Kein Stadtfest – Riesa feiert trotzdem
Die Stadt verzichtet in diesem Jahr auf die Riesensause. Stattdessen werden viele kleinere Highlights die Leute anziehen. Und das an fast jedem Wochenende.
 
Von Thomas Riemer
 
Braucht Riesa ein Stadtfest? Und wenn ja: wie soll es aussehen? In diversen Internetforen wird das Thema zurzeit heiß diskutiert. Das Rathaus verschließt sich diesen Debatten zwar nicht gänzlich. Doch die Entscheidung ist längst gefallen: Die Riesensause fällt in diesem Jahr aus. Klamme Kassen sind ein Grund dafür. Vielleicht auch die zündende Idee nach manch harscher Kritik in der Vergangenheit. Egal. Gefeiert wird trotzdem. Kleiner, aber feiner. „Die Veranstalter in Arena, Stadthalle, Jugendhäusern, Museum, Kloster, Nudelcenter, Riesenhügel, Tierheim, den Ortsteilen und anderswo bieten noch viel mehr“, verspricht Rathaussprecher Uwe Päsler. „Wer wirklich möchte, hat jedes Wochenende die Qual der Wahl.“ Riesa könne nicht nur hart arbeiten, sondern auch genießen und feiern.
 
Ø Automeile hält an Traditionen fest
 
Zum ersten Mal erwacht die Innenstadt am 5. Mai aus dem Dornröschenschlaf. Mit der 17. Automeile wollen vor allem Auto- und Motorradhändler ein PS-starkes Highlight auf der Hauptstraße unter dem Motto „Auto und Umwelt“ zelebrieren. Am Konzept, vor allem am Rahmenprogramm, wurde in den letzten Jahren immer wieder gebastelt. „Wir sind mit dem Programmpunkten zur Automeile noch nicht ganz fertig“, so Andree Schittko, Centerleiter der Elbgalerie und Cheforganisator. Von 9 bis 17 Uhr werden sich 18 Autohäuser sowie 17 weitere Aussteller präsentieren. Sieben Gastronomie-Punkte werden entlang der Hauptstraße eingerichtet. Rundum ist ein Mitmachprogramm vorgesehen, gestaltet unter anderen mit den „Volltreffer“-Welten der Stadtwerke,von Vereinen sowie Händlern mit Modenschau oder Kosmetik- und Typberatung. „Alle Geschäfte werden geöffnet sein“, so Andree Schittko. Musikalisch wird die Automeile an fünf Moderationspunkten begleitet.
 
Ø In Gostewitz wird es zu Pfingsten französisch
 
Noch ist das detaillierte Programm für den Kunst- und Handwerkermarkt im Wohn- und Kulturgut Gostewitz (WKG) nicht gedruckt. Aber Mitveranstalter Jan Giehrisch ist schon jetzt begeistert. „Voll französisch, sag ich nur“, kündigt er euphorisch für die Pfingsttage an. Nach dem Riesenerfolg im vergangenen Jahr können die WKGler diesmal erstmals ihre große Scheune ins Geschehen einbeziehen. Bei einzelnen Highlights gerät Giehrisch schon jetzt ins Schwärmen. „Wir haben zwei Franzosen zu Gast, die mit Akkordeon und Chansons den Markt bereichern. Einer davon ist Porträtmaler, der andere Karikaturist“, so Giehrisch. Für das Abendprogramm des Pfingstsonntags ist ein rund 45minütiges Dinner in der Scheune geplant – mit klassischer Musik und französisch angehaucht mit mediterranen Köstlichkeiten. Mit Mademoiselle Mirabelle können sich die Gäste gleichzeitig auf eine „unterhaltsame, singende und hübsche Französin“ freuen. Sämtliche eingeladene Handwerker und Künstler seien für das gesamte Wochenende angehalten, sich französischen Themen zu nähern. Geplant sind zahlreiche Mitmachangebote. Und da am Pfingstmontag Mühlentag ist, soll es Kutschfahrten nach Pahrenz geben.
 
Ø Drachenbootfans treffen sich in Hollywood an der Elbe
 
Das Drachenbootfestival geht mit großen Schritten auf seine 20. Runde zu. Bei der 18. Auflage – traditionell am letzten Samstag im August - wollen die Veranstalter vom Riesaer Wassersportverein einen kleinen Vorgeschmack aufs Jubiläum in zwei Jahren geben. „Die Vorbereitungen sind im vollen Gange. Das diesjährige Festival wird thematisiert“, heißt es beim Riesaer Wassersportverein. Auf und neben der Elbe soll es demzufolge ein lustiges Treiben „Hollywood an der Elbe" geben. Darauf darf man angesichts der schon bislang sehr außergewöhnlichen Ideen der teilnehmenden Teams mächtig gespannt sein. Ein Magnet ist die Veranstaltung allemal. Letztes Jahr kamen trotz Dauerregen mehr als 600 Paddler nach Riesa. Ungezählt blieben stets die tausenden Schaulustigen am Ufer.
 
Ø Bürgerfest mit internationalem Flair
 
Vom Stadtfest hatte sich das Rathaus zu Jahresbeginn für dieses Jahr verabschiedet. Stattdessen soll es am 15. Und 16. September nun ein Bürgerfest mit dem „Boulevard der Weltmusik“ richten. Viele Riesaer halten das nach erstem Erstaunen für eine tolle Idee. Und Stadtsprecher Uwe Päsler ist guter Hoffnung, dass „nicht nur tausende Besucher aus der Stadt, sondern auch Gäste aus aller Welt“ zu erwarten sind. Denn das Festwochenende verbindet das 10-jährige Jubiläum des Städtepartnerschaftsvereins „Riesa und die Welt“ e.V. mit der siebten Auflage des beliebten Festivals, das der „Boulevard der Weltmusik“ e.V. auf die Beine stellt. Musiker aus den Riesaer Partnerstädten werden am Sonnabend auf mehreren Bühnen in der Innenstadt auftreten. Am Abend schweben dann Klänge ganz unterschiedlicher Stilrichtungen über den Boulevard der Weltmusik. „Künstler von drei Kontinenten konnten dafür bereits verpflichtet werden“, so Päsler. Zudem haben beim Bürgerfest Riesaer Vereine, Schulen, Kindertagesstätten sowie andere Gruppen und Institutionen die Möglichkeit, sich mit bunten Bühnenprogrammen in der Innenstadt zu präsentieren. Fehlen werden nach den sehr guten Stadtfesterfahrungen vom Vorjahr auch die Stadtwerke nicht mit ihrer „Volltreffer“-Aktion. „Die eine oder andere Überraschung ist noch in Vorbereitung“, so Uwe Päsler.
Das klassische Stadtfest sei allerdings keinesfalls „gestorben“. Im nächsten Jahr soll es gemeinschaftlich und auch mit neuen Ideen, zu denen jeder Bürger gern beitragen kann, wieder in Angriff genommen werden, sagt der Sprecher.

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