Premierenfieber in der Kulturwerkstatt
Vor der Wiedereröffnung im neuen Domizil in der Stadthalle wird fleißig gewerkelt. Chef Dirk Haubold ist auf den Neubeginn für das Kulturwerk am Sonnabend gespannt. Er kann sich sogar vorstellen, den „Stern“ irgendwann als Ganzes zu betreiben.
 
Von Thomas Riemer
 
Dirk Haubold ist Realist. „Es wird wohl so sein, dass hinten noch der Besen geschwungen wird, während vorn die ersten Gäste kommen“, beschreibt der Geschäftsführer des Kulturwerk Riesa e.V. das abzusehende Szenario, wenn heute die neuen Räumlichkeiten in der Stadthalle „Stern“ vorgestellt werden. Denn bis zum letzten Moment wird der Begriff der Werkstatt dem der Kultur wohl noch den Rang ablaufen. Trotzdem ist sich Dirk Haubold sicher: „Wir werden so fertig werden, dass wir eine schöne Eröffnung feiern können.“
 
Seit Dezember des vergangenen Jahres steht der Umzug aus den ehemaligen Räumen der Kulturwerkstatt Art in der Klötzerstraße im Zentrum der Arbeit des Vereins. Während dort bereits fleißig Kisten gepackt wurden, ging es im Stern heiß her. Trotzdem blieb die kulturelle Arbeit in dieser Zeit nicht auf der Strecke, sondern wurde in den Schulen durchgeführt, so gut es eben ging.
 
In der Stadthalle wurde dagegen kräftig gewerkelt. Im ehemaligen Verwaltungstrakt ging und geht es dabei um die drei Bereiche der Wechselbühne, des künftigen Weincafes „vino capucchino“ sowie der eigentlichen Kulturwerkstatt. Der „Stern“ werde zum neuen Anlaufpunkt für kulturinteressierte große und kleine Riesaer, versprechen dabei die Initiatoren. Denn das Image des nur Kinder- und Jugendarbeit veranstaltenden Trägers hafte dem Kulturwerk zwar noch an. Doch das Angebot reicht längst bis hin zu Selbsthilfegruppen, der Unterstützung Alleinerziehender und natürlich der Veranstaltung von Konzerten, Kabarett und Theater für die „Großen“. Deshalb ist Dirk Haubold auch besonders glücklich, dass dem vor sich hin schlummernden Livemusikbereich im Keller neues Leben eingehaucht wird. „Endlich ist das  Provisorium unserer Wechselbühne vorbei, hier haben wir mehr Platz, können auch Stehkonzerte mit 200 Besuchern durchführen“, so Haubold. Bei Bestuhlung haben mehr als 100 Zuschauer Platz.
 
Quasi bis zum letzten Moment dominieren jedoch Handwerker, freiwillige Helfer, ehrenamtliche, Vereinsmitglieder. „Alle arbeiten Hand in Hand. Jeder kennt seine Aufgaben. Keiner schaut auf die Uhr“, fasst Dirk Haubold den Eifer der Beteiligten treffend zusammen. Einzelne dabei hervorzuheben – „das wäre eigentlich nicht fair“, sagt er. Denn es seien die vielen kleinen Handgriffe, die jetzt den Fortschritt ausmachen. Kabel für die Bühnentechnik verlegen, Vorhänge nähen, Tischlerarbeiten, Stühle absaugen – all das sind die Kleinigkeiten, die gerade kurz vor Ultimo zu erledigen sind. „Es fällt immer wieder irgendwelcher Staub an“, sagt Dirk Haubold und lacht. Zum Improvisationsvermögen passt daher auch dies: „Es muss und es wird zur Eröffnung noch nicht alles perfekt sein.“
 
Das  Weincafé soll täglich außer montags ab 15 Uhr geöffnet sein. Wein und Kaffee, wie der Name schon sagt, andere Getränke und Snacks werden zu haben sein: „Wir machen aber keine großen Essen und werden der Riesaer Gastronomie nicht ins Gehege kommen“, so der Kulturwerkchef. Das Café, dessen Mobiliar früher eine Jazzkneipe in Köln zierte, wird Herzstück und mit einem Infotresen auch erster Anlaufpunkt für Besucher.

Die Räume im ersten und zweiten Stock des „Stern“ wurden früher von der Stadtverwaltung genutzt. Jetzt sind hier Töpferofen, Kreativraum und Computerarbeitsplätze zu finden. Das einstige Büro der Amtsleiterin für Kinder, Jugend und Soziales ist bald ein Atelier für Fotografie und Malerei. Dazu ist Platz für darstellende Kunst, Siebdruck oder das neueste Angebot Emaillieren vorhanden.
 
Zudem finden Theater- und Medienpädagoge sowie die Verwaltung des Vereins Platz. Der hat nur drei fest Angestellte. Alle anderen sind über Maßnahmen der Arbeitsagentur finanziert, arbeiten freiberuflich oder ganz ehrenamtlich. Das alte Art an der Klötzerstraße habe man sehr lieb gewonnen. „Aber ich sehe das Neue als Geschenk, wir haben hier viel bessere Möglichkeiten“, so Dirk Haubold Auch die Zusammenarbeit mit Stadt und FVG, die die Säle im „Stern“ betreibt und den kleinen Saal ans Art untervermietet, laufe sehr gut. „Es gibt konkrete Raumpläne, so dass es zu keinen Dopplungen kommt“, so Haubold. Die neue Geschäftsführung der FVG habe signalisiert, dass sie mit dem Kulturwerk eng zusammenarbeiten will. Und wer weiß, ob der Verein die stadthalle nicht irgendwann sogar mal als Ganzes betreibt. „Auch das ist denkbar“, sagt Dirk Haubold. „Wir sind für alle Optionen offen und kooperationsfähig.“
 
 
Ø Eröffnung am 24. März: 15 Uhr ARTopen – Entdecken & Ausprobieren auf allen Etagen, 18 Uhr „Lass die Korken knallen“: Kultur, Wein & Kaffee vereint (mit Kakao- &Kaffeerösterei Dresden und Vinothek am Hafen - Unkostenbeitrag 3 Euro), 20 Uhr Wechselbühne: Musik & Theater mit „Spielbrett Dresden“ und „Cafe Jazz“
 
(Sächsische Zeitung Riesa, 24. März 2012)

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