Letzte Wäschemangel macht dicht

Die letzte Wäscherolle macht dicht

Zuletzt nutzten nur noch 14 Familien die Einrichtung in einem Innenhof in Gröba. Nächste Woche soll das Gebäude abgerissen werden. Die Wäschemangel selbst wird vorerst eingelagert. Interessenten können sie erwerben.

Von Thomas Riemer

Wieder verschwindet ein Stück Nostalgie aus dem Riesaer Stadtbild. Das heißt: So dominant war die Wäscherolle im Stadtteil Gröba dann zwar doch nicht. Aber voraussichtlich in der kommenden Woche wird das Haus im Innenhof zwischen Ost-, Stein- und Mozartstraße abgerissen. Und damit ist auch für die legendäre Wäscherolle, die sich über Jahrzehnte darin befand, Schluss.
„Das Gebäude befindet sich in einem desolaten baulichen Zustand“, begründet die Wohnungsgenossenschaft Riesa den Abriss des kleinen unscheinbaren Häuschens. Deshalb habe für das Unternehmen die Frage der Erhaltung oder Stilllegung auf der Tagesordnung. „Wir machten uns die Sache nicht leicht, galt es doch, nicht nur die rein wirtschaftlichen, sondern gerade als Genossenschaft die traditionellen und historischen Faktoren abzuwägen“, so Vorstandsmitglied Kerstin Kluge. Schließlich sei die Rolle die letzte Ihrer Art in der Stadt Riesa. Unter anderem sei deshalb die Unterbringung der Rolle in einem anderen Gebäude geprüft worden. Außerdem wurden Privatpersonen befragt, ob sie die Rolle selbst betreiben wollen. Und letztlich sei die Wäschemangel – eigentlich eine technische Rarität - sogar verschiedenen Museen angeboten worden. „Alle diese Wege führten leider nicht zum Erfolg“, so Kerstin Kluge. Letztlich wurde der Einrichtung soviel Bedeutung beigemessen, dass sie sogar Thema der Aufsichtsratssitzung der Wohnungsgenossenschaft wurde. Auch dort sei noch einmal intensiv alles Für und Wider erörtert worden.
Doch am Ende konnte sich die Genossenschaft den „harten wirtschaftlichen Daten“ nicht  verschließen. Für Instandsetzung der Gebäudehülle müsste die Genossenschaft nach Angeboten und einer Kostenschätzung mehr als 25000 Euro berappen. Die jährlichen Einnahmen dagegen belaufen sich auf nach Angaben des Unternehmens auf rund 140 Euro. Außerdem sei zuletzt die Anzahl der Nutzer stetig zurückgegangen. Im vergangenen Jahr waren es den Erhebungen zufolge nur noch 14 Familien, die ihre Wäsche auf diese traditionelle Weise behandelten.
Letztlich gab es eigentlich keine Wahl mehr: „Aus diesen Gründen haben wir uns zum Rückbau des Gebäudes in der Oststraße und zur Stilllegung der Wäschemangel entschieden“, teilte die Genossenschaft in dieser Woche mit. Wenigstens eine versöhnliche Seite hat das Ganze dann doch noch. An der geschützten Innenhofstelle wird eine Sitzgruppe entstehen, die  alle Bewohner dieses Wohnensembles zu einem kleinen Plausch oder eben einfach als Ruhemöglichkeit im Grünen einladen wird.
Trotz aller bisherigen erfolglosen Versuche, die antike Wäschemangel aus „Omas Zeiten“ irgendwie loszuwerden, soll sie nun doch noch eine letzte Chance kriegen, um eventuell der Verschrottung zu entgehen. Allerdings müssen sich potenzielle Liebhaber beeilen und sich schnellstens bei der Wohnungsgenossenschaft Riesa (Telefon 03525/506419) melden.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 3. September 2011)

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