Riesa punktet in Mannheim

Riesaer Kontakte werden noch multinationaler

Eine kleine Riesaer Delegation vertrat die Stadt in dieser Woche bei einer Konferenz der Partner- und Freundesstädte in Mannheim. Im Mittelpunkt standen unter anderem Möglichkeiten zur multinationalen Zusammenarbeit. Am Freitag wurde dazu eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet.

Von Thomas Riemer
Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz war optimistisch. „Ich bin sehr gespannt, ob unser Experiment gelingt“, sagte er kurz vor Beginn einer gemeinsamen Konferenz aller Partner- und Freundschaftsstädte seiner Stadt. Vier Tage sprachen Vertreter aus Beyoglu, Bydgoszsc, Charlottenburg-Wilmersdorf, Haifa, Klaipeda, Toulon, Qingdao, Windsor und Zhenjiang über die Zukunft der Partnerstädte. Und aus Riesa.
Denn die Elbestadt ist seit 23 Jahren Partner Mannheims. Mit den Stadträten Helmut Jähnel (CDU) und Horst Hofmann (SPD) sowie den Verwaltungsmitarbeitern Sarah Lippert und Tino Roßberg schickte das Rathaus ein schlagkräftiges Quartett ins Baden-Württembergische. Die Zusammensetzung war nicht zufällig gewählt. Denn die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit der Partner stand ganz oben auf der Agenda der Konferenz. Dazu zählten beispielsweise Workshops zu den Bereichen „Kreative Stadt“, „Stadt als Marke“, „Change Management“ und „Junge Unternehmen“.
Tino Roßberg, der in Riesa für das Stadtmarketing zuständig ist, zeigte sich am Freitag unmittelbar nach den Workshops hellauf begeistert. In der Arbeitsgruppe Change Management, also Wandel der Verwaltung, sei er „unendlich beeindruckt gewesen, mit welcher Professionalität Mannheim dort herangeht“, so Roßberg. Die Stadt sei freilich mit Riesa nicht zu vergleichen und wolle ja nach eigenen Angaben, „die modernste Verwaltung der Bundesrepublik aufbauen“. Aber wie das dort angesichts von rund 7 000 Mitarbeitern gehändelt werde, das sei schon eine tolle Sache. Trotzdem müsse sich Riesa nicht verstecken. So sei von einigen Teilnehmerkommunen mit großem Erstaunen registriert worden, dass in der Elbestadt bereits die doppelte Haushaltführung Doppik eingeführt ist. Ein konkretes Ergebnis brachte der Workshop ebenfalls schon. Für alle Partnerstädte wird ein Informationspool eingerichtet, in dem auf die Erfahrungen der jeweils anderen Städte zurückgegriffen werden kann. „Wir beteiligen uns dort zunächst vor allem als Informationsnehmer“, so Tino Roßberg.
Punkten konnte Riesa nach seiner Meinung beim Workshop „Stadtmarketing“. Auf großes Interesse sei die Sportstadt-Idee gestoßen, die derzeit ja in Riesa selbst heiß diskutiert wird. Die Positionen sollen nun Bestandteil einer „virtuellen Konferenz“ im Internet werden, von der ebenfalls sämtliche Teilnehmerstädte profitieren werden.
In Mannheim selbst wird das Experiment als gelungen bezeichnet. „Es war in diesem Stil das erste Mal, dass alle Partnerstädte auf diese Weise zusammengeführt wurden“, so Rathaussprecherin Jutta Hinz am Freitag gegenüber der SZ. Und da sei es schon „bemerkenswert, dass so viele konkrete Ergebnisse“ herausgekommen sind. Als Beispiel nennt Hinz die Diskussion um die Nutzung der Gründerzentren vor Ort. Hier entschieden sich noch während des Workshops vier Städte spontan zur Zusammenarbeit. In der Praxis werde das so aussehen: Wenn ein Unternehmen aus Bydgoszsc in Polen im israelischen Haifa einen Markt erschließen will, stellt Haifa dafür nötiges Know how sowie bei Bedarf Räumlichkeiten zur Verfügung.
Sämtliche Ergebnisse der Gespräche wurden zum Abschluss in einer Absichtserklärung zusammengefasst, die alle Teilnehmer am Freitagabend unterzeichneten. Tags zuvor hatten die Delegationsleiter ihre Städte bereits im „Goldenen Buch“ der Stadt Mannheim verewigt.
Dass Riesa für die Mannheimer durchaus einen besonderen Charakter trägt, macht Jutta Hinz klar. „Die Kontakte sind in den letzten zehn Jahren noch einmal viel lebendiger geworden“, sagt sie. Und beeindruckt sei man vor allem über die Umbenennung des Kinovorplatzes in Riesa in „Mannhemer Platz“ im vergangenen Jahr gewesen. „Das war ein sehr, sehr positives Signal für uns“, so Jutta Hinz.

(erschienen in der Sächsischen Zeitung, Lokalausgabe Riesa, am 16. Juli 2011)

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