Zeugnisse einer aufstrebenden Stadt

Der Tag des offenen Denkmals steht in Riesa diesmal im Zeichen des 19. Jahrhunderts. Zehn Einrichtungen der Stadt präsentieren ihre sonst selten zugängliche Schönheit.
 
Von Thomas Riemer
 
„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach…“ Nun, das mit dem rauschenden Bach ist im Fall der Oelsitzer Wassermühle so eine Sache. Doch dass rund um dieses beeindruckende Bauwerk in den letzten beiden Jahren ordentlich „geklappert“ wurde, davon können sich die Besucher am 11. September überzeugenden. Denn die Mühle im Riesaer Stadtteil an der B 169 gehört zu jenen zehn Einrichtungen der Stadt, die sich in diesem Jahr zum „Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit präsentieren. Der dortige Förderverein hat seit seiner Gründung neben weiteren Projekten und der Festigung der Dorfgemeinschaft die Wiederbelebung der Wassermühle als sein ganz großes Ziel verfolgt. Mit Erfolg, wie bereits vor einem Jahr erstmals zu sehen war. Eine Gruppe von Enthusiasten um Ortsvorsteher Peter Kallmeyer und Ortschronist Volker Hesse hat das Projekt angeschoben, und längst gibt es Hilfe von vielen Seiten dafür. So sind erste Erfolge inzwischen sichtbar. Erste Räumlichkeiten sind nutz- und vorzeigbar, notwendige Dachreparaturen wurden erledigt. Und das mit dem sprichwörtlichen Klappern am rauschenden Bach ist längst nicht mehr nur so dahergesagt. Denn der alte Mühlgraben wird entschlammt, und vielleicht kann ja dort schon bald wieder Wasser durch die Mühle geschickt werden. Zum „Tag des offenen Denkmals planen die Initiatoren in Oelsitz Führungen durch die „Wassermühle an der Jahna“, einen Handwerkermarkt im Mühlenhof, Mühlengastronomie sowie, Reiten für Kinder mit dem Kalbitzer Reiterhof. Freuen können sich die Gäste zudem auf allerlei technische Raritäten an der Anlage sowie in den Ausstellungsräumen.
 
Die Oelsitzer Mühle gehört am kommenden Sonntag allerdings zu den eher themenunabhängigen Objekten, die ihre alte neue Schönheit zeigen. „Das übergreifende Thema heißt in diesem Jahr ‘Romantik, Realismus, Revolution – das 19. Jahrhundert‘“ so Rathaussprecher Uwe Päsler. Und da könne Riesa so einiges bieten. Damals habe die industriell geprägte Stadt und das seinerzeit noch eigenständige Gröba dank Eisenbahn, Elbeschifffahrt und Eisenhammer eine Revolution erlebt, die der Stadt einen bis heute zu spürenden Aufschwung verlieh, so Päsler. Und nach und nach passten sich alle Lebensbereiche an.
 
So steht nach Auskunft des Stadtsprechers nicht umsonst die Baugeschichte des Schlosses, das Ende des 19. Jahrhunderts zur Stadtverwaltung wurde, im Zentrum zweier Führungen im Rathaus. Auch der Stadtpark bekam vor mehr als 100 Jahren wesentliche Züge seines heutigen Aussehens. Darüber sowie über Geschichten entlang der Hauptstraße und zu Riesas Gaststätten und Kneipen werde in Rundgängen und Vorträgen informiert.
 
Weitere sonst eher selten zugängliche Anlaufpunkte werden am Sonntag ihre Pforten für Besucher öffnen. So lädt die Trinitatiskirche wieder zu den beliebten Turmbesteigungen und zu Orgelführungen, auch andere Gotteshäuser erwarten zahlreiche Besucher. Schloss und Schlosskirche Jahnishausen und natürlich das Kloster hinter dem Riesaer Rathaus gehören schon in guter Tradition zum Denkmaltag dazu, neu ist diesmal Canitz“, so Uwe Päsler. Dort seien Führungen im Pfarrhof sowie eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes, der Kirche und des Schlosses geplant. Fast überall gebe es nicht nur interessante Informationen zur Geschichte, sondern auch verschiedene kulturelle Rahmenprogramme sowie ausreichende Stärkung für hungrige Denkmalforscher.
 
 
Veranstaltungen am 11. September
- „Baugeschichte des Riesaer Schlosses im 19. Jahrhundert.“: 15 und 17.15 Uhr - Führung durch das Rathaus
- „Entstehung des Riesaer Stadtparks“: 14 und 16.15 Uhr - Führung durch den Stadtpark, Treffpunkt unterhalb der Freitreppe
- „Kneipengeschichten“: 14 und 16.15 Uhr - Rundgang Hauptstraße, Treffpunkt: Rathausplatz 1 (Eingangstür Rathaus)
 - Riesaer Häusergeschichten - ein Bummel entlang der Hauptstraße“: 15 und 17.15 Uhr - Vortrag im Veranstaltungsraum 2. Etage der Sparkasse Meißen, Hauptstraße
- Klosterinnenhof: 11 Uhr bis 14 Uhr Jazz-Brunch mit Vano Bamberger und Band, 15 bis 18 Uhr Bläserensemble Riesa e. V., Tanzstudio „Live“ e. V., Spiel- und Bastelspaß für Kinder            
- Trinitatiskirche: 11 bis 18 Uhr geöffnet, 13 bis 17 Uhr Turmbesteigung; 14, 15 und 16 Uhr Orgelführungen und Musik auf der Jehmlich-Orgel                                   
- Kirche Gröba: 11 bis 18 Uhr geöffnet           
- Klosterkirche:  11 bis 17 Uhr geöffnet             
- Ortsteil Canitz: 11 bis 16 Uhr Führungen im alten Pfarrhof (Oschatzer Str. 65) „Bilder und Geschichten der Kirche
- Schlosskirche Jahnishausen: 14.00 Uhr Vortrag zur „Geschichte der Schlosskirche Jahnishausen“
- Schloss Jahnishausen: 16 Uhr Vortrag „Schloss Jahnishausen im 19. Jahrhundert“, Führungen durch das Schloss nach Bedarf
- Ortsteil Oelsitz: 11, 13 und 15 Uhr Führungen „Wassermühle an der Jahna“, 10 bis 18 Uhr Handwerkermarkt im Mühlenhof, Mühlengastronomie, Reiten für Kinder mit dem Kalbitzer Reiterhof
- Zwischen Oelsitz und Jahnishausen verkehrt eine Pferdekutsche als Shuttleverkehr.
 
 
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 5. September 2011)

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