„Wir haben überall viel Herzlichkeit gespürt“
Die Partnerschaft mit dem französischen Villerupt besteht seit 50 Jahren. Riesas Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer ist jetzt Ehrenbürgerin der Partnerstadt.
 
Von Thomas Riemer
 
Eine Frau aus Deutschland und ein Mann aus Frankreich im Rampenlicht- das kennen die Leute in den Zeiten der Euro-Krise aus dem Fernsehen zur Genüge. Wenn allerdings Riesas Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer mit ihrem Amtskollegen Alain Casoni aus Villerupt zusammentrifft, dann geht es um gelebte Partnerschaft. Am vergangenen Wochenende hatte der Besuch der kleinen Riesaer Delegation in Nordfrankreich einen ganz besonderen Anlass. Denn beide Städte blicken auf eine 50-jährige partnerschaftliche Zusammenarbeit zurück. Das war ein guter Grund zum Feiern, für Gespräche, aber auch zum Knüpfen neuer Kontakte, von denen in der Zukunft insbesondere junge Leute beider Städte profitieren sollen. Der Riesaer Rathauschefin wurde überdies eine besondere Ehre zuteil. Sie wurde von Bürgermeister Alain Casoni zur Ehrenbürgerin Villerupts ernannt.
 
„Wir haben überall eine warme Herzlichkeit gespürt“, so Gerti Töpfer in einem ersten spontanen Resümee der viertägigen Reise. In den fünf Jahrzehnten der Partnerschaft sind vor allem auf persönlicher ebene viele Freundschaften zwischen Sachsen und Lothringern gewachsen. Jetzt wollen beide Städte die Jugend wieder stärker dafür sensibilisieren. „Es ist wichtig, unsere gemeinsame Geschichte an die Jugend beider Städte weiterzugeben“, so Gerti Töpfer. Deshalb sollen zum Beispiel zwischen dem College „Theodore Monod“ und dem Städtischen Gymnasium Riesa enge Kontakte aufgebaut werden. Auch eine Schulpartnerschaft sei denkbar. Beim Besuch im College übergab Französischlehrerin Karin Scholz aus Riesa Briefe ihrer Schüler an die Altersgenossen in Villerupt. Die Begeisterung der französischen Jugendlichen war groß. Man will den schriftlichen Kontakten auch gegenseitige Besuche folgen lassen, erklärte Ouarda Benamara, Lehrerin im Monod-College.
Gerti Töpfer wiederum kam zum Thema Jugend auch mit Francoise Felici ins Gespräch. Die freundliche Dame hatte als Lehrerin in den 1960er Jahren im Rahmen damaliger Schulpartnerschaften Riesa besucht.
Nach einem sehr informativen, sicherlich auch anstrengenden Programm mit zahlreichen Besuchsprogramm steht an erster Stelle der Bilanz von Gerti Töpfer jede Menge Hochachtung. „Wir waren positiv überrascht, wie sich Villerupt in den vergangenen Jahren entwickelt hat“, so Töpfer. Beide Städte eine die Problematik, nach dem Ende monostrukturierter Industrien neue Perspektiven zu entwickeln. Während Riesa seinen industriellen Kern erhalten konnte und die Wirtschaft relativ konstant aufstrebt, gelang es Villerupt erst in jüngster Vergangenheit, wieder Gewerbe anzusiedeln, beispielsweise im Gebiet „Micheville“, und auch durch andere Investitionen die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern.
Auf dem Besuchsprogramm der Riesaer Gruppe, zu der neben Gerti Töpfer und Karin Scholz auch Stadtrat Andreas Näther, Susanne Voigt, Vereinsvorsitzende von „Riesa und die Welt“, sowie Rathausmitarbeiterin Sarah Lippert gehörten, stand zudem eine Visite in Esch-sur-Alzette im nahen Luxemburg. Im Stadtteil Esch-Belval sind auf dem Gelände früherer Hüttenwerke ein neues Wohngebiet, eine Universität, eine Konzerthalle, Dienstleistungszentren und entsprechende Verkehrsprojekte entstanden oder im Bau. Dabei wird die historische Substanz bestmöglich einbezogen.
Als Symbol der 50jährigen Partnerschaft zwischen den Städten Riesa und Villerupt pflanzten Gerti Töpfer und Alain Casoni gemeinsam einen Gingko-Baum, den die Riesaer mitgebracht hatten. „Wie bei allen Terminen unseres Aufenthalts war auch hier die Anteilnahme der Bürger von Villerupt ausgesprochen groß“, so OB Töpfer. Im Rathaus von Villerupt wurde anschließend eine Ausstellung eröffnet, in der wichtige Stationen aus 50 Jahren Städtepartnerschaft nochmals lebendig werden. (up)
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Ausgabe Riesa, am 27. Oktober 2011)

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