Keine Tourismus-Flaute in Riesa

Von Tourismus-Flaute nichts zu spüren
Während das Haus des Gastes in Diesbar-Seußlitz schließt, haben die Mitarbeiter der Riesaer Stadtinfo kaum Zeit zum Luftholen. Und das nicht nur wegen der Tanz-WM.

Von Thomas Riemer



Rastlose Radwanderer, wissensdurstige Busreisende, staunende Fußgänger mit holländischem, bayerischem oder pfälzischem Akzent – all das ist momentan in Riesas Innenstadt eher die Seltenheit. Denn: In den Wintermonaten bleiben die Touristen der Elbestadt und auch der näheren Region eher fern, suchen gerade in der Vorweihnachtszeit und natürlich über die Feiertage selbst touristische Erlebnisse viel lieber in südlichen, weil wärmeren Gefilden.
 
Oder doch nicht? „Bei uns ist ständig Betrieb“, sagt Conny Thieme, die Leiterin der Riesaer Stadtinformation. Auch wenn saisonbedingt im Moment kaum Radwanderer auf dem Elbradweg nach Riesa finden. Der eher etwas „schwächere Monat“ sei mit dem November aber insgesamt so gut wie vorbei, für Dezember gebe es bereits sehr viele Anfragen und auch Buchungen. „Es gibt eigentlich ständig Nachfragen nach unseren touristischen Bausteinen“, so Conny Thieme. Der „Renner“ sei dabei auch in diesem Jahr der Wunsch nach einem Besuch in der Teigwarenfabrik. „Die Führungen durch das Nudelcenter mit Nudelkontor und -museum sind sehr begehrt“, erklärt die Tourismuschefin. Aber auch Attraktionen im Stadtzentrum wie die Klosterbesichtigung mit anschließendem Besuch des Riesaer Weihnachtsmarktes stünden hoch im Kurs der Touristen. Hinzu komme die Nachfrage nach Lokalitäten für Weihnachtsfeiern sowohl durch Privatpersonen als auch Unternehmen. „Nur die Kirchenführungen sind momentan nicht ganz so begehrt“, sagt Conny Thieme. Was vor allem daran liegt, dass ein Turmaufstieg bei den jetzt herrschenden Temperaturen nicht jedermanns Sache ist. Überrascht sei sie dagegen, dass neben Stadtrundfahrten und -gängen auch die historische Schulstunde, angeboten vom Stadtmuseum, bei den Gästen recht hoch im Kurs steht.

Nicht ganz so einfach gestaltet sich die Vermittlung von Quartieren in der Region. Der Grund ist ein ganz einfacher: die Riesaer Tanzwochen. Die meisten Hotels und Pensionen seien über das Vermittlungssystem des Veranstalters, der FVG Riesa, gebucht worden. „Einzelpersonen, die nichts mit der Tanz-WM zu tun haben, sind daher relativ schwer vermittelbar“, sagt Conny Thieme. Vor ein paar Tagen habe sie einem Handwerker-Trupp bei der Suche nach einer vorübergehenden Bleibe helfen wollen – aber selbst in einem großen Hotel in der Dahlener Heide war nichts frei, weil dort 80 Tänzer aus Riesa bereits Quartier bezogen hatten.

Auch für die nächsten Wochen ist der Stadtinfo-Leiterin nicht bange, „dass wir nichts zu tun haben“. Denn schon denken viele Menschen, nicht nur von außerhalb, ans kommende Jahr, bereiten für 2012 Klassentreffen und Familienfeiern vor. Einschränkungen bei den Öffnungszeiten sind daher nicht vorgesehen – im Gegenteil. Zur ohnehin schon praktizierten Sieben-Tage-Woche – auch an Wochenenden ist stundenweise geöffnet – gesellen sich zusätzliche Beratungen, zum Beispiel an den bevorstehenden verkaufsoffenen Sonntagen in der Weihnachtszeit.
 
Während die Elbestadt quasi keine touristischen Ruhezeiten kennt, leisten sich die Diesbar-Seußlitzer eine „Auszeit“. Das dortige „Haus des Gastes“ bleibt über die Wintermonate geschlossen, teilte die Einrichtung vor einer Woche mit. Geöffnet wird erst nächstes Jahr wieder – am 1. April. Die Heiz- und Personalkosten wären im Verhältnis zur Nachfrage viel zu hoch, heißt es dazu beim Fremdenverkehrsverein Sächsische Elbweindörfer. Zahlreiche Gastwirte schließen sich der „Initiative“ an. Renovieren, Reparieren, Erholen, Saison 2012 vorbereiten – das sind die Stichworte, die fallen, wenn es um die nächsten Wochen geht. „Wenn man ab April sieben Tage die Woche arbeitet, dann fehlen mindestens zwei. Das holen wir in den Wintermonaten nach“, so Albrecht Merker, Chef der gleichnamigen Weinstuben im Dorf. Viele Gaststätten schränken ihren Betrieb ein, manche schließen über einen bestimmten Zeitraum auch komplett.
 
Totale Stille herrscht im Elbweindorf allerdings dann doch nicht. Denn hinter den Kulissen wird bis zum Frühjahr fleißig gearbeitet. Beim Fremdenverkehrsverein zum Beispiel wird der Veranstaltungsplan für das nächste Jahr komplettiert.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 29. November 2011)

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