Riesaer SED-Ruine im Umbau
In das leer stehende Gebäude der Partei-Kreisleitung sollen Senioren einziehen. Für die Häuser  der früheren Asylbewerberheime dagegen ist kein Nutzer in Sicht.
 
Von Thomas Riemer
 
Es ist alles andere als ein herzliches Willkommen, wenn Bahnreisende zu Fuß die Brücke über die B 169 in Richtung Zentrum passieren. Dort fällt der Blick unweigerlich auf die Gebäude „Am Birkenwäldchen“. Sie fristen ein wahrlich tristes Dasein. Gezeichnet sind sie vor allem von der zehnjährigen Nutzung als Asylbewerberheim des früheren Landkreises Riesa-Großenhain. Mehr als 170 Menschen lebten – besser: hausten – hier in Spitzenzeiten. 2008 war damit Schluss, seitdem stehen die Gebäude leer. „Wir versuchen Hände ringend, eine Nutzung für diese Objekte zu finden“, sagt Andreas Marciniak. Er ist Referatsleiter Immobilien der Hauptverwaltung Bundeseisenbahnvermögen mit Sitz in Bonn und hat damit natürlich nicht nur die Riesaer Ruinen zu verwalten. Eine Nutzung für die zu finden, „ist allerdings nicht ganz einfach“, gesteht Marciniak.
Bis 1995 wurden die Häuser „Am Birkenwäldchen“ als Verwaltungsgebäude des Landratsamtes Riesa genutzt, bestätigt der Sprecher des Meißner Landratsamtes Eberhard Franke. Eigentümer war die Deutsche Bahn AG, deren Tochterunternehmen Bahn-Immobiliengesellschaft das Objekt 1998 an die Gesellschaft für soziale Dienste mbh Freiberg „zum Zweck der Nutzung als Asylbewerber-Wohnheim“ vermietete, so Franke.
 
Andreas Marciniak kennt trotz der großen Entfernung zwischen Bonn und Riesa den Zustand in der Elbestadt recht gut. Das Betreiben eines Asylbewerberheimes sei natürlich mit einem enormen Verschleiß verbunden gewesen. Das mache es jetzt freilich noch komplizierter, Interessenten zu finden. Als Immobilienverwalter der Deutschen Bahn sichert das Bundeseisenbahnvermögen in jedem Fall das Areal, um Vandalismus, Verwüstungen oder auch illegales Wohnen dort zu unterbinden. Und versucht auf der anderen Flanke, trotz der schlechten Voraussetzungen eine Zukunft zu finden. „Eine spezielle Nutzung haben wir nicht im Blick“, so Marciniak. Wenn sich jedoch jemand fände, wäre er sofort bereit, die notwendigen Schritte für eine etwaige Nutzungsänderung bei den jeweiligen Behörden durchzudrücken. Notfalls sei auch eine Teilnutzung des Objektes möglich, „wenn auch nicht durch uns bevorzugt“, so Marciniak. Angestrebt wird in jedem Falle ein Verkauf der Immobilien, aber auch eine Verwendung auf Miet- oder Pachtbasis sei möglich.
 
Und wenn sich niemand findet? „Ich will nicht hoffen, dass es zu einem Abriss kommt“, sagt Andreas Marciniak. Aber ausschließen mag der diese Variante nach jetzigem Stand der Dinge nicht. „Am Ende kann natürlich auch der Abriss stehen“, sagt der Immobilienexperte. Und irgendwie schwingt in seiner Stimme bei diesem Gedanken Bedauern mit.
 
Praktisch nur einen Steinwurf entfernt steht gleich neben dem Prunkhotel „Mercure“ das alte SED-Haus in der Bahnhofstraße. Wo sich einst die Genossen täglich die Hände reichten, sind heute sporadisch Bauarbeiter anzutreffen. Denn seit 2010 gehört die alte SED-Kreisleitung der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR). Vorher erlebte das Haus seit der Wende eine kleine Odyssee. Es gehörte dem Landratsamt, Vereine und Institutionen residierten hier, sogar eine Diskothek. Zuletzt verließ die Musik- und Kunstschule das alte Gemäuer.
 
Dann versuchte sich eine Torgauer Investorin. Ende 2007 erwarb sie das Haus für 300000 Euro, wollte im Haus den etablierten Riesaer Pflegeeinrichtungen Konkurrenz machen. Doch daraus wurde nichts. „Das Konzept war nicht weiterzuführen“, sagt auch WGR-Geschäftsführer Roland Ledwa. Trotzdem hält die Wohnungsgesellschaft zumindest daran fest, im so genannten Altgebäude Angebote für betreutes Wohnen zu schaffen. „Wir planen 24 Wohnungen unterschiedlicher Größe“, so Roland Ledwa. Am Montag wurde begonnen, eine Rüstung aufzustellen. Mehr als eine Million Euro soll das Projekt kosten, die Fertigstellung ist für Mitte nächsten Jahres vorgesehen.
 
Weit schwieriger stellt sich die Umgestaltung des Nebenhauses mit Saal dar. Dessen Nutzung ist zurzeit noch offen. „Wir haben zwei Vorstellungen, für eine werden wir uns demnächst entscheiden“, so Roland Ledwa etwas geheimnisvoll. Die dritte Variante wäre ein Abriss. „Doch dazu wird es sehr wahrscheinlich nicht kommen“, verspricht der Geschäftsführer.
 
(erschienen in der Sächsischen Zeitung Riesa am 30. November 2011)

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