Partner in der ganzen Welt
Riesa unterhält sechs Städtepartnerschaften. Während der Kontakt zu den europäischen ziemlich rege ist, stagnieren die Beziehungen nach China und in die USA. Warum eigentlich?
 
Von Thomas Riemer
 
Der jüngste Besuch von Riesaern im französischen Villerupt ist noch ganz gut in Erinnerung. Auch die Ehrung des Riesa-Glogauer Projektes „Flucht und Vertreibung“ liegt gerade einmal zwei Wochen zurück.
 
Sechs Partnerstädte zählt Riesa – und in der Stadt gibt es dafür sogar einen eigenen Verein: Riesa und die Welt e. V. Susanne Voigt ist die Vorsitzende. „Der Verein versteht sich als Anlaufstelle für alle Interessenten, die einen Austausch zwischen Riesa und allen bestehenden und zukünftigen Partnerstädten entwickeln möchten“, nennt sie als Credo. Die Praxis halt sieht differenziert aus. Während vier Städtepartnerschaften recht aktiv gelebt werden, ist es um die Kontakte nach Sandy City (USA) und Suzhou (China) ruhiger geworden.
 
Die Kontakte nach Mannheim dagegen boomen. „Die Partnerschaft läuft seit 2002 wieder wie von selbst“, sagt Susanne Voigt. Durch die Jahrhundertflut sei damals unheimlich viel Hilfe aus Mannheim nach Riesa gekommen. Längst bestünden die Verbindungen nicht mehr nur auf der Verwaltungsebene, sondern vor allem auf privater oder Vereinsbasis. „So soll es ja eigentlich auch sein, dass wir als Verein höchstens Vermittler sind“, so Susanne Voigt. Zu Mannheim gebe es Kontakte insbesondere auf kultureller, künstlerischer und sportlicher Ebene. So stellten sich Buchautorin Renate Preuß und das Kabarett „Die Piesacker“ schon mehrfach in Mannheim vor. Dank persönlicher Kontakte, „läuft vieles einfacher“, sagt Susanne Voigt.
 
Das gelte auch für die Beziehungen ins französische Kleinstädtchen Villerupt. Zwar bedürfe es immer wieder mal eines konkreten Anstoßes - so wie vor einigen Wochen, als Riesas Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Partnerschaft hinfuhr. Aber daraus sei dann oft mehr geworden. Susanne Voigt hofft jetzt beispielsweise, dass sich möglicherweise eine Schulpartnerschaft entwickelt, um den Jugendaustausch anzukurbeln.
 
Stetig, aber wenig „spektakulär“, verlaufen die Kontakte ins englische Rotherham. Hier, so Susanne Voigt, ist es vor allem die Kreishandwerkerschaft, die auf regelmäßige gemeinsame Aktivitäten verweist. Sie organisiert beispielsweise seit einigen Jahren individuelle zweiwöchige Lernaufenthalte in Rotherham. Durch die Übernachtung bei Gastfamilien und vielfältige Programme erleben die Teilnehmer die typisch englische Lebensweise hautnah. Das funktioniert freilich auch andersherum: Im Sommer dieses Jahres drehten junge Leute aus Rotherham einen Film in Riesa.
 
Das polnische Glogau ist „jüngster“ Städtepartner Riesas. Aber seit 2005 gehören die Kontakte dorthin zu den intensivsten. Ein Grund sind die jährlichen Bürgerschaftsreisen, die für manchen Elbestädter eine Reise in die Vergangenheit der eigenen Familie darstellen. Nicht umsonst beschäftigte sich daher wohl auch das jüngste Projekt der beiden städtischen Museen gemeinsam mit jungen Leuten mit einem historischen Thema.
 
Ruhig, sehr ruhig sogar ist es um Kontakte nach Sandy City in den USA geworden. „Wir wissen jetzt, warum“, sagt Susanne Voigt. Insbesondere nach den Anschlägen vom 11. September 2001 seien durch die USA sehr viele Außenkontakte zunächst gestoppt worden. „Vielleicht klappt ja nächstes Jahr wieder etwas“,   zeigt sich Susanne Voigt vorsichtig optimistisch. Gleiches gilt für Suzhou in China. Außer dem regelmäßigen Austausch guter Wünsche zum Jahreswechsel höre man bei „Riesa und die Welt“ wenig von dort. Auf Anfragen gebe es kaum Reaktionen, so Susanne Voigt. „Da lässt sich natürlich dann nicht viel machen.“ Seitens Riesa gebe es immer wieder Ambitionen in Richtung China. Trotzdem hat sie eine Vision. Nämlich die, zu einem angemessenen Jubiläum die Vertreter aller sechs Partnerstädte in Riesa zu  begrüßen. Ganz unbegründet ist diese Hoffnung nicht.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 11. November 2011)

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