Riesa ist Facebook
Das Internet-Sozialnetzwerk ist für viele Politiker, Unternehmer und Privatpersonen zum wichtigen Kommunikationsmittel geworden. Trotzdem bleiben die meisten vorsichtig. Die SZ erklärt, warum.
 
Von Thomas Riemer
Wulff ist zurückgetreten! Als der Ex-Bundesoberste am Freitag um 11.07 Uhr die politische Bühne verließ, hatte die Top-News längst bei Facebook die Runde gemacht. Das Internet-Netzwerk machte seinem Ruf wieder einmal alle Ehre – und zwar als Kommunikations- und längst auch Informationsquelle für mittlerweile fast alle Personengruppen. Es ist ein Podium für Privatleute und Politiker, Vereine und Unternehmen, ihre Ansichten mit Freunden auszutauschen. Aber was fasziniert an Facebook?
Ø Warum sich Riesaer bei Facebook anmelden
Riesas Rathauschefin Gerti Töpfer ist seit rund zwei Jahren bei Facebook. „Junge Leute haben mir das im Wahlkampf empfohlen“, sagt sie. Mittlerweile ist Facebook für sie auch Arbeitsmittel. So bekomme sie viele Hinweise, Fragen, Kritik ganz direkt.  „Es war wohl die Neugier und der allgemeine Hype der neuen Möglichkeiten der Kommunikation“, sagt Hendrik Kleditz. Der CDU-Kreisgeschäftsführer gehört zu den Gelegenheitsnutzern. „Viele private und dienstliche Kommunikation läuft über das Portal“, so Kleditz. Maria Luthardt, Lehrerin und Trainerin bei den Riesaer Cheerleadern, gesteht, „am Anfang aus Spaß“ beigetreten zu sein. Inzwischen könne sie hier aber auch sehr gut interne Absprachen über die „geschlossenen Gruppen“ treffen. Das sei vor allem für Vereinsangelegenheiten sehr nützlich. Polizeichef Hermann Braunger haut in die gleichen Tasten. „Es macht es für mich einfach, mit meinen Freunden zu kommunizieren“, sagt er und denkt vor allem an seine Privatkontakte in die USA und nach Australien. Rainer Fleck, Abteilungsleiter Aerobic beim ESV Lok Riesa, gesteht, sich am Anfang „sehr schwer mit dem neuen Medium getan zu haben“. Inzwischen sei es für ihn wichtiges Mittel, um vor allem mit der Familie und Freunden aus dem sportlichen Bereich zu kommunizieren.
Ø Wen Riesaer bei Facebook als Freunde auswählen
Eine Freundschaftsanfrage im Portal ist schnell gestellt – und auch schnell beantwortet. Trotzdem ist Vorsicht geboten. „Auf meine Freundesliste kommen nur Menschen die ich persönlich kenne, zu denen ich eine persönliche Beziehung pflege und die mir auch sonst sympathisch sind“, sagt Hermann Braunger. Peter Jorcke, der sich vorrangig im Ehrenamt einen Namen gemacht hat, sortiert nicht von vornherein. „Auf jeden Fall tolerante, tierliebe Personen“ haben bei ihm die besten Chancen. Für Gunter Spies ist Facebook auch Werbung für sich selbst. „Als Stadtmaskottchen werden viele Ideen an mich heran getragen“, sagt er. Entsprechend lang ist die Freundesliste des Riesaer Riesen. „Teufelsgeiger“ Martin Roßdeutscher sieht die Freundefindung unkonventionell. „Ich nehme fast alle Freundschaftsanfragen an, wenn ich im Profil keine eindeutig rechtsradikalen Andeutungen finde“, sagt er. OB Gerti Töpfer findet es spannend: „Ich habe viele Menschen in der ganzen Welt ,wiedergedunden‘“, sagt sie.
 
Ø Welche Themen besprochen werden, und welche tabu sind
„Ich gebe nur sparsam Informationen raus“ so Maria Luthardt. „Halbnackte Fotos, Streitigkeiten oder gar Mobbing sind tabu.“ Die Themen und auch die Schmerzgrenzen dabei – darüber kann allen Unkenrufen zum Trotze jeder Facebookteilnehmer für sich selbst entscheiden. Und die meisten haben das auch getan. „Aufruf zum Fremdenhass hat hier nichts zu suchen“, macht Gunter Spies klar. Klare Prämissen haben auch Gerti Töpfer, Peter Jorcke und Hermann Braunger gesetzt: Private Themen sind tabu!„Revanchismus, Einfalt und Dummheit haben bei mir aber keine Chance“, erklärt Hendrik Kleditz. Was Außenstehende oft nicht wissen: Es gibt auch eine Art „Facebook-Polizei“ – die in der Regel die Nutzer selbst bilden. 
Ø Wie Riesaer das Portal als Arbeits- und Hilfsmittel nutzen
 
„Der Spaßfaktor überwiegt bei mir“, stellt Polizeichef Braunger klar. Und über seine „Arbeitshilfsmittel“ spreche er nicht bei Facebook. CDU-Mann Kleditz hingegen sieht „schlummerndes Potenzial“. Viele private und dienstliche Kommunikation laufe über das Portal. „Die Möglichkeiten, die es bietet, ist bei vielen noch nicht angekommen“, glaubt er. Peter Jorcke findet Facebook als Arbeitsplattform geeignet. „Sehr oft kann ich Meinungen bzw. Hinweise bekommen, die sonst einfach Geld kosten, wenn ich telefonieren müsste“, führt er einen weiteren Nutzungsaspekt an. Und Martin Roßdeutscher glaubt, dass „im letzten Jahr mindestens 20 Prozent meiner Auftritte als Musiker und DJ durch FB zustande gekommen sind“.
Ø Was Facebook alles kann
Hier können Freundschaften geknüpft oder aufgefrischt, Diskussionen entfacht, Informationen im Chat ausgetaucht werden. Man kann Gruppen gründen – offene und geschlossene. Welche Informationen der Nutzer preisgibt, entscheidet er selbst. Er kann zu den Themen Missfallen wie auch Zustimmung äußern. Fotos müssen nicht verwendet werden – auch wenn manche Freunde dies unbedingt fordern. Die Anmeldung und Nutzung ist kostenfrei.

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