktion der Grünen und der Freien Wähler im Meißner Kreistag, will die Größenordnung der Rodungsarbeiten nicht weiter kommentieren. „So genau kenne ich das Gelände dort nicht“, gibt sie unumwunden zu. Doch auch Hartmann ist befremdet. Es sei offenbar das „übliche Prozedere der Verwaltung“, bis zum 1. März eines jeden Jahres so etwas durchzuboxen. Eine ähnliche Verfahrensweise habe man schon bei diversen grünen Themen in Meißen in der Vergangenheit erlebt, sagt die Fraktionschefin. So viel sei aus ihrer Sicht und Rechtskenntnis sicher: „Es muss eine Ersatzpflanzung geben“,
Die werde es selbstverständlich geben, versichert Klinik-Sprecherin Daniela Bollmann. Allerdings nicht sofort, sondern erst im Verlauf bzw. nach dem Klinik-Bau. „Laut Auflage der Stadt Riesa werden 210 Bäume und Großsträucher auf dem Grundstück gepflanzt“, so Bollmann.
Von den angekündigten Rodungen nicht betroffen sind nach Angaben der Klinik-Sprecherin die Bäume entlang der „Allee“ zwischen dem Kreisverkehr an der Dr.-Külz-Straße und dem „alten“ Krankenhaus. „Nach jetzigem Stand wird dort nichts gefällt“, so Daniela Bollmann.

Grüne fordern Aufklärung

Während der Arbeiten müssen Besucher, Patienten und Mitarbeiter mit erhöhter Lärmbelastung rechnen. „Da wird mit der Motorsäge gearbeitet – das ist dann natürlich nicht leise“, sagt Diana Bollmann. Doch die Partnerfirmen seien „gebrieft“, dass sie so wenig wie möglich an Lärm erzeugen und auch nicht in den Nachstunden arbeiten. Das gelte auch für den Abtransport des Holzes, der über den Mergendorfer Weg erfolgt. Das Holz werde übrigens nicht irgendwo verbrannt, sondern ist für einen wohltätigen Zweck gedacht. Mehr will die Sprecherin aber noch nicht verraten.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Walfriede Hartmann indes will noch in dieser Woche bei Landrat Arndt Steinbach Aufklärung einfordern. Damit sei vielleicht noch eine „Schadensminimierung möglich“. Im Klartext: Vielleicht seien die Bäume, oder ein Teil davon, ja doch noch zu retten.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 2. Februar 2012)

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