Unterstützer des Riesaer Appells
Die Initiatoren der Initiative gegen Gewalt sind für den Förderpreis der Demokratie nominiert. Haben sie eine Chance?
 
Von Thomas Riemer
 
Weit mehr als 1 000 Menschen haben in den vergangenen anderthalb Jahren den „Riesaer Appell“ unterschrieben. Jetzt erfährt die Initiative unter dem Motto „Demokratie heißt Hinsehen und Gesicht zeigen“ eine besondere Ehrung. Die Initiatoren rund um den „Sprungbrett e.V.“ gehören zu den zehn Nominierten für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie. Er wird am Mittwoch im Dresdner Hygiene-Museum verliehen. Übergeben werden dann zwei mit 5 000 Euro dotierte Haupt- sowie acht Anerkennungspreise mit einer Zuwendung von 1 000 Euro.
 
Welches Projekt mit welchem Preis ausgezeichnet wird, erfahren die Nominierten zwar erst am Veranstaltungstag. Doch allein der Fakt, dass der „Riesaer Appell“ mit auf der Liste steht, ist aller Ehren wert. „Das ist eine Anerkennung der bisher geleisteten Arbeit. Die Nominierung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Holger Mucke, Projektkoordinator beim Sprungbrett e.V. Er gehört mit 17 weiteren Personen zu den Erstunterzeichnern des „Riesaer Appells“. Das war am 2. Juni 2010. Der Aufruf richtete sich gegen alle menschenverachtenden und rassistischen Erscheinungen und wirbt für demokratische und zivilgesellschaftliche Beteiligung in Riesa.
 
„Mit dieser Zahl an Unterschriften und Unterstützungserklärungen hatten wir nicht gerechnet“, sagt Holger Mucke rückblickend. Genau das aber sei als ein sehr gutes Zeichen zu werten, dass wirklich viele Initiativen zusammengerückt seien und geschlossen für Demokratie auftreten. Denn der Sprungbrettverein sei nicht alleiniger Ideengeber gewesen. Die Freizeitinsel, der Kulturschleuder e.V. sowie die outlaw GmbH gehörten ebenso dazu. In den ersten Monaten nach der Veröffentlichung des Riesaer Appells habe es ein riesiges Interesse gegeben. Aber auch jetzt würden monatlich noch etwa 30 Unterschriften hinzukommen. „Das zeigt, dass dies keine einmalige Sache ist“, so Holger Mucke.
 
Als greifbarstes Resultat der Initiative stehe natürlich die Umbenennung der Mannheimer in Geschwister-Scholl-Straße in Riesa, wo sich wichtige NPD-Schaltzentralen befinden. Allein das Zusammenspiel ganz vieler kleiner Faktoren bis hin zum Umbenennungsakt habe die Geschlossenheit demokratischer Kräfte gezeigt, so Mucke. Der Prozess habe letztlich unter anderem dazu geführt, dass inzwischen auch in anderen Kommunen deutschlandweit über ähnliche Aktionen gegen Rechtsextremismus nachgedacht wird.
 
Zu den Unterstützern gehören überwiegend Menschen aus Riesa und der unmittelbaren Umgebung. In der Liste finden sich allerdings auch zahlreiche Namen von Personen, die zum Teil sehr weit entfernt leben. So unter anderem aus Großbritannien und Lettland. Auch der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz gehört dazu.
 
Insgesamt hatten sich in diesem Jahr 67 Projekte um den Sächsischen Förderpreis für Demokratie beworben. Eine Jury, zu der unter anderem der Sänger der „Prinzen“, Sebastian Krumbiegel, und der frühere Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee gehören, wählte letztlich jene Projekte aus, die nunmehr geehrt werden.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 5. November 2011)

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